Vor Konzert in Jahrhunderthalle

Hansi Hinterseer im großen Interview

+
Seit zwanzig Jahren ist Ex-Profisportler Hansi Hinterseer als Volksmusiker unterwegs.

Offenbach/Frankfurt - Hansi Hinterseer geht mit seinen Freunden vom Tiroler Echo auf Tournee. Nächsten Mittwoch, 10. Februar, macht er in der Jahrhunderthalle Halt und spielt unter anderem Titel des neuen Albums „Gefühle“. Der ehemalige Profi-Skiläufer blickt auf eine erfolgreiche Karriere als Sänger zurück.  Von Enrico Sauda

Wo erwische ich Sie denn gerade?

Ich bin beim Skifahren.

Werden Sie für die Auftritte proben oder muss das nach so vielen Jahren im Show-Business nicht mehr sein?

Meine Freunde vom Tiroler Echo und ich sind gut eingespielt, seit 20 Jahren begleiten Sie mich bereits auf Tournee und Solo-Konzerten. Wir haben dennoch einige Probetage. Schließlich wird das eine große Produktion, und wir wollen unsere Fans glücklich machen. Die Techniker sind seit einiger Zeit bei der Arbeit, die Bühne wird wieder was ganz Spezielles!

Wie lange werden Sie denn spielen?

Etwas über zwei Stunden.

Artet das in Arbeit aus?

Nein. Ich freue mich wahnsinnig, dass ich wieder auf Tournee gehen kann. Denn das ist alles andere als selbstverständlich. Die Fans, die zu mir kommen, wissen, dass wir gemeinsam einen lustigen und unterhaltsamen Abend erleben. Das ist doch bei der ganzen Sache das Wichtige: Dass das Publikum und ich alles zusammen machen – singen und tanzen. Dass die Leute nach dem Auftritt nach Hause gehen und sagen: ,Ja, das hat mir gefallen und ich fühle mich total entspannt.’ Wenn ich das hinbekomme, dann fühle ich mich sehr glücklich.

Gerade gestandene Entertainer wie Sie sollten doch keine Schwierigkeiten haben, Hallen zu füllen.

Das ist leider nur bedingt richtig. Die wirtschaftliche Situation ist nicht mehr so rosig wie vor einigen Jahren, das Budget der Fans zum Ausgehen ist begrenzt, außerdem sind sehr viele Künstler unterwegs. Aber ich kann mich nicht beklagen und bin glücklich, dass ich mich in der Position befinde, in der ich gerade bin. Ich habe sehr viele treue Fans.

Fast ausnahmslos klagt die Musikindustrie über den Rückgang beim Verkauf von Tonträgern. Wie geht es Ihnen da?

Jeder, der eine CD veröffentlicht, hofft, dass viele Menschen sie kaufen, das ist selbstredend. Aber natürlich hat das Internet vieles kaputt gemacht. Das Angebot im Internet wirkt sich auf die Verkäufe aus, das spürt die Branche. Es hat sich einiges verlagert. Aber ich weiß, dass es vielen meiner Fans nach wie vor wichtig ist, eine CD in Händen zu halten. 

Planen Sie in diesem Jahr trotzdem, eine neue CD zu veröffentlichen?

Für dieses Jahr ist einiges geplant. Unter anderem die einwöchige Fan-Reise, die wir im Mai zum 14. Mal machen. Dann arbeiten wir auch an einer neuen CD, die im September erscheinen soll. Auch ein Fernsehprojekt könnte in diesem Jahr noch anstehen.

Und wie ist das bei Ihnen, kaufen Sie CDs?

Ich kaufe weder CDs, noch lade ich sie runter. Das überlasse ich meinen drei Mädels daheim. Ich habe mir in meinem ganzen Leben noch keine CD gekauft. Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich durch die vielen Fernsehsendungen, die ich gemacht habe, in den vergangenen 20 Jahren viele CDs geschenkt bekommen habe. Ich schätze die Musik von jedem, der auf der Bühne steht, hoch ein. 

Welche Musik hören Sie am liebsten?

Bei mir muss es sehr melodiös sein, tanzbar. Gern auch Blues, die Musik der 80er. Und natürlich richtige Volksmusik.

Was ist denn richtige Volksmusik?

Die Traditionelle. Das ist, wenn man in der Stube zusammensitzt mit Gitarre und Zither und singt. Wenn alte überlieferte Texte gesungen werden. Das kann man nicht planen, das ergibt sich einfach, wenn man mit guten Freunden zusammenkommt. Und wenn’s passt.

Sie sind seit mehr als zwei Jahrzehnten im Geschäft. Was hat sich verändert?

Schon so einiges. Alles ist schneller und schnelllebiger geworden. Und die Liebe zum Detail ist verloren gegangen.

Woran machen Sie das fest?

Bei den ersten Fernsehsendungen, die ich gemacht habe, hatten wir einfach mehr Zeit. Die Leute arbeiteten sicher auch daher mit viel mehr Gefühl. Heute ist alles schnell, schnell. Das ist nicht mein Ding. Ich fühle mich da nicht so wohl.

Die Konzert-Höhepunkte des Jahres in der Region

Wobei genau?

Na, wenn zum Beispiel beim sogenannten Warm-up vor Live-Sendungen auf Kommando applaudiert werden soll. Das muss doch vom Herzen kommen und nicht, weil einer ein Schild hochhebt.

Sind Sie deshalb in letzter Zeit so selten im Fernsehen zu sehen gewesen?

Das hat damit nichts zu tun. Es gibt weniger Plattformen für meine Musik, mit denen ich mich wohl fühle. Talk-Sendungen und Spiel- oder Koch-Shows sind nichts für mich. Außerdem hatte ich zum Jahresende eine Sendereihe bei ServusTV, und die Tour musste auch vorbereitet werden. Es gab einiges zu tun. Wenn’s im Sommer und Herbst wieder ruhiger wird, bin ich gern wieder mehr im Fernsehen mit dabei!

Sie haben ein sehr dichtes Tourprogramm. Wie halten Sie Ihre Stimme fit?

Als Sänger geht man da natürlich ein Risiko ein. Gerade im Winter. Vor allem bei Autogrammstunden nach den Konzerten, wenn viel Zugluft da ist. Aber ich bin gut ausgeruht, fühle mich fit, und man härtet ja beim Skifahren ab. Mit dem ersten Schnee war ich daheim in Kitzbühel frühmorgens gern auf der Piste unterwegs. Und wenn die Gegebenheiten in einer Halle wirklich mal nicht so optimal sind, dann gibt es eben leider keine Autogrammstunde, damit das Team und ich gesund bleiben und wir alle Konzerte spielen können!

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare