Rote Karte für Höllenengel

Frankfurt/Wiesbaden - Hessens Innenminister Boris Rhein (CDU) hat die beiden Hells Angels Clubs „Westend“ und „Frankfurt“ verboten. Das teilte Rhein heute morgen mit. Bereits in der Nacht zum Freitag wurde das Verbot in Frankfurt in Kraft gesetzt. Von Petra Wettlaufer-Pohl

Ihr Auftreten ist martialisch und die meisten Menschen verbinden sie mit laut röhrenden Motorrädern. Doch der Eindruck täuscht: Nur 18 Prozent der Rocker der Hells Angels haben laut Innenministerium einen Motorführerschein. Ihre Hauptbeschäftigung besteht nach Ansicht des hessischen Innenministers Boris Rhein (CDU) darin, im Drogen-, Rotlicht- und Menschenhandelgeschäft ihr Unwesen zu treiben, und zwar auf höchst brutale Weise. „Das ist lupenreines organisiertes Verbrechen“, sagt Rhein.

Doch in Frankfurt mit seinen zwei Clubs - intern „Charter“ genannt - ist jetzt erst einmal Schluss: Am Donnerstagabend hat Rhein die beiden Clubs „Frankfurt“ und „Westend“ verboten, letzterer nach Hannover der bundesweit bedeutenste Höllenengel-Verein.

Noch in der Nacht schlug die Polizei zu, durchsuchte das Vereinsheim nach den Emblemen und schraubte die Clubschilder am Haus ab. Der Innenminister beobachtete das Ganze „aus der Ferne“, wie er sagte. Gestern ließ die Polizei die Internetseiten sperren und das Vereinsvermögen einfrieren. Um welche Summen es dabei geht, könne man noch nicht sagen.

Damit schwäche man die Organisation, glaubt Rhein. Die Machtfülle der Hells Angels, die das Rotlichtviertel am Frankfurter Hauptbahnhof beherrschen, werde eingeschränkt. Aber natürlich müsse man auch „nacharbeiten“, mit dem Verbot allein sei es nicht getan.

Selbstständige Vereine

Die Maßnahme sei mit dem Bundesinnenminister abgestimmt, es können kein bundesweites Verbot geben, da es sich um selbstständige Vereine handele. Bislang habe es Verbote in Hamburg und Schleswig-Holstein gegeben.

Rhein Kooperation mit Rockern unterstellt

Eine Razzia verraten, fünf Beamte aufgeflogen, die sich von Hells Angels offensichtlich haben schmieren lassen - Ärger mit den Rockern hat Innenminister Boris Rhein (CDU) schon lange. Vor zwei Wochen geriet er selbst in Verdacht, mit den Höllenengeln zu kooperieren. Medien zugespielte Abhörprotokolle der Polizei von Rockergesprächen sollten das zumindest nahelegen. Gemeint war sein Vorgehen gegen den illegalen Straßenstrich. Der Strich schadet den Rockern, denn sie betreiben Bordelle im Frankfurter Bahnhofsviertel. Daraus eine aktive Hilfe zu konstruieren nannte Rhein absurd und rufschädigend. Manche halten einenRacheakt aus Polizeikreisen für möglich. Nicht einmal die Landtagsopposition glaubt, dass der 38-Jährige, im Gespräch auch als Frankfurter Oberbürgermeisterkandidat 2013, solche Kontakte pflegt.

Dass der Schlag gegen die Clubs irgend etwas mit Vorwürfen gegen ihn selbst (siehe Box rechts) zu tun hat, wies der Minister zurück. Das Verbot sei das Ergebnis von zweijähriger Polizeiarbeit: „Es ist abwegig zu glauben, das könne man in zwei Wochen aus dem Ärmel schütteln.“ Bei den Clubs handele es sich um „geschlossene Gesellschaften“, gegen die zu ermitteln höchst problematisch sei. „Einen Staat im Staate werden wir aber nicht dulden“, sagte Rhein, das Verbot sei ein „unmissverständliches Signal.“ Rhein glaubt nun gerichtsfeste Belege zu haben. Er muss damit rechnen, dass die Clubs gegen das Verbot klagen. Es erstreckt sich auch auf die Gründung von Ersatzorganisationen. Allerdings können die rund 90 Mitglieder der beiden Charter zu den Clubs in Offenbach, Darmstadt und Hanau wechseln, die aber auch im Visier der Behörden stehen. Laut BKA stand 2010 fast jedes zehnte Ermittlungsverfahren zur Organisierten Kriminalität im Zusammenhang mit Rockergruppen.

Quelle: op-online.de

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