Der Illusionist verzaubert mit Spektakel und leisen Momenten

Hans Klok: „Ein Magier beschwindelt stets sein Publikum“

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Der niederländische Magier Hans Klok scheint auf einem Schwert zu schweben.

Frankfurt - Am liebsten zeigt der Magier Hans Klok jenen Trick, bei dem eine brennende Glühbirne dicht über den Köpfen des Publikums schwebt.

Im Alter von zehn Jahren hat der Niederländer dieses faszinierende Schauspiel erstmals bei dem amerikanischen Magier Harry Blackstone Jr. gesehen, mit dem ihn später eine langjährige Freundschaft verband. Daher verwundert es kaum, dass Hans Klok heute der einzige Illusionist auf der Welt ist, der Blackstones geheimnisvollen Klassiker vor Publikum zeigen darf. Die „Fliegende Glühbirne“ ist so auch Bestandteil von Kloks aktueller Show „The New Houdini“, die nächste Woche an zwei Abenden in der Jahrhunderthalle zu sehen ist. Thomas Ungeheuer hat den 46-jährigen Illusionisten schon vorher zum Gespräch getroffen.

Heute kann man Magier fast nur noch bei kurzen Auftritten in Varietés sehen. Warum gibt es so wenige abendfüllende Illusionsshows?

Vor 100 Jahren waren viele Illusionisten mit Programmen unterwegs, die zwei Stunden dauerten. Aber dann war plötzlich die Zeit der großen Shows vorbei. Magier traten nur noch in Nachtclubs, Varietés oder im Zirkus auf. Ich habe auch auf kleinen Bühnen angefangen. Aber mich machte das nicht glücklich, weil ich bald mehr zeigen konnte und wollte.

Die „Ehrlich Brothers“ verbiegen auf spektakuläre Weise Bahnschienen aus Metall, können aber auch eine Münze in eine Glasflasche hineinzaubern. Welche Tricks faszinieren Sie mehr - die großen oder die kleinen?

Ich liebe das große Spektakel ebenso wie die leisen, romantischen Momente. Deswegen gibt es in meinen Shows natürlich Gedankenlesen, Hypnose, schwebende Gegenstände und Entfesselungen ebenso wie Illusionen, bei denen Menschen plötzlich von einem Ort verschwinden, um danach an einem anderen wieder aufzutauchen. Wenn man vor zwei- oder dreitausend Leuten auftritt, dann muss man große, spektakuläre Tricks zeigen, damit man auch die Zuschauer in den hinteren Reihen erreicht.

Sie halten einen Schnelligkeitsrekord. In fünf Minuten können Sie fünfzehn große Illusionen zeigen. Wer hilft Ihnen dabei, eine komplette Show zu entwickeln?

Ich habe sehr kreative Köpfe in meinem Team. Es ist nicht einfach, einen Regisseur zu finden, der tiefes Verständnis für Magie und Varieté hat. Manche Regisseure lenken zu viel Aufmerksamkeit auf eine Geschichte, die in einer Show eigentlich nur nebenbei erzählt werden soll. Ich weiß, dass es wichtig ist, kleine Geschichten zu erzählen. Aber zu mir kommen die Menschen, um überrascht zu werden und staunen zu dürfen.

Sie arbeiten mit einer Assistentin. Haben Sie so etwas Ähnliches wie eine telepathische Verbindung mit ihr?

Ja, Magie hat immer etwas mit Gedankenlesen zu tun. Deshalb arbeite ich auch gerne mit jemandem lange zusammen. Wenn während eines Tricks etwas schief läuft, dann weiß eine langjährige Assistentin sofort, was zu tun ist, damit möglichst niemand im Saal etwas von der Panne bemerkt. Mit einem Blick in die Augen kann ich Signale geben, die sofort von ihr verstanden werden.

Welche Art von Magie möchten Sie nicht zeigen?

Tricks mit Tieren. Auch auf Aktionen, die zu gefährlich sind, verzichte ich. Vor ein paar Wochen hat sich ein Magier lebendig begraben lassen. Er wäre fast dabei gestorben! Ich bin ein sehr vorsichtiger, ja fast ängstlicher Mensch. Und genau das hilft mir. Ich kann deshalb besser mit Gefahren auf der Bühne umgehen, weil ich weiß, wie gefährlich Feuer und Wasser sind.

Im Januar 2014 waren Sie der erste Illusionist seit 38 Jahren, der beim „Internationalen Zirkusfestival von Monte Carlo“ mit einem „Silbernen Clown“ ausgezeichnet wurde. Warum hat über Jahrzehnte hinweg kein anderer Magier den Preis bekommen?

Ein Magier beschwindelt stets sein Publikum. Auf einer normalen Theaterbühne ist das leicht, weil ihm dabei niemand über die Schulter sehen kann. Wenn er jedoch in der Manege eines Zirkus’ auftritt, dann können ihn immer ein paar Leute von hinten sehen. Somit wird es für ihn auch schwieriger, zu schummeln. Dennoch sind mir in Monte Carlo all meine verschiedenen Tricks gelungen, und rundherum waren die Zuschauer begeistert. Sie haben Magie gesehen.

Quelle: op-online.de

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