Handwerk erhält schneller Geld

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Die Einstiegsvoraussetzungen für den vom hessischen Handwerk initiierten Fonds „Kapital für Kleinunternehmen“ wurden verbessert.

Offenbach ‐ Kleine Handwerksfirmen in Hessen können künftig einfacher an Geld kommen: Die Einstiegsvoraussetzungen für den vom hessischen Handwerk initiierten Fonds „Kapital für Kleinunternehmen“ wurden verbessert. Von Achim Lederle

„Jetzt können die Betriebe unterstützt durch ihre Hausbank richtig durchstarten“, kommentierte der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Handwerkskammern (ARGE), Harald Brandes, die Entscheidung der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen (Wibank), die Zugangskriterien zu dem Kapitalfonds zu lockern.

Wie Dr. Christoph Gelking, Hauptabteilungsleiter Gewerbeförderung der Handwerkskammer Wiesbaden, gestern unserer Zeitung sagte, seien bisher nur solche Betriebe in den Genuss einer Förderung der Wibank gekommen, deren „rechnerische Ausfallwahrscheinlichkeit“ höchstens drei Prozent betragen habe. „Über ein Rating wurde versucht, die schwächeren Betriebe auszusortieren“, erklärte Gelking. Die Festlegung auf die laut Gelking „mittelschlechte Quote“ von drei Prozent erschien den Handwerkskammern aber als zu streng. „Betriebe mit einem besseren Rating bekommen häufig auch direkt Geld von ihrer Hausbank. Die schlechteren, die aber genau Zielgruppe des Programms sein sollten, wurden bislang ausgeschlossen“, so Gelking.

Das habe sich nun geändert. Ein Rating verbessert sich sofort, wenn die Eigenkapitaldecke des Unternehmens steigt. Gelking: „Also schlugen wir der Wibank vor, eine ‚Was-wäre-wenn‘-Rechnung als Auswahlkriterium aufzustellen: Wie hoch ist das Eigenkapital der Firma mit dem Geld aus dem Fonds?“ Betriebe könnten aus dem Unterstützungsprogramm eigenkapitalähnliche Mittel von 25 000 Euro bis 75 000 Euro erhalten. Damit werde das Rating zum Teil massiv verbessert. „Die Wibank hat unserem Vorschlag zugestimmt, was die Situation für kleine Handwerksbetriebe deutlich verbessert“, sagte Gelking.

Brandes zufolge bewillige die Wibank die entsprechenden Anträge, die von den Hausbanken für die Betriebe eingereicht werden, schnell und unbürokratisch. „Wenn Handwerksbetriebe Probleme haben, ihre Daten und Businesspläne aufzubereiten, werden sie kompetent und kostenfrei von den betriebswirtschaftlichen Beratern der Handwerkskammern unterstützt“, so der ARGE-Geschäftsführer weiter. Jetzt müssten nur noch alle Hausbanken das neue Landesprogramm den Betrieben flächendeckend anbieten. Die Wibank habe die Verbesserung der Zugangskriterien allen Banken mitgeteilt, „aber leider kennen noch nicht alle Bankberater das Programm und die neuen Regeln.“ Dies sei umso ärgerlicher, da in den Richtlinien eine starke Rolle der Hausbanken nicht nur als beantragende Stelle, sondern auch als zusätzlicher Darlehensgeber gefragt sei, so Brandes.

Das hessische Handwerk hatte bereits im Herbst 2009 die Einrichtung eines Kapitalfonds gefordert, um den kleinen und mittleren Handwerksbetrieben durch die wirtschaftliche Krise zu helfen. Der Präsident des Hessischen Handwerkstag (HHT), Bernd Ehinger, sieht in dem Fonds, der im März eingeführt wurde, ein gutes Instrument, um in der Finanzkrise die Eigenkapitalbasis der Handwerksbetriebe zu stärken. Rund 150 Betriebe bekundeten laut HHT bereits im März bei den drei hessischen Handwerkskammern Kassel, Rhein-Main und Wiesbaden ihr Interesse. Ehinger unterstrich, dass die Handwerksorganisation den Betrieben beim Einreichen der geforderten Unterlagen helfe und sie individuell unterstütze.

Gelking ergänzte: „Nun gibt es kein Damoklesschwert beim Eintritt mehr. Die Zahl der Antragsberechtigten wird sich deutlich erhöhen.“ Insgesamt stünden aus dem Fonds bis zu 30 Millionen Euro für hessische Handwerker zur Verfügung.

Unterstützung

durch Hausbank

Quelle: op-online.de

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