Hausbesetzung: Studenten-AG wirft Polizei brutales Vorgehen vor

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Polizisten räumten in der Nacht zwei von Studenten besetzte Häuser in der Schumannstraße.

Frankfurt/Main - Im Zuge der Räumung einer von Studenten besetzten Villa in Frankfurt haben Beamte in der Nacht 73 Menschen kurzzeitig festgenommen. Der studentische Arbeitskreis Recht der Goethe-Universität wirft den Beamten Gewalttätigkeit vor.

Demonstranten seien mit Stöcken und Fäusten geschlagen, mit Kabelbindern gefesselt worden, meldete der Arbeitskreis. Die Polizei bezeichnete die Vorwürfe als „deutlich überzogen“.

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Polizei räumt besetztes Haus

Wohnungsmangel: Studenten besetzen aus Protest leerstehendes Haus

Die Hochschüler hatten am Donnerstag zwei leerstehende Gebäude besetzt, um gegen die Wohnungsnot von Studenten zu protestieren. Das Land Hessen hatte daraufhin als Eigentümer Anzeige wegen Hausfriedensbruchs erstattet. Eines der beiden Häuser in der Schumannstraße verließen die Studenten freiwillig. Beim zweiten Gebäude brachen Polizisten die verbarrikadierte Tür auf. Die Räumung verlief nach Darstellung der Polizei weitgehend friedlich. „Mir ist kein Vorfall bekannt, dass große Gewalt angewendet wurde“, sagte Polizeisprecher Alexander Kießling. Er bestätigte, dass 73 Menschen mit Kabelbindern gefesselt wurden.

„Schlagstöcke kamen zwei Mal zum Einsatz“

Dem studentischen Arbeitskreis zufolge zogen sich einige dabei blutige Verletzungen an Händen und Armen zu. „Normalerweise passiert nichts“, sagte Kießling. „Aber wenn man heftig Gegenwehr leistet, kann es zu Hautirritationen und Druckstellen kommen.“ Schlagstöcke seien zweimal eingesetzt worden. Die Polizei habe nach der Anzeige rasch eingegriffen, weil unter anderem ausreichend Polizisten im Dienst waren. „Zumal wir auch einen Hinweis hatten, dass dort etwas Längerfristiges geplant war“, sagte er.

Die Studenten wollten das Haus nach eigenen Angaben in ein „selbstverwaltetes Wohn- und Kulturzentrum“ verwandeln. Die Besetzer hatten dort mehrere Transparente angebracht und Flugblätter verteilt. Vor der Räumung sei ihnen dreimal angeboten worden, die Villa ohne strafrechtliche Konsequenz zu verlassen, sagte Kießling. Einige hätten die Chance genutzt, hätten etwa das Nachbargebäude verlassen. Vorwürfe des studentischen Arbeitskreises, auch Minderjährige seien auf der Wache länger festgehalten worden, bestätigte Kießling nicht. Alle Festgenommenen kamen nach Feststellung ihrer Identität wieder auf freien Fuß. Von Anzeigen gegen Polizisten oder Demonstranten war dem Sprecher nichts bekannt. Die Polizei war zunächst von 75 Festnahmen ausgegangen.

dpa/lhe

Quelle: op-online.de

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