Zu schade zum Fahren

+
Der Gott der Motorrad-Schrauber, Fred Kodlin, auf einer umgebauten „Davidson Road King“.

Borken - Wohl fast jeder kennt die Kult-Motorräder Harley Davidson - und wohl fast jeder „Harley“-Fahrer kennt Fred Kodlin.

Verchromte Motorteile, Speziallackierung oder überbreite Hinterräder - wer auch immer sein Motorrad wirklich veredeln lassen möchte, ist bei dem preisgekrönten Mechaniker aus dem nordhessischen Borken an der richtigen Adresse. „Die meisten wollen, dass ich meine Unterschrift auf das umgebaute Bike setze“, sagt er. Wie häufiger hat er wieder einmal einen halben Tag bei der Zulassungsstelle verbracht - um Motorräder an- und gleich wieder abzumelden. „Es gibt Kunden, die möchten, dass mein Name der erste im Fahrzeugbrief ist“, erzählt er.

Dass Kodlin zu den bekanntesten Konstrukteuren von „Custom Bikes“, also individuell gebauten Motorrädern, gehört, kommt nicht von ungefähr. In den vergangenen Jahrzehnten hat er auch im „Custom Bike“-Stammland USA regelmäßig die wichtigsten Preise als bester Motorradbauer abgeräumt. 1997 gewann er beispielsweise beim legendären Harley-Treffen in Daytona Beach den ersten Preis in der Show-Klasse. In der Borkener Ausstellung stehen mehr als ein Dutzend Motorräder - Eigenkonstruktionen wie die „K-Wedge“ mit einseitiger Gabel, aber auch Umbauten mit riesigen 30-Zoll-Vorderrädern. Mit der weißen „K-Wedge“ hat der Hesse 2008 in Wisconsin die „X-Wedge-Klasse“ gewonnen.

„Ein Riesengeschäft“

Der Markt hat sich mittlerweile gewandelt. Früher hat Kodlin fast nur eigene Motorräder gebaut, heute sind vier von fünf Umbauten Harley-Maschinen. Zudem hat er sich auf die Entwicklung und den Handel mit Anbauteilen spezialisiert. „Jeder will sein Motorrad individualisieren“, betont er. Außerdem verkauft er seinen Namen - auf T-Shirts, Jacken, Taschen. „Das ist ein Riesengeschäft.“

„Er hat die “Customizer“-Szene in Deutschland geprägt“, sagt Heinrich Christmann, Chefredakteur der Szene-Zeitschrift „Dream Machines“. Weil Kodlin aber mittlerweile nur noch wenige eigene Motorräder baue, sei auch weltweit sein Einfluss zurückgegangen. „Er ist immer noch eine ganz große Nummer, muss sich die Vorherrschaft in Deutschland aber mit zwei, drei anderen teilen.“

Auch wenn bei den Umbauten die ganz hohen Preise wegfallen, günstig ist es immer noch nicht, eine Harley von Kodlin zu besitzen: Zwischen 25 000 und 60 000 Euro müssen seine Fans für ein Motorrad hinlegen. Zum Vergleich: Eine aktuelle neue Harley ist schon für weniger als 10 000 Euro zu haben. Dabei geht es den Kunden nicht immer ums Fahren, sondern manchmal auch nur darum, sich ein Kodlin-Bike in die Garage - oder ins Wohnzimmer zu stellen. „Ein Kunde hat nicht mal einen Führerschein. Man kann damit fahren, aber eigentlich sind sie dafür zu schade.“

Mehr als 5000 Kilometer mit der Harley Davidson

Dass sich allerdings ein solventer Kunde nach Borken einfach so verirrt, passiert eher selten. „Wir haben hier kaum Laufkundschaft. Wer herkommt, der kommt gezielt und meldet sich an“, erzählt Kodlin. Das ist bei den Ausstellungen und großen Motorrad-Treffen anders. Ende Juni ist er mit einem Stand bei den „Hamburg Harley Days“ in der Hansestadt. „Da machen wir einen Riesenbahnhof“, erzählt er.

Acht Mitarbeiter - Schlosser, Lackierer oder Zweiradmechaniker - veredeln die Motorräder. Mit dabei ist auch Kodlins 20-jähriger Sohn Len, der langsam aber sicher in die Fußstapfen seines Vaters tritt. Mit 13 Jahren hat er sein erstes Bike umgebaut, nach seiner Lehre als Feinwerkmechaniker entwirft er am Computer neue Anbauteile in 3D. „Man hat für die Entwicklung keine Jahre mehr Zeit. Wenn Harley Davidson ein neues Modell herausbringt, müssen wir schnell neue Anbauteile dafür haben“, erläutert Len, der natürlich auch eine umgebaute Harley fährt. „Ich würde mich nie auf ein Original-Motorrad setzen“, sagt er lachend.

Vater Kodlin sitzt nur noch selten auf dem Motorrad. „Ich komme kaum zum Fahren. Vielleicht mal eine Probefahrt.“ Geplant sei im Sommer aber jenseits des Großen Teiches eine Fahrt von Kalifornien nach South Dakota - mehr als 5000 Kilometer. Natürlich mit einer Kodlin.

Timo Lindemann (dpa)

Quelle: op-online.de

Kommentare