Rodgau erwartet Engpässe bei der Suche nach qualifiziertem Personal

Hausaufgabe erledigen

Für die Betreuung von Kleinkindern fehlen in Hessen nach Angaben des Statistischen Bundesamts noch rund 27.000 Plätze. Sie sind nötig, um das von Bund, Ländern, Kommunen und Wohlfahrtsverbänden vereinbarte Ziel zu erreichen: Bis 2013 soll für rund 35 Prozent der unter Dreijährigen ein Platz in einer Krippe, Kita, Krabbelstube oder bei Tageseltern zur Verfügung stehen. Von unseren Redaktionen

Stichproben - wie in der Region reagiert wird:

In Dieburg wird der Bedarf bis 2013 vom Verein „Dreikäsehoch“ gedeckt, der rund 50 Kinderkrippenplätze anbietet. Die Stadt hilft der Privatinitiative: Sie hat den Umbau eines Wohnhauses zu einer vorbildlichen Ganztageseinrichtung mit rund 200.000 Euro unterstützt. Außerdem bezuschusst der Landkreis Darmstadt-Dieburg private Tagespflegestellen in seinen Kommunen und hat eine Koordinationsstelle für die Vermittlung von Tageseltern/Tageskindern eingerichtet.

Neu-Isenburg: Nach Angaben des Ersten Stadtrats Herbert Hunkel gelingt es in Neu-Isenburg mit Hilfe von Vereinen, Initiativen und Kirchengemeinden bereits heute, die Vorgaben für 2013 zu erreichen. Eine Bedarfsermittlung habe kürzlich ergeben, dass dennoch Nachfrage nach etwa 100 weiteren U3-Betreuungsplätzen bestehe. 34 neue Plätze bei Tagesmüttern will die Stadt in Zusammenarbeit mit dem Verein zur Förderung von Kinderbetreuung (Tagesmütterzentrale) einrichten.

Lesen Sie hierzu auch unseren Kommentar: "Familien als Leidtragende"Rodgau: In Dudenhofen will die Stadt zwei weitere Kita-Gruppen für Kleinkinder unter drei Jahren (auf dem Gelände der Kita Freiherr-vom-Stein-Straße) einrichten. Fürs nächste Jahr sind drei weitere Gruppen in Jügesheim geplant. Sobald sie in Betrieb sind, wird es Betreuungsmöglichkeiten für 25,3 Prozent der Kleinkinder unter drei Jahren geben: 204 (18,5 Prozent) in Gruppen und 76 (6,9 Prozent) bei Tagesmüttern. Bereits jetzt liegt Rodgau bei der Kleinkindbetreuung landesweit über dem Durchschnitt. Der weitere Ausbau stößt aber an Grenzen. Zum Einen sind in den Kindergärten keine Räume mehr frei. Zum Anderen falle es schwer, den Bedarf vorherzusagen, da sich dieser sich ab 2012 auf Kinder beziehe, die noch nicht geboren seien. Die Auslastung hänge von der Zahl der berufstätigen Eltern ab, heißt es. Seit 2001 liegt die jährliche Zahl der Geburten in Rodgau meist unter 400. Diese Entwicklung hat es der Stadt erleichtert, Kindergartenräume in Kleinkindgruppen umzubauen. Letztes Jahr kamen ein Anbau (Kita Schillerstraße) und ein Dachausbau (Kita Birkenhain) dazu. Probleme erwartet die Stadt bei der Suche nach qualifiziertem Personal: Mehr als je zuvor müssten die Städte im Rhein-Main-Gebiet künftig um Erzieherinnen werben.

In Rödermark steht für jedes fünfte Kind unter drei Jahren ein Betreuungsplatz zur Verfügung: Je ein Dutzend wird in den U3-Gruppen der städtischen Kitas Motzenbruch und Lessingstraße betreut, die Sonnenburg der Johanniter Unfallhilfe hat ebenfalls 24 Plätze. In Mini-Kindergärten, die als Verein betrieben werden, haben 60 Kinder Platz. Nochmals 24 Kleinkinder werden von ihren Eltern morgens zu einer Tagesmutter gebracht. Man werde die 35-Prozent-Quote erreichen, heißt es.

Unterstützung durch Vereine, Initiativen und Kirchengemeinden

Dreieich: Derzeit gibt es 96 Krabbelstubenplätze für die U3-Betreuung in verschiedenen Einrichtungen. Es fehlen noch 32 Plätze, die in den beiden nächsten Jahren geschaffen werden sollen. Dabei wird auch überlegt, bisherige Kindergartenplätze, die nicht benötigt werden, in U3-Betreuungsplätze umzuwandeln. Tagesmütterplätze gibt es 22. Bis 2013 soll es weitere 79 für Dreieicher Kinder geben.

Offenbach: 821 Plätze gab es Ende 2009. Im Laufe dieses Jahres sollen 134 hinzukommen, davon 90 in Einrichtungen fast ausschließlich freier Träger. 44 weitere Plätze soll es bei Tagesmüttern geben. Im nächsten und übernächsten Jahr sollen dann jeweils 109 U3-Plätze eingerichtet werden.

EgelsbachundLangen:70 bis 80 Plätze würde Egelsbach den Berechnungen nach benötigen - 47 gibt es bereits, darunter fünf in einer privaten Kinderkrabbelgruppe. „Ich bezweifle aber, dass das ausreicht“, sagt Sozialamtsleiter Manfred Kraus, denn neben den 35 Prozent sei im Gesetz auch eine „Bedarfsdeckung“ vorgeschrieben: „Und aus jetziger Sicht wird der Bedarf bei uns viel höher sein.“

Genau so sieht es Marita Scheer-Schneider, Fachbereichsleiterin im Langener Rathaus: „35 Prozent reichen nicht aus!“ Bereits jetzt liegt Langen bei der Zahl der Plätze weit über dem Bundesdurchschnitt. 661 Kinder zwischen erstem und drittem Geburtstag gibt es aktuell, 229 Plätze - inklusive Tagespflege und Elterninitiativen - bedeuten einen Versorgungsgrad von 34,6 Prozent; in diesem Jahr werden weitere zehn Plätze geschaffen, wodurch die Quote auf 36,2 Prozent steigt. Für 2011 sind 30 neue Plätze geplant. Es gebe ja auch Eltern, die schon vor dem ersten Geburtstag des Kindes einen Betreuungsplatz benötigen, gibt Scheer-Schneider zu bedenken.

Dietzenbach: Im Angebot sind 66 städtische Krabbelstubenplätze und 23 in Vereinen, die die Kreisstadt finanziell unterstützt. Bis 2012/2013 sind darüber hinaus 60 weitere Plätze geplant, d.h. es wären dann 149, was einem Betreuungsgrad von etwa 20,5 Prozent entspricht. Das ist aber nach Ansicht des Fachbereichsleiters Soziale Dienste, Walter Fontaine, für Dietzenbach absolut ausreichend. Denn die Horte werden wohl eine Umstrukturierung erfahren (u.a. werden voraussichtlich Plätze für Jüngere frei, da die Schulen ihr Nachmittagsangebot ausbauen), außerdem gibt es noch Ambitionen einer Kirchengemeinde und des evangelischen Dekanats Rodgau, Plätze zu schaffen. „Wir haben unsere Hausaufgaben gut gemacht“, so Fontaine. „Das ist das, was wir benötigen und was wir finanziell leisten können. Mehr geht nicht.“

Aktuell gibt es in Hanau 445 Plätze für U3 (Versorgungsquote 18 Prozent), davon entfallen 130 Plätze auf die Familientagesbetreuung (61 Tagesmütter bzw.-väter). Bis 2013 soll die Zahl der Plätze um 418 auf 863 erhöht werden (Versorgungsquote 35 Prozent), wenn die Nachfrage weiter steigt.

Quelle: op-online.de

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