Hausarrest - auf ewig

Michael Eschenauer

Die Lärmschutzbereichsverordnung macht einen Irrweg zur Rollbahn. Denn Geld rettet unsere Region nicht vor dem Lärm.

Die Euros, die in Lärmschutzfenster, dickere Hauswände sowie in jene ratternden Belüftungskästen für Schlafzimmer fließen, sind nur ein Symbol dafür, dass man zehntausende Menschen zum ewigen Hausarrest verdonnert. Die mit den Lärmschutzzonen verbundenen Entwicklungsbeschränkungen treffen eine Stadt, die es lange vor dem Flughafen gab und der man nun ihre Zukunft klaut. Die Krachmacher aber lassen Geld rüberwachsen und fragen treuherzig: Was wollt ihr denn eigentlich, es gibt doch jetzt die Lärmschutzzonen?.

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Immerhin, man will Geld ausgeben, aber nur, um noch mehr Geld zu verdienen. Bei einem Fraport-Nettogewinn von 263 Millionen Euro im vergangenen Jahr sind die 150 Millionen Euro bald wieder drin. Und wer wird denn eigentlich geschützt? Wirtschaftsinteressen oder Menschen? Die Offenbacher und ihre Nachbarn wollen, dass die, die Krach machen, dafür sorgen, dass er erträglich bleibt, aber nicht, dass man sich von dieser Pflicht freikauft und ihre Heimat in eine unwirtliche Landschaft verwandelt. Auch im Kreis Offenbach kann man nicht zufrieden sein. So wurde der Segmented Approach, also jene Südschleife, die die Flieger nachts einschlagen, damit Offenbach und Mühlheim geschont werden, nicht berücksichtigt. Dadurch überflogene Städte wie Heusenstamm oder Obertshausen, aber auch Teile von Gravenbruch stehen ohne rechtlich verbrieften Lärmschutz da.

Nichts getan hat sich bei den langen Fristen, die bei der Erstattung von Schallschutzmaßnahmen greifen. Lediglich jene, die durch die Nordwestlandebahn erstmals oder deutlich mehr belastet werden, können auf eine schnellere Bearbeitung hoffen. All jene, die bisher in der Schallschutzzone 1 lebten und ebenso unter dem zunehmenden Flugverkehr leiden, bleiben bis auf weiteres außen vor.

Die neue Lärmschutzverordnung kann nicht den Scherbenhaufen zudecken, den Politik und Flugwirtschaft aufgetürmt haben. Der Betrug beim Nachtflugverbot war nur der Anfang eines abgekarteten Spiels. Was spricht eigentlich dagegen, auf das gestern erneuerte Angebot von Rheinland-Pfalz einzugehen, Teile des Luftverkehrs von Frankfurt auf dem Flugplatz Hahn auszulagern? Was spricht dagegen, den Fluglärm durch betroffenheitsorientierte Flugkorridore gleichmäßiger zu verteilen? Was spricht dagegen, den Segmented Approach zeitlich auszuweiten oder den Umsteigerverkehr auf Rhein-Main (Anteil: 54 Prozent) einzudämmen? Doch nur die Weigerung der Ausbaulobbyisten, Maßnahmen zuzulassen, die die Gewinnmaximierung des Flughafens gefährden könnten.

Als klar war, dass die Boeing 737 der Lufthansa auf der neuen Landebahn Nordwest nur würde aufsetzen dürfen, wenn man sie vorher mit schallschluckenden Düsenauskleidungen aufgerüstet hätte, war die Fluggesellschaft sofort zu dieser Investition bereit. Dieses Beispiel zeigt, dass Druck wirkt. Solange man aber nicht bereit ist, dem Lärmschutz die Zähne zu schärfen, so lange man glaubt, ohne echten Interessenausgleich davonzukommen, so lange bleibt der Flughafenausbau, was er ist: die mühsam kaschierte Beschädigung einer ganzen Region.

Quelle: op-online.de

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