„Tatütata“ war gestern

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Auf Deutschlands Straßen wird es bunter und lauter: Die Einführung von neuenPolizeisirenen schreitet voran – in Hessen sind sie schon seit Jahren erlaubt.

Hamburg/Wiesbaden - Erst blitzt es einem rot aus dem Rückspiegel entgegen, dann ertönt ein jaulendes, lautes Sirenengeräusch. „Flasher“ und „Yelp“ heißen die Hilfsmittel, mit denen deutsche Polizeibeamte künftig bei Kontrollen Autofahrer unmissverständlich zum Anhalten auffordern können.

Die Polizei in Hessen ist ihrer Zeit längst voraus. „Schon seit 2004 sind dort alle neuen Funkstreifenwagen mit dieser zusätzlichen Technik ausgestattet“, erklärt die Sprecherin des Innenministeriums, Claudia Spruch. Neun Jahre lang durften hessische Polizisten die Signale verwenden, dank einer Ausnahmegenehmigung, wie die Sprecherin des Innenministeriums, Claudia Spruch, erklärt. Ausnahme deshalb, weil es bis vor einem Jahr keine bundesrechtliche Regelung für die Einführung der neuen Signale gab. Erst im Sommer 2013 schuf das Bundesverkehrsministerium den nötigen gesetzlichen Spielraum und kam damit unter anderem einer Forderung der Polizeigewerkschaften nach.

Die weisen schon seit längerem auf ein Problem hin, das sich bei Verkehrskontrollen häufiger stellt: Will die Besatzung eines Streifenwagens ein Auto vor sich zum Anhalten auffordern, muss sie auf der Blaulichtbrücke auf dem Dach per roter Leuchtschrift „Stop Polizei“ einblenden. Das übersehen Autofahrer jedoch oft. Werden Blaulicht und Martinshorn dazugenommen, um der Forderung Nachdruck zu verleihen, werten viele das eher als Aufforderung zum Platzmachen. So wie sie es in der Fahrschule gelernt haben.

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Den Beamten bleibt in solchen Fällen nicht viel anderes übrig, als das betroffene Fahrzeug zu überholen. Das jedoch erfordert ein bisweilen riskantes Manöver, außerdem sind die Beamten bei der anschließenden Kontrolle im Nachteil. Sie müssen eventuell in die blendenden Scheinwerfer des Angehaltenen blicken und können die Lage in dessen Auto insgesamt schlecht überblicken. Das neuartige rote Blitzlicht und der heulende „Yelper“, der mit seinem schrillen „Wiuwiuwiu“ dem typischen Klang amerikanischer Sirenen nachempfunden ist, sollen das ändern. Sie machen dem Autofahrer klar, dass er stoppen soll, ohne dass die Beamten überholen müssen. „Zunächst werden der Schriftzug „Stop Polizei“ und das rote Anhaltesignal „Flash“ aktiviert. Erfolgt keine Reaktion, kann das Anhaltehorn Yelp aktiviert werden“, führt Spruch aus.

„Diese Vorgehensweise dient auch dem Schutz der Einsatzkräfte“, ergänzt Rainer Wendt, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). Blaulicht und Martinshorn ersetzen die neuen Signale dabei nicht. Sie kommen immer unabhängig von diesen und nur dann zum Einsatz, wenn die Polizei ein Auto stoppen will.

Mehr Aufmerksamkeit

Dass die Autofahrer durch die noch ungewohnten neuen Signale verwirrt werden, hat die DPolG nach eigenen Angaben noch nicht beobachtet. Im Gegenteil: Die Bürger kämen mit dem „Yelp“ gut zurecht und wüssten es „gut einzuordnen“, heißt es von dort unter Berufung auf die ersten Rückmeldungen. Ähnliche Erfahrungen hat auch das Land Hessen gemacht. „Es hat sich gezeigt, dass die neue Sirene die Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer steigert. In der Regel halten sie schnell an“, weiß Spruch.

Für die meisten Autofahrer in Deutschland dürfte es noch dauern, bis sie das erste Mal mit „Yelper“ und „Flasher“ in Kontakt kommen. Jedes Bundesland hat bei der Einführung sein eigenes Tempo. Zwar ist die Umrüstung nicht sonderlich kompliziert. Die Technik ist meistens bereits vorinstalliert und kann durch ein Softwareupdate schnell in Betrieb genommen werden. Aber das erfolgt meist im Rahmen routinemäßiger Wartungen. So kommt es, dass die Einführung etwa in Nordrhein-Westfalen erst anläuft, während die beiden Signale in Hessen schon seit mehreren Jahren zu hören und sehen sind.

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Immerhin: In die Ausbildung der Fahranfänger haben „Flasher“ und „Yelper“ es schon geschafft. „Wir unterrichten die Signale selbstverständlich“, sagt Gerhard von Bressensdorf, Chef der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände. Außerdem werde dazu auch eine neue Frage für die Führerscheinprüfungen gestaltet.

afp/ljö

Quelle: op-online.de

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