Härtetest an Schulen bestanden?

Offenbach - Hat Kultusministerin Dorothea Henzler den ersten Härtetest bestanden? Vor Wochen war geunkt worden: Nach den Ferien werde ihr größtes Problem deutlicher denn je zu sehen sein: der Lehrermangel. Von Peter Schulte-Holtey

Jetzt zeigt sich: Nach Startschwierigkeiten in der ersten Woche des neuen Schuljahrs hat sich der Stundenplan offenbar an vielen Schulen - mehr oder weniger - eingespielt Peter Bienussa vom Staatlichen Schulamt in Offenbach sind „keine besonderen Probleme bekannt“. Es gebe ja inzwischen vielfältige Möglichkeiten, Lücken zu schließen (Einsatz von Seiteneinsteigern, Unterricht von Lehrkräften mit dem 1. Staatsexamen usw.).

Bestnoten gibt es auch von Nicolas Wolz, Sprecher des Kultusministerium in Wiesbaden: „Wir sind sehr zufrieden mit dem aktuellen Stand der Lehrerversorgung. Zum Beginn des Schuljahres konnte der Unterricht landesweit nahezu vollständig abgedeckt werden. Dank der guten und engen Zusammenarbeit mit den Staatlichen Schulämtern hat alles reibungslos funktioniert, Klagen gab und gibt es so gut wie keine.“

Auch Helmut Deckert, Landesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), geht inzwischen von einer hundertprozentigen Versorgung der Schulen im Land aus. „Dies ist aber nur auf die Stundentafel bezogen. Durch Differenzierungen im Fach Religion ergibt sich wieder ein anders Bild“, gibt er zu bedenken.

Die Aussage 100-prozentige Versorgung heftig umstritten

Dies wird von Barbara Dietz-Becker; Pressesprecherin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), bestätigt: „Die Aussage ,100-prozentige Versorgung’ ist durchaus umstritten in ihrer Bedeutung. Sie bedeutet in der Regel, dass zwar die Stundentafel abgedeckt wird, aber dass zum Beispiel zugesagte Förderstunden nicht durch Lehrkräfte abgedeckt werden können.“ Die Situation an den Schulen sei noch sehr unübersichtlich. „Personalräte aus dem Kreis Bergstraße beispielsweise haben uns mitgeteilt, dass beruflichen Schulen noch immer Lehrkräfte fehlen“, so Dietz-Becker auf Anfrage unserer Zeitung.

FDP-Politikerin Henzler hatte bereits darauf hingewiesen, dass es noch immer zu wenige Gymnasiallehrer für Physik und Latein gebe. Den Haupt- und Realschulen fehlten außerdem noch Musik- und Chemielehrer. Die Landesregierung werde daher bei den Lehramtsstudenten gezielt Werbung für diese Fächer betreiben. Weiter bestehende Lücken könnten durch Seiteneinsteiger geschlossen werden.

2.300 neue Lehrer

Mit 1.000 zusätzlichen Lehrerstellen ist die Versorgung deutlich aufgestockt worden. Insgesamt mussten sogar fast 2.300 neue Lehrerinnen und Lehrer gefunden werden, weil 1.292 Stellen frei wurden und neu zu besetzen waren.

Als wichtige Neuerung bezeichnet Hessens Kultusministerin den sogenannten Zehn-Prozent-Erlass, der den Schulen im Land von diesem Schuljahr an die Möglichkeit biete, bis zu zehn Prozent der ihnen zugewiesenen Stellen, die zur Zeit nicht besetzbar seien, als Geldmittel zur freien Verfügung zu erhalten.

 „Dadurch können die Schulen eigenständig kreative Lösungen entwickeln, um zum Beispiel geeignete Vertretungskräfte für die Mangelfächer einzustellen“, hebt Henzler hervor. „Sie können Überstunden ihrer eigenen Lehrer bezahlen oder zusätzlichen Unterricht von Referendaren oder von Lehramtsstudenten finanzieren. Der Erlass ist damit für die Schulen ein erster Schritt in die Selbstständigkeit und zugleich ein wichtiges Instrument in Zeiten des Lehrermangels.“

Quelle: op-online.de

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