Ordnungshüter im Zwielicht

Hells Angels-Zeuge bringt Polizei in Bredouille

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Die Hells Angels sorgen nicht nur bei der Polizei, sondern auch im Innenministerium für Unruhe.

Wiesbaden - Die Hells Angels haben Boris Rhein schon vor etlichen Jahren beschäftigt, als er noch Ordnungsdezernent in Frankfurt war. Von Thomas Maier

Im Herbst 2011 hat der CDU-Politiker dann als hessischer Innenminister mit dem Verbot zweier Frankfurter Ortsgruppen der Motorradrocker bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Jetzt sieht sich Rhein mit Enthüllungen konfrontiert, die für die hessische Polizei nicht schmeichelhaft sind - und dies ausgerechnet wenige Tage vor der Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs über die Rechtmäßigkeit des Verbots der Hells Angels.

Nach Berichten der „Frankfurter Neuen Presse“ sollen die Ermittler im Kampf gegen die Rocker einen mit Haftbefehl gesuchten Betrüger zum Kronzeugen gemacht haben. Der heute 43-jährige Daniell M.-D. sagte dem Blatt, ihm seien 2010 Luxuskarossen und Geld für seinen Kokainkonsum zur Verfügung gestellt worden. Der Mann von zweifelhaftem Ruf lebt in Israel. Er war von den Behörden als gefährdeter Zeuge ins Ausland gebracht worden.

Weder V-Mann noch Kronzeuge

Das hessische Landeskriminalamt hat dagegen betont, dass der 43-Jährige weder V-Mann noch Kronzeuge gewesen sei. Die Polizei habe ihm auch keine teuren Autos und kein Rauschgift gestellt.

Wie es aus Polizeikreisen weiter heißt, war der im Milieu tief verwurzelte und vorbestrafte Daniell M.-D in den späten 90er Jahren V-Mann gewesen und dann wegen Unzuverlässigkeit aussortiert worden. 2010 sei er dann aber aus freien Stücken zur Polizei gegangen und habe wichtige Informationen über die Szene geliefert. Das habe auch zu Verfahren gegen Polizisten geführt, die dem Milieu zu nahe kamen oder sich bestechlich zeigten. Weil er Geld angenommen hat, wurde ein hochrangiger LKA-Beamter deshalb verurteilt.

Großalarm für Polizei: Die Hells Angels kommen

Großalarm für Polizei: Hells Angels kommen

Da der Zeuge wegen seiner Tipps als gefährdet galt, wurde er ins Ausland gebracht. Die Aussagen des Hells-Angels-Informanten haben auch die Staatsanwaltschaft in Frankfurt auf den Plan gerufen. Die Behörde ermittele wegen Geheimnisverrats in Reihen der Polizei, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Doris Möller-Scheu, am Freitag.

dpa

Quelle: op-online.de

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