Hüttenzauber und Polonaise

Hansi Hinterseers „Gefühle“-Tournee in der Jahrhunderthalle

Frankfurt - „Jo mei, der Hansi, es is scho a Wahnsinn!“ Eben noch auf der Streif in der vordersten VIP-Reihe oder fürs Fernsehen sogar auf der Piste, nun bereits auf großer „Gefühle“-Tour. Und das „Tiroler Echo“ hat er auch dabei. Von Peter H. Müller

Und Gitti, Pia und dann dieses umwerfende Lächeln. Dafür gibt’s Präsentkörbe en masse, wie immer. Natürlich auch diverse Blumengebinde, nebst einer Wagenladung Schokolade. Schließlich feiert Johann Ernst „Hansi“ Hinterseer in der gut gefüllten Jahrhunderthalle nicht nur seine „heilbare Heimatwelt“, sondern auch ein wenig Geburtstags-Party – mit einer zünftigen Polonaise. Vor gut einer Woche, man glaubt das ja trotz aller verbrieften Biografien einfach nicht, soll er 62 geworden sein. Und sehr wahrscheinlich ist er nach dem pflichtgemäß erledigten Hahnenkamm-Rummel wieder allein mit „seine gmiatliche Leitln“, ein paar engen Freunden, entspannt auf der Seidlalm gesessen, um die Idylle zu inhalieren. Denn Hinterseer, das ist auch die Strahlemann gewordene Bodenständigkeit, einer, der das Konservative, die Tradition und die heimeligen Berge mehr liebt als jedes Kasperltheater.

Jaja, volkstümlicher Frohsinn und diese entwaffnende, ewig wolkige Softigkeit sind eine durchaus ernste Sache, wenn nicht sogar Dienstleistung. Das braucht Disziplin und Authentizität. Vor allem, wenn es mal wieder auf eine „Frühjahrs-Tournee“ geht mit mehr als 30 Konzerten für die ganze Familie, bis hinauf nach Dänemark, wo sie ihn, warum auch immer, besonders ins Herz geschlossen haben. Das gilt auch für „Tiroler Echo“-Vorstand Luis Plattner, dessen krachlederne „Hallo Halli Hallo“-Combo „unsern Hansi“ inzwischen seit zwei Dekaden begleitet. Zur Begrüßung orgeln denn auch gleich diverse „Zickezacke“-Alpen-Polkas und die „bärige“ Hansi-Hymne „Auf der Streif“ durch den Saal, um den Kitzbüheler Volkshelden mitsamt seiner Steierischen Quetschkommode gebührend zu würdigen. Schon sind wir mittendrin in dieser Hinterseerschen Parallel-Welt mit fleißig beklatschten Gaudi-„Liadl“ wie „Jetz samma do“ oder „Komm nach Tirol Senorita“, die von jetzt auf gleich eine Stimmung zwischen Altweiberfastnacht und Skihüttenzauber entfachen. Schunkeln ist dabei Pflicht, ein Foxtrott die Kür – und wenn der Hansi „spontan“ seine sportliche „Tiroler Polonaise“ anzettelt, hecheln selbst Oma und Enkelin gern hinterher.

Konzert von Clueso in der Frankfurter Jahrhunderthalle

„Ay Ay Ay Ay – Du bist zurückgekommen“, „Egal, wohin Du gehst“, „Komm und tanz’“: Ein Hinterseer-Konzert ist immer auch Familienfest und Feiertag zu gleichen Teilen, auch wenn die Nicht-Volksmusik-Gemeinde hier gern ausnehmend schreckliche Songs und viel Placebo-Balsam für verirrte Seelen vermutet. Den Hansi selbst ficht das nicht an. Er, der sich „narrisch auf die Feens gfreit hat“, ist längst mit dem eigenen Mythos vom Bergbauernbub, der zum Skifahrer-Heroen, Familienvater, TV-Star und Stadl-Helden avanciert ist, großflächig verwachsen. Womöglich ist seine Welt, die da aus dem Breitwandvideo strahlt – die Berner Sennenhunde, die Tiefschnee-Abfahrten, die Wanderung über sonnige Bergwiesen – tatsächlich so heil wie die Fabelwelten seiner Lieder. Die erzählen in der zweiten Halbzeit – das Trachten-Outfit musste einem blütenweißen Anzug weichen – vor allem von „Amore Mio“, „Tausend süßen Küssen“ und schön übergroßen Gefühlen. Vom Video grüßen jetzt die rotesten Herzen der Saison, und der Hansi schwoft so nah am Schlagerkitsch-Klischee entlang, dass es einem fast die Worte verschlägt. Was soll man auch sagen: „Es is halt a Wahnsinn!“

Quelle: op-online.de

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