Anna Larsson und das hr-Sinfonieorchester

Aus der Hauptstadt des Weltschmerzes

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Frankfurt - Wien war schon immer Hauptstadt des Weltschmerzes. Das bestätigt ein Konzert des hr-Sinfonieorchesters in der Alten Oper mit Werken von Gustav Mahler, Anton Webern und Arnold Schönberg, das gleichermaßen Wege zur Moderne aufzeigt. Von Klaus Ackermann

Mit der schwedischen Altistin Anna Larsson und dem italienischen Dirigenten Antonello Manacorda, der final nach viel bedeutsamer Schwere noch ein klangliches Betthupferl verabreicht, Franz Schuberts melodiesatte 6. Sinfonie. Dass er großer Verehrer des Johann Sebastian Bach war, unterstreicht das „Ricercar a 6“ von Anton Webern, markanter Vertreter der 2. Wiener Schule um Schönberg. Basiert es doch auf der sechsstimmigen Fuge von Bachs „Musikalischem Opfer“, dessen Generalthema Friedrich der Große lieferte. Webern zerlegt es in Motive, die er den Registerfarben des Orchesters andient, hier eine Orgel besonderer Art. Mit der Kesselpauke als mild grummelnden Tieftöner. Von einem die Zwölfton-Musiklehre verfeinernden Komponisten, der 1945 bei Salzburg versehentlich von einem US-Soldaten erschossen wurde.

Zeit der Empfindsamkeit bei Gustav Mahlers „Fünf Liedern nach Texten von Friedrich Rückert“. Der Welt entrückt zu sein, ist in dieser, seelische Befindlichkeiten auslebenden Poesie oberstes Gebot, prädestiniert für die dunkel timbrierte Alt-Stimme der Schwedin. Kontraste in diesen farbigen Strophenliedern sind „Um Mitternacht“, Leid und Schmerz (der tiefen Blechbläser) in gläubige Zuversicht (eines wohlig tönenden Posaunenchors) ummünzend. Und das ergreifende „Liebst du um Schönheit“, ein Bekenntnis, bei dem in Larssons feinfühliger Stimme schon der Liebesverlust mitschwingt.

So wirkt Musik auf unseren Körper

Ein tonales Zwischenspiel für Zwölftonlehre-Erfinders Schönberg ist seine 2. Kammersinfonie, eine Trauermusik, weit entfernt von sperriger Modernität. Mit einem freundlichen G-Dur-Satz, den Manacorda und die hr-Sinfoniker zügig zu steigern verstehen, ehe sich auch bei ihnen wieder Schönbergs Adagio-Depression durchsetzt. Durchweg positiv gewendet und bravourös aufgezogen dagegen die „Kleine C-Dur-Sinfonie“ von Schubert. Mit einem Lied zum Liebhaben und ariosen Passagen, die den Kesselpauker nachdrücklich in Szene rücken.

Quelle: op-online.de

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