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Hebammen bangen um ihren Beruf

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Offenbach - Hebammen im Rhein-Main-Gebiet schlagen Alarm: Stark gestiegene Kosten für die Haftpflicht bedrohen ihre berufliche Existenz; die Absicherung der Risiken bei Hausgeburten sind kaum noch bezahlbar. Von Niels Britsch und Peter Schulte-Holtey

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In der Politik wird bereits über eine Änderung des Schadensrechts diskutiert, bislang ohne Ergebnisse. Viele freie Hebammen können sich ihren Beruf inzwischen schlichtweg nicht mehr leisten, die Versicherungskosten sind viel zu hoch. Mehr und mehr geben auf, Geburtshäuser müssen schließen, und vielerorts kommt es bereits zu Engpässen. Sandra Exner aus Dreieich: „Selbstständige Hebammen im Kreis Offenbach sind vollkommen ausgelastet, oftmals müssen wir sogar Familien absagen.“

Sie befürchtet: „Die außerklinische Geburtshilfe wird aussterben. Auch eine Wochenbett-Betreuung wird es nicht mehr geben.“ Kolleginnen bestätigen den Eindruck: „Wer zurzeit den Beruf der Hebamme lernt, kann nach derzeitigem Stand nach der Ausbildung direkt Hartz IV beantragen“, befürchtet Beatrix Schade aus Neu-Isenburg, die seit mehr als 30 Jahren bei Geburten hilft und Familien mit Neugeborenen betreut. „Wenn Geburtshelferinnen ihrem Beruf nicht mehr nachgehen können, wird den Frauen auch ihr gesetzlich zugesagtes Recht auf freie Wahl des Geburtsortes genommen“, so Schade.

Es könnte noch schlimmer kommen

Hintergrund der Misere: Derzeit beträgt die Haftpflichtprämie für Geburtshilfe 4242 Euro im Jahr. Ab Juli soll die Police auf 5091 Euro erhöht werden. Im Jahr 2000 lag der Betrag bei nur 404 Euro. Die Schuld für solche Summen geben Hebammen dem deutschen Rechtssystem: Die Zahl der Schadensfälle ist seit Jahren konstant, allerdings sind die Schadenssummen durch geänderte Rechtsprechung in die Höhe geschossen.

Für die freiberuflichen Hebammen könnte es noch schlimmer kommen. So gibt es Hinweise darauf, dass es ab Mitte 2015 gar keine Versicherung mehr gibt, die entsprechenden Schutz für Geburtshelferinnen anbietet. Falls kein Ersatz gefunden, die Lücke nicht geschlossen wird, könnte es im schlimmsten Fall bald vorbei sein mit Hausgeburten und Wochenbettbetreuung. Denn ohne Haftpflicht dürfen Hebammen nicht arbeiten. In Deutschland arbeiten etwa 21.000 Hebammen, 60 Prozent davon freiberuflich.

Hebammen protestieren in Frankfurt

Hebammen protestieren in Frankfurt

Inzwischen wächst die Protestwelle: Am Samstag sind unter dem Motto „Rettet die Hebammen“ 600 Menschen in Frankfurt auf die Straße gegangen. Zur Mahnwache aufgerufen hatten Elterninitiativen. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) müsse endlich etwas unternehmen, sagte die Initiatorin einer Online-Petition zur Rettung der freiberuflichen Hebammen, Bianca Kasting. Auch in anderen Städten gab es Proteste. In der Politik wird jetzt fieberhaft nach Auswegen gesucht.

Hebammen demonstrieren in Frankfurt

Quelle: op-online.de

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