Behörden ermitteln gegen Facebook-Nutzer

Heftige Kritik an Hetzjagd auf Sex-Täter

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Frankfurt/Offenbach - Mit Lynch-Aufrufen und Fotos Unschuldiger jagen selbsternannte Ermittler auf Facebook einen Sex-Täter. Die Polizei kritisiert die Aktion. Auch Justizminister Jörg-Uwe Hahn rät zur Vorsicht. Die Behörden haben reagiert.

Seit Samstag wird in der Facebookgruppe „Auf der Jagt nach dem Vergewaltiger“ nach einem Mann gesucht, der sechs versuchte Vergewaltigungen begangen haben soll. Die Polizei distanziert sich jedoch von der öffentlichen Gruppe im Internet mit tausenden „Gefällt-mir“-Angaben. Die Darstellung mit Fotos, Autokennzeichen und Namen verletze Persönlichkeitsrechte und bringe niemanden bei der Suche nach dem möglichen Täter weiter.

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Hessens Justizminister Jörg-Uwe Hahn sagte auf Anfrage unserer Zeitung: „Ich halte den privat initiierten Fahndungsaufruf in Frankfurt für sehr schwierig. Wir wissen nicht, wer sich dahinter verbirgt. Oftmals nutzen einschlägige politische Gruppierungen solche Facebook-Seiten, um Stimmung zu machen. Das darf nicht sein, weil es Zeugen und Unschuldige unnötig gefährdet.“ Bei Facebook-Fahndungen der Ermittlungsbehörden werde streng darauf geachtet, dass die Kommentarfunktion beschränkt bleibe und die Informationen direkt an die Polizei weitergegeben werden. Dies sei in diesem Fall nicht gewährleistet.

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Die CDU/FDP-Landesregierung setze sich seit langem „für eine vernünftige rechtliche und datenschutzrechtliche Basis für eine Facebook-Fahndung ein“, sagte Hahn weiter. Nach seinen Angaben werden die Justizminister der Länder am 14. November eine entsprechende Initiative beschließen. Dabei gehe es aber nur um die Bindung des Staates bei öffentlichen Fahndungen.

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Seit heute ermitteln die Behörden gegen einen Facebook-Nutzer, der auf der Internetplattform zur Jagd auf den Täter aufgerufen hat. Es gehe um die Verletzung von Persönlichkeitsrechten, sagte Polizeisprecherin Isabell Neumann in Frankfurt. Völlig unbeteiligte Menschen seien auf der Seite inzwischen zu Verdächtigen gemacht worden. „Lasst uns diesen Hundesohn finden“, fordert der anonyme Betreiber der Seite, die inzwischen mehr als 12.000 „Unterstützer“ gefunden hat. Nach Angaben des Landeskriminalamts in Wiesbaden gab es bisher in Hessen noch keinen anderen Fall, bei dem per Facebook zur Selbstjustiz aufgerufen wurde.

dr/psh/dpa

Quelle: op-online.de

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