Hausgemachte Probleme und Zukunftsmusik

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Einen Wiesmann Roadster MF5 deckt dieser Mitarbeiter am Montag (14.09.2009) auf der Internationalen Automobil-Asstellung (IAA) in Frankfurt am Main mit einer Schutzhülle zu. Hersteller aus der ganzen Welt zeigen hier vom 17. bis zum 27. September 2009 ihre neuesten Modelle.

Frankfurt/Rhein-Main - Ein einziges Wort reicht aus, um die Lage der Autobranche zu beschreiben: katastrophal. Finanzkrise und Ökoschock, Rezession und Kreditklemme, hohe Rohstoffpreise und Rabattschlachten bilden eine explosive Mischung. Von Marion Trimborn

Noch können Kurzarbeitergeld und Abwrackprämie die Talfahrt in Deutschland notdürftig verschleiern. Vor zwei Herausforderungen steht die Autoindustrie: Erstens muss die Branche technologisch die Elektrifizierung der Antriebe schaffen, und das in möglichst kurzer Zeit. Ohne horrende, milliardenschwere Investitionen ist das nicht zu machen. Rund 30 Milliarden Dollar Zusatzkosten kommen laut Studien bis 2015 weltweit auf die Hersteller zu, um den Schadstoffausstoß zu senken. Laut einer anderen Untersuchung dürften vor allem die Entwicklung und Produktion sparsamerer Verbrennungsmotoren sowie elektrischer Antriebe bis 2020 gut 114 Milliarden Euro verschlingen. Wem die Mittel fehlen, der könnte auf der Strecke bleiben.

Die Neuordnung der Branche hat gerade erst begonnen“, sagt Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft. Die Zusammenarbeit von Fiat/Chrysler und VW/Porsche sei der Anfang, auch die Erzrivalen Mercedes und BMW müssten aneinanderrücken. Das schont den Geldbeutel, schadet aber dem Image. „Kooperationen sind Gift. Sie machen die Marke kaputt und zerstören das Vertrauen der Käufer“, warnt Autoexperte Christoph Stürmer vom Prognoseinstitut Global Insight.

„Die grüne Revolution findet auf dieser IAA nicht statt“

Das Zauberwort heißt Öko-Autos. Was auf der IAA vor zwei Jahren wie Zukunftsmusik klang, ist heute in vielen Fahrzeugen bereits Gegenwart wie Start-Stopp-Generatoren oder Bremsenergierückgewinnung. Alle namhaften Marken zeigen auf der IAA Kombinationen von Elektro- und Verbrennungsmotor (Hybrid) und Elektroautos. Doch der Elektroantrieb ist trotz des ganzen Hype noch Zukunftsmusik. „Das Elektroauto wird erst nach 2020 alltagstauglich und wettbewerbsfähig sein“, sagt Autoexperte Diez. „Die grüne Revolution findet auf dieser IAA nicht statt.“

Zweitens steht außer Frage, dass die Branche schrumpfen muss. Mit jedem verkauften Auto verliert der Hersteller 1 800 Euro, rechnet die Beratungsgesellschaft Alix Partners vor. Seit Jahren plagen Überkapazitäten die Hersteller. Insbesondere in Europa werden Standorte künstlich am Leben erhalten – oft mit Steuergeldern. Ein Beispiel ist das Gezerre um den Verkauf der bisherigen General-Motors-Tochter Opel.

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Fast alle deutschen Konzerne sind im ersten Halbjahr in die roten Zahlen gefahren. VW ist glimpflich davon gekommen, vor allem dank der Abwrackprämie. Die hilft aber nur beim Absatz kleinerer Wagen; Premiummarken wie Mercedes, BMW und Porsche profitieren kaum. Im nächsten Jahr könnte der Absatz in Deutschland um fast ein Viertel auf 2,8 Millionen Autos sinken. „Die Folgen sind dramatisch“, sagt Branchenkenner Ralf Landmann von Roland Berger.

Nur einer fühlt sich im Moment pudelwohl: Der Autokäufer. Verbunden mit der Abwrackprämie haben die Verbraucher saftige Rabatte bekommen. Viele Händler haben aber bei der Umtauschaktion draufgezahlt und stehen jetzt vor der Insolvenz.

In der Krise liegt aber auch eine Chance. Die deutsche Autoindustrie ist immer noch wettbewerbsfähiger als viele Konkurrenten. Vier von fünf Autos verkaufen die heimischen Hersteller ins Ausland. Und da gibt es noch Wachstumspotenzial, zum Beispiel in Asien, wo Inder und Chinesen bislang fast ausschließlich Billig autos entwickeln.

Quelle: op-online.de

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