Ein Hauch „Dallas“ im Hessen-Ried

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Speziallaster mit schweren Ramm-Platten am Boden verursachen Schwingungen im Erdreich, die Rückschlüsse auf etwaige Lagerstätten des schwarzen Goldes geben können.

Stockstadt - Hohe Ölpreise und bessere Computer machen’s möglich: In Südhessen wird wieder nach Öl gesucht. Wenn alles nach Wunsch läuft, könnte dort das erste Mal seit langem wieder nach dem wertvollen Schatz im Untergrund gebohrt werden. Von Sabine Maurer (dpa)

„Wenn es Öl gibt, wird sich eine Bohrung bei den jetzigen Ölpreisen lohnen. Davon gehen wir fest aus“, sagt Thomas Gutschlag, Finanzchef der Deutschen Rohstoff AG in Heidelberg. Diese ist Gesellschafterin der Rhein Petroleum - und in deren Auftrag fahren seit Wochen spezielle Lastwagen unter anderem durch Südhessen und sammeln Unmengen an Daten. Bis zum Sommer sollen sie ausgewertet werden.

Die drei Spezial-Lastwagen werden noch vermutlich bis Anfang Februar auf der Suche nach Öl durch ein 245 Quadratkilometer großes Gebiet in Südhessen zwischen dem Rhein und der Autobahn 67 rattern. Der nördlichste Punkt ist Griesheim. Die Lastwagen sind mit schweren Platten ausgestattet, die auf einer festgelegten Route alle 40 Meter wuchtig auf den Boden geschlagen werden. Die Schwingungen werden von den insgesamt 18 000 in der Erde steckenden Mikrofonen registriert und die Daten dann an einen speziellen Übertragungswagen übermittelt. So können sich die Wissenschaftler ein Bild vom Untergrund machen.

Dieses Bild ist heutzutage deutlich klarer als noch vor einigen Jahren. „Wir können dank verbesserter Technologie viel mehr finden als früher“, sagt Gutschlag. Ebenso wie im mittleren Oberrheingraben (Baden-Württemberg) könnte es sich deshalb auch im nördlichen Teil (hessisches Ried) lohnen, trotz hoher Investitionen nach Erdöl und Erdgas zu suchen.

Ölbohrungen in Stockstadt wurden 1994 eingestellt

Würde in Südhessen nach Öl gebohrt, wäre das allerdings keine Premiere. In Stockstadt wurde von 1952 an mehr als 40 Jahre lang Öl gefördert, allerdings waren es nur geringe Mengen. Insgesamt sieben Millionen Barrel kamen ans Tageslicht. Zum Vergleich: Im Jahr 2010 wurden weltweit 82 Millionen Barrel produziert - täglich. Weil es sich wirtschaftlich nicht mehr lohnte, wurden die Ölbohrungen in Stockstadt im Jahr 1994 eingestellt.

Sehr zum Ärger der Kommune: „Wir haben nicht zuletzt wegen der sprudelnden Gewerbesteuer gute Erfahrungen gemacht mit den Bohrungen“, sagt Frank Vollmer von der Stockstädter Bauverwaltung. „Damals dachte der eine oder andere sicherlich, er wird Millionär.“

Der Landesverband Hessen des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) hat generell nichts gegen Erdölbohrungen im Land. Sprecher Thomas Norgall verweist auf den CO2-Ausstoß beim langen Transport des importierten Erdöls, der bei der Förderung vor Ort gespart wird. „Es kommt aber natürlich auch darauf an, welche Technik benutzt wird und wo die Bohrungen stattfinden sollen - etwa im Gewerbegebiet oder in der Natur“, schränkt er ein.

Sollte die vor vier Jahren gegründete Rhein Petroleum bei ihrer Suche nach Erdöl in Südhessen fündig werden, wird sie beim Regierungspräsidium (RP) in Darmstadt eine Produktionserlaubnis beantragen. Die Behörde hat bereits die Suche erlaubt. „Bevor wir Bohrungen genehmigen, wird der Antrag bis ins Detail geprüft, unter anderem auf Umweltverträglichkeit“, erklärt Gerhard Darschin von der Behörde. Bis das Ganze dann genehmigt wird, dauert es laut RP meist zwischen sechs und acht Wochen.

Deutschland deckt drei Prozent des eigenen Ölbedarfs selbst ab

Und auch in Stockstadt wissen die Menschen, dass unter ihren Füßen noch allerlei Reserven schlummern könnten: „Damals sollen nur 30 Prozent des Vorkommens ausgebeutet worden sein“, sagt Bauamtsleiter Vollmer. „Vom Rest soll man noch die Hälfte mit der heutigen Technik fördern können.“

Würde der Gemeinde das Gelände gehören, auf dem im besonders günstigen Fall künftig die Fördertürme stehen, dann würde sie vom Rohstoff selbst natürlich nichts abbekommen. Denn bei einer Erdölbohrung wird der Eigentümer des Grundstücks an den Bodenschätzen nicht beteiligt, er erhält jedoch eine Pacht. „Für eine Ölbohrung braucht man keine Riesenfläche. Es reicht die Größe eines durchschnittlichen Supermarkt-Parkplatzes“, erklärt Finanzchef Gutschlag.

In Deutschland liegt der Schwerpunkt der Ölförderung keineswegs in Hessen, sondern an und vor den Küsten. Etwa drei Prozent des jährlichen Ölbedarfs kann Deutschland aus eigenen Quellen decken. Nach Schleswig-Holstein und Niedersachsen belegt Rheinland-Pfalz mit seinem Anteil an den Öl-Vorkommen Rang drei.

Quelle: op-online.de

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