Luftfracht

Hahn soll nachtaktiv werden

Mainz/Frankfurt ‐ Der Kampf ums Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen geht vorm Bundesverwaltungsgericht in Leipzig in die letzte Runde. Ein Mitbewerber läuft sich derweil schon mal warm: Rheinland-Pfalz würde den lukrativen Frachtverkehr in der Nacht gerne auf seinem Hunsrück-Flughafen Hahn abwickeln. Ein altes Thema wird neu belebt. Von Ralf Enders

Zur Untermauerung hat das Wirtschaftsministerium in Mainz eine Studie in Auftrag gegeben. Ergebnis: Die Cargo-Flieger könnten nachts problemlos vom Hahn aus starten. Wirtschaftsminister Hendrik Hering (SPD) betonte, seine Regierung stehe zum Ausbau in Frankfurt. „Wir stehen aber auch ganz konsequent zu dem Nachtflugverbot.“ Am Hahn - fünftgrößter deutscher Frachtflughafen - gibt es kein Nachtflugverbot, und Hering meinte, die Bevölkerung dort habe auch nichts gegen Flüge in der Nacht.

Das Land Rheinland-Pfalz hatte im vergangenen Jahr die 65 Prozent Gesellschaftsanteile des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport am Flughafen Hahn für einen symbolischen Euro übernommen. Hessen hält weiterhin 17,5 Prozent am Hahn.

„Für Lufthansa Cargo ist der Frankfurter Flughafen alternativlos“

Das Gutachten berücksichtige vor allem die Frachtflüge von Lufthansa Cargo, weil diese etwa 70 Prozent des Frachtaufkommens in Frankfurt ausmachten, sagte Hering. Dort ist man von der Idee jedoch wenig begeistert: „Für Lufthansa Cargo ist der Frankfurter Flughafen alternativlos“, sagte Unternehmenssprecher Michael Göntgens. Das Gutachten ändere daran nichts. Für sein Unternehmen sei Vernetzung eine wichtige Geschäftsgrundlage. Göntgens erläuterte, dass 50 Prozent der Fracht mit Passagierflügen komme. Er hält den Vorschlag zudem für ökologisch bedenklich, weil tausende zusätzliche Lkw-Fahrten zwischen Frankfurt und Hahn anstünden.

Auch bei Fraport verweist man auf Vernetzung: „An einem Drehkreuz wie Frankfurt wird ein relativ hoher Anteil an Fracht von einem Flugzeug zum anderen umgeladen. Außerdem wird die Hälfte des Frachtaufkommens (...) in den Laderäumen der Passagiermaschinen befördert“, sagte Sprecher Thomas Uber. Deshalb kämen kleinere Airports „nur für einzelne Punkt-zu-Punkt-Verkehre“ in Frage.

Letztlich, stellt der Fraport-Sprecher aber klar, „entscheiden Fluggesellschaften selbst darüber, ob sie aufgrund von nächtlichen Flugbeschränkungen Ausweichmöglichkeiten an anderer Stelle sehen“.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

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