Frankfurts Hauptbahnhof ist Knotenpunkt

2 000 Reisebusse pro Woche

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Bisher gibt es kein Rezept gegen das Durcheinander: Blick auf die Bushaltestelle an der Hauptbahnhof-Südseite.

Frankfurt - Belgrad und Sofia, Amsterdam, Dresden, München und Berlin. Von einem Platz hinter dem Frankfurter Hauptbahnhof aus steuern Busse Ziele in ganz Europa an, sind unterwegs nach Osteuropa oder in die Türkei, zum Hunsrück-Flughafen Hahn, ins baden-württembergische Verkaufszentrum „Wertheim Village“ oder ins Bad Homburger Spielcasino. Von Milan Jäger 

Nach Angaben des Frankfurter Verkehrsdezernats fahren in der Bankenstadt mehr als 2000 Busse pro Woche los - ein Spitzenwert, hieß es. Die Bedeutung der Fernbusse spiegelt sich allerdings nicht wider in der Infrastruktur der Kommune, denn in Frankfurt gibt es immer noch keinen übersichtlichen Busbahnhof, lediglich ein unattraktives Nadelöhr an der Südseite des Hauptbahnhofs.

Seit der Liberalisierung des Fernbusverkehrs Anfang 2013 hat die Zahl der Busse enorm zugenommen. Vor allem an Wochenenden parken sie in Frankfurt teilweise in zwei Reihen auf den Straßen. Für Autos und Straßenbahnen gibt es dann kein Durchkommen. Am Rande des Pkw-Parkplatzes, an dem die meisten Haltestellen liegen, herrschen an diesen Tagen chaotische Zustände. Menschentrauben vor den Bussen, beim Ein- und Aussteigen schieben sich die Reisenden über die engen Bürgersteige. Wegweiser fehlen, Wartende stehen gezwungenermaßen auf der Straße. Regnet es, gibt es keine Vordächer zum Unterstellen.

Planungen für den Hauptbahnhof

„Die Situation ist nicht einfach“, sagt ein Sprecher vom Busunternehmen MeinFernbus, das 180 Haltestellen in Deutschland anfährt. Es passiert wenig. Ein großer, zentraler Fernbusbahnhof soll gebaut werden, die Pläne werden schon länger debattiert. „Wir prüfen im Moment intensiv, ob wir zusätzliche Flächen rund um den Hauptbahnhof für den Busverkehr nutzen können“, sagt Heiko Kleinsteuber vom Verkehrsdezernat. Andere Standorte wie der Flughafen, der Frankfurter Westbahnhof oder der mit S-Bahn und Autobahn angebundene Kaiserlei-Kreisel an der Grenze zu Offenbach scheinen aus dem Rennen zu sein: „Unsere Planungen beziehen sich nur auf den Hauptbahnhof.“ Vor allem die optimale Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr sei ein Argument für das Gelände.

Wie ein Sprecher der Deutschen Bahn erklärt, wäre die Aufwertung der Fernbus-Haltestelle auch im Interesse des Konzerns. Die Bahn, die selbst ein dichtes Liniennetz betreibt, hat nach der Liberalisierung des Fernbusverkehrs an Umsatz eingebüßt. Deshalb will sie nun noch stärker in den Busverkehr investieren. Vor wenigen Wochen kündigte sie an, den Busbahnhof in Kassel übernehmen zu wollen. Anbieter sollen die vom Konzern gewartete Station künftig gegen Gebühr nutzen können. Vergleichbare Pläne sind für Frankfurt nicht bekannt.

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Rund um den Hauptbahnhof kommt als Standort für einen Busbahnhof eigentlich nur der große Parkplatz auf der Südseite in Betracht. Das Grundstück gehört dem Immobilienunternehmen CA Immo. Laut CA Immo-Sprecher Markus Diekow wird derzeit mit der Stadt eine Bebauung des Grundstücks sondiert. Ein Ergebnis gibt es allerdings noch nicht.

„Wir halten es für eine gute Idee, dieses Areal zu bebauen“, sagt Mark Gellert vom Planungsdezernat. Der Busbahnhof könne in das Gebäude integriert werden. Um die Situation schnell zu verbessern, kündigt das Verkehrsdezernat an, dass es noch vor der Sommerreisezeit Wegweiser und Info-Tafeln auf der Hauptbahnhof-Südseite geben soll.

dpa

Quelle: op-online.de

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