Hardrock-Gipfel in der Jahrhunderthalle

Papa Roach und Five Finger Death Punch versetzen in Ekstase

Frankfurt - Freitag, der 13. , in der proppenvollen Jahrhunderthalle. Ein metallischer Vierfach-Hardrock-Gipfel ist anberaumt. Mit einer Doppelspitze, die zum besten gehört, was die US-Szene zu bieten hat: Papa Roach und Five Finger Death Punch. Von Peter H. Müller

Wilde Männer mit dem bösen F-Wort, die über Stromgitarren schrabben.

Es wird der erwartet atemberaubende Gig, einer, über den es eine ganze Menge zu berichten gäbe. Nur: Eine Flugstunde entfernt, im Pariser Club Bataclan findet zeitgleich auch ein Metal-Konzert statt - und ab 22.30 Uhr quillt plötzlich das Smartphone über vor Horror-Meldungen. Was soll man sagen in all der Sprachlosigkeit, mit Blick auf Nachrichten und erste Terror-Bilder, die auf dem Nachhauseweg übers Display flimmern? Man könnte sich hilflos an Chronistenpflichten klammern, von wilden Männern erzählen, die auf Felle dreschen, über Stromgitarren schrabben und das böse F-Wort strapazieren. Oder davon, dass am frühen Abend schon Eskimo Callboy und die „freundlichen“ Hardcore-Kollegen von Devil You Know die Halle in Höchst zum Hexenkessel aufgeheizt haben. Aber selbst diese Szenen sorgen inzwischen für eine bizarre Schere im Kopf.

Dennoch: Kurz vor 20.30 Uhr schlägt also Ober-Papa-Roach Jacoby Shaddix mit seiner formidablen Abrissbirnen-Truppe auf, und zettelt nach dem Opener „F.E.A.R.“ gleich mal Moshpit-Kreisel in Größe eines Meteoriten-Kraters an. Sodann geht es zum einen mit „Getting away with Murder“, „Last Resort“ oder „Warriors“ quer durch die Diskographie und zum anderen vor der Bühne mit triefend nassem freiem Oberkörper derart martialisch zur Tanz-Sache, dass man allein vom Hingucken blaue Flecken kriegt.

Gut 90 Minuten tobt der kraftstrotzende Hip-Hop-Metal-Sturm in der Arena, schließlich faucht Shaddix ein nächstes „Yeah, Frankfurt Motherfuckers“ in die dampfende Runde: Riesenjubel, Umbaupause, Zeit für ein Energie spendendes Pilsbier - wenn man denn seinen mit Ellbogen und Wagemut behauptetet Platz an der Rampe riskieren mag. Hier ist Handy ohnehin tabu, es geht eher darum, so bizarr das im Nachgang klingen mag, die nächste Moshpit-Arie unverletzt zu überstehen - die Bösewichte mit dem Schlagring-Logo warten nämlich.

Kraftklub rockt in der Jahrhunderthalle

Ian Moody, ständiger Ortsvorsteher bei Five Finger Death Punch, läutet nun trotz eines akustischen Friedensangebotes („Wrong Side oh Heaven“) die „Burn, Motherfucker, Burn“-Schlussetappe für die ganz knüppelharten Jumper ein. Ergebnis: pure Ekstase. Allein: Wer nach 23 Uhr seine Twitter-Nachrichten checkt, wird eher fassungslos in die Runde blicken. Ja, es war ein großartiger, wenn am Ende auch surrealer Hardrock-Gig in der Jahrhunderthalle. Er bleibt allerdings an diesem 13. November wohl noch unwichtiger als das Ergebnis eines Freundschafts-Kicks im Stade de France. Es ist zum Heulen.

Quelle: op-online.de

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