Spanische Hardcore-Band „We Ride“ im Elfer

Der harte Klang einer verlorenen Generation

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Mimi hat eine druckvolle Stimme, auf Konzerten dürfen sich aber auch mal andere an ihrem Mikro Luft machen.

Seit einigen Jahren sind vor allem Post-Hardcore-, Screamo- und Deathcore-Formationen in den einschlägigen Clubs tonangebend. Und dieser Trend ist natürlich nur die logische Konsequenz aus Besucher- und Verkaufszahlen. Von Sebastian Faerber

Die Texte vieler Bands jener Genres widmen sich Zerrüttung oder dem Seelenleben im Kampf mit dem Alltag. Sozialkritik auf einer politischen Ebene tritt oft in den Hintergrund. Da ist es durchaus erfrischend, dass mit der jungen spanischen Band „We Ride“ morgen eine Hardcore-Formation (HC) auf der Bühne des Frankfurter Clubs Elfer (Maybachstraße 24) steht, die den aktuellen Zeitgeist mit den bewährten Waffen des HC bombardiert.

Ist von der „verlorene Generation“ die Rede, ist nicht selten die spanische Jugend gemeint. Fast die Hälfte der unter 30-Jährigen hat keinen Job. Und auch keine Hoffnung, auf absehbare Zeit einen zu bekommen. Damit sollten die vier Musiker aus Vigo jenen Hintergrund haben, mit dem sich ein nicht zu verachtender Teil der europäischen Jugend identifizieren kann.

Stumpfsinn sein Fett weg

Während Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy diese Woche noch von einer „roten Linie“ sprach, die er im Zusammenhang mit Finanzhilfen der EU nicht überschritten sehen möchte, begibt sich „We Ride“ beispielsweise mit dem Song „On the Edge“ mitten in die Schlacht: „... this has reached the limit, ..., it’s time to start the fight, taking care of what is ours ...“. Daneben bekommt der Stumpfsinn sein Fett weg: „Fuck party girls, this is more than fashion ... Go out of here have dignity use your brain ...“.

Das Ganze einerseits mit der Stimmlage, die man von einem Klangkörper wie dem der zierlichen Sängerin erwartet. Aber mit ordentlich Druck dahinter. Denn wer glaubt, die Frontfrau sei eine Art fleischgewordene Minni Maus, wird schnell eines Besseren belehrt: Mimi ist durchaus auf Krawall gebürstet und macht am Mikro schon mal Rabatz wie eine Kreissäge mit Lagerschaden. Im positiven Sinn. Heraus kommt ein dichter Sound, der zwar etwas abwechslungsreicher sein könnte, mit Authentizität und einigen 2-Step-Parts aber Potenzial für ein intensives Konzert hat.

Nach beziehungsweise vor „We Ride“ stehen morgen zwei weitere junge Bands auf der Bühne des kleinen Clubs: „I Am Revenge“ aus Hamburg und „April Uprising“ aus Wuppertal. Beide machen ebenfalls Hardcore, allerdings unterschiedlicher Spielart.

Quelle: op-online.de

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