„Hallo, ich ziehe nach Frankfurt!“

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Not macht erfinderisch: Vorlesung in der evangelischen Auferstehungskirche in Kassel.

Frankfurt - Das Telefon im Studien-Service-Center der Goethe-Universität steht nicht still. Mehrere Dutzend Anrufe gebe es täglich, berichtet eine Mitarbeiterin. Immer herrsche der gleiche Tenor: „Hallo, ich ziehe nach Frankfurt und suche eine Wohnung.“ Von Denis Hubert

Das Wintersemester steht bevor und eine Schar an Neu-Studierenden strömt in die Studienberatung. Das Studentenwerk Frankfurt, das für fünf Hochschulen im Rhein-Main-Gebiet zuständig ist, hat eigens für sie eine Telefonhotline eingerichtet.

Unter den Wohnungssuchenden ist seit zwei Wochen auch Bastian Busch. Der 20-Jährige wird ab Oktober an der Fachhochschule in Wiesbaden „Business & Law in Accounting and Taxation“ studieren. Zunächst habe der geborene Pfälzer nur das Internet durchforstet. Doch viele Wohngemeinschaften (WGs) in Wiesbaden habe er nicht entdeckt. „Ich dachte, die Auswahl wäre größer“, sagt er enttäuscht.

34 Studierende kommen auf eine Wohnung

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Händeringend nach einer Wohnung zu günstigen Konditionen sucht auch Olivia aus Oberursel, die an der Goethe-Uni ein Lehramtsstudium beginnen wird. Wie so viele Studierende sei auch sie „chronisch pleite“, sagt die 20-Jährige – und räumt ein, womöglich zu spät mit der Suche begonnen zu haben. Ihre Erfahrung: „Frankfurt ist ziemlich teuer.“

Die Wohnheime können den Ansturm nur bedingt abfedern. Derzeit stehen allein in Frankfurt für die mehr als 53. 000 Studierenden an der Goethe-Uni, der Fachhochschule und der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst lediglich 3 615 Wohnheimplätze bereit, 1 850 davon betreibt das Studentenwerk. Nur rund sieben Prozent der Studierenden bekommen einen der begehrten Plätze, hat das Studentenwerk ausgerechnet.

Auffallend: Das Studentenwerk Frankfurt, das auch für Wiesbaden und Offenbach zuständig ist, stellt deutlich weniger Wohnheimplätze bereit als andere hessische Studentenwerke. 34 Studierende (Stand: Ende 2011) stritten sich demnach um eine der vom Studentenwerk Frankfurt bewirtschafteten Unterkünfte. Zum Vergleich: Auf die Plätze des Studentenwerks Kassel kamen 21, auf die in Gießen und Darmstadt jeweils 15 und auf die Wohnheimplätze in Marburg fielen gar nur elf Studierende.

Auch Wohnungen im Altersheim sind im Angebot

2010 hat das Studentenwerk Frankfurt daher gemeinsam mit den Hochschulen in Frankfurt und Wiesbaden und deren Studierendenvertretungen die Kampagne „Wohnraum für Studierende“ ins Leben gerufen. Auf der Webseite kann jeder ein Zimmer oder eine Wohnung anbieten. Nachdem das Studentenwerk die Annonce auf ihre Ernsthaftigkeit geprüft hat, wird sie für die Studierenden freigegeben. Das Angebot werde von den Bürgern sehr gut angenommen, sagt Katrin Wenzel, Pressesprecherin des Studentenwerks Frankfurt. Der Wohnraummangel sei dadurch erst so richtig ins Bewusstsein der Menschen eingedrungen. Viele sagten sich: „Mensch, ich habe hier noch einen Raum frei, den gebe ich jetzt Studierenden“, berichtet Wenzel von ihren Erfahrungen, die sie mit den Vermietern gemacht hat. Besonders jetzt, kurz vor Semesterstart, häuften sich die Anzeigen. Rund 15 neue Angebote habe sie in den vergangenen zehn Tagen gezählt. Besonders amüsant findet Wenzel die Annonce eines Wiesbadener Seniorenheims, das neun Zimmer „mit Waschbecken, Einbauschrank, Kühlschrank und Balkon“ anbietet und „die wir gern an Studierende vermieten möchten“, wie in der Anzeige zu lesen ist. Dabei handelt es sich um Personalwohnungen, die eigentlich für die Mitarbeiter des Altenzentrums gedacht waren, wegen Personalmangels aber leer stehen. Nach Angaben des Seniorenheims habe es bereits vereinzelte Anfragen gegeben – vermietet sei aber noch keines der Zimmer.

dpa

Quelle: op-online.de

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