Hennes Bender - Ein kleiner Mann regt sich auf

Frankfurt - Hennes Bender kommt mit seinem Programm „Erregt“ in die Käs nach Frankfurt. Im Interview spricht er über seine hessischen Wurzeln, die Piratenpartei und das, was ihn aufregt. Von Bettina Link

Sie kommen am Sonntag, 29. April, mit ihrem Programm „Erregt“ in die Käs nach Frankfurt. Was erwartet die Zuschauer bei ihrer Show?

Die Zuschauer, die zu meiner Show kommen, erwartet zeitgemäße Comedy mit sozial- und gesellschaftskritischen Aspekten. Ein kleiner Mann eben, der sich über alles und nichts aufregt. Sprich: Ich komme, das muss reichen. (lacht)

Frankfurt ist für Sie ja gewissermaßen ein Heimspiel. Sie haben lange hier gearbeitet.

Und ich habe Verwandte hier. Meine Eltern kommen aus Rüsselsheim und ich bin dort geboren. Genetisch bin ich also vorbelastet.

Was verbinden Sie besonders mit Hessen?

Ich habe mich nie richtig als Hesse gefühlt. Aber ich habe durchaus hessische Charakterzüge. Ich bin ein typischer „Schlächtschwetzer“: Ich rede gerne, viel und laut. Es gibt diesen Begriff „Dischbedieren“, das heißt diskutieren und gleichzeitig dabei recht haben. Das konnte mein Vater sehr gut.

Und das haben sie von ihm geerbt?

Ja, es sind so Charaktereigenschaften, die bei mir immer präsenter werden. Dazu muss ich stehen.

Wie kamen Sie auf den Programmtitel „Erregt“?

Erst einmal passt der Titel zu mir: Ich bin ein sehr leicht erregbarer Mensch und er passt auch in die Zeit: Ziviler Ungehorsam und Wutbürger, das sind so Begriffe der Zeit. Oder auch das, was in Syrien passiert. Die Leute regen sich einfach auf. Sie lassen sich nicht mehr alles gefallen

Sie regen sich also über weltweite Themen auf?

Aufregung ist ja ein weltweites Phänomen. Wobei in Deutschland finde ich das Phänomen der Piratenpartei sehr spannend. Die Leute haben keinen Bock mehr auf die alten Sachen. Sie wollen etwas Neues.

Wie stehen Sie denn zu diesem Phänomen Piratenpartei?

Ich finde das sehr interessant und auch die Diskussion dazu. Ich glaube die kleinen Parteien, wie die Grünen, die FDP oder die Linken sehen das sehr skeptisch, weil sie ihnen die Stimmen abgraben. Das ist auch bei den Wahlen im Mai in Nordrhein-Westfalen ein ganz heißes Thema. Ich finde das auch ehrlich, dass sie sagen, wir haben von nicht so vielen Sachen Ahnung, aber wir wollen einfach mal machen und etwas bewirken.

Über die Piraten regen sie sich also nicht auf?

Nein, da gibt es viel wichtigere Sachen, als sich über die Piraten aufzuregen. Denen muss man erstmal Zeit geben, damit sie richtig Scheiße bauen können. Dann kann man sich aufregen.

Wie kommen Sie denn auf die Themen, über die Sie sich aufregen?

Ich sehe vor allem die Kleinigkeiten im Alltag, über die sich sonst wenige aufregen. Zum Beispiel diese ganze Telefoniererei und „Smartphoneritis“ geht mir tierisch auf die Nerven. Ich nehme mich davon nicht aus - auch nicht im Programm. Alle hängen ständig vor ihrem Smartphone und sind online.

Gibt es denn Tabu-Themen oder Dinge, die Sie in ihrem Programm nicht ansprechen?

Ich kenne überhaupt kein Tabu! Aber ich merke, dass es bestimmte Elemente in meinem Programm gibt, von denen die Leute schockiert sind, wenn ich darüber spreche. Ich gehe mit den Themen so um, dass man sich selbst ertappt fühlt. Es ist kein politisches Kabarett. Ich rege mich über das Mikroskopische auf, das aber eine große Wirkung hat.

Wie gehen Sie mit den kritischen Reaktionen um, auch in den darauffolgenden Shows?

Das ist immer schwierig. Natürlich nehme ich mir bestimmte Sachen auch zu Herzen. Ich arbeite eben mit sehr viel Ironie und es gibt viele Leute die diese Ironie nicht verstehen. Aber die Leute, die in meine Show kommen, wissen eigentlich, wie ich was meine. Trotzdem gibt es Themen über die ich dann manchmal lieber nicht rede, wie zurzeit etwa die BeeGees, wegen Robin Gibb. Nur weil etwas aktuell ist, muss ich nichts darüber machen.

Auf der Bühne steigern Sie sich ja sehr in diese Aufregung und Erregung rein. Sind Sie privat dann die Ruhe selbst, oder genauso aufgeregt?

Ich hebe mein Adrenalin und meine Erregung für die Bühne auf. Das heißt, dass ich tagsüber ein relativ ausgeglichener und langweiliger Mensch bin, was die Leute auch ein bisschen enttäuschend finden, wenn Sie mich privat im Supermarkt treffen. Ich kann mich ja nicht den ganzen Tag aufregen. Meine Show hat also auch einen therapeutischen Nebeneffekt. (lacht)

Aber gibt es denn ein Thema, was sie momentan persönlich trotzdem sehr aufregt?

Generell ist Dummheit so ein Thema. Leute kapieren einfach manche Sachen nicht und machen sie trotzdem. Aber momentan bin ich total ausgeglichen. Ich verfolge natürlich schon, was auf der Welt passiert und da gibt es immer wieder Sachen, die mich aufregen. Aber nicht alles kommt in die Show.

Wenn Sie auf die Bühne gehen, steht das Programm dann fest, oder wie viel ist auch Improvisation?

Es gibt ein Gerüst, einen roten Faden, aber ich breche immer wieder aus.

Wann ist das der Fall?

Das lass ich den Abend entscheiden. Es kommt auch auf die Reaktion des Publikums an. Kein Abend ist gleich.

Führt das Publikum Regie?

Das Publikum führt in dem Moment Regie, wenn ich ein neues Programm entwickle. Das Publikum entscheidet durch seine Reaktion, ob ich etwas das nächste Mal anders mache.

Feilen Sie denn schon wieder an einer neuen Show?

Ja. Ich sammle schon neue Ideen für das nächste Jahr.

Was dürfen wir außerdem zukünftig von Ihnen erwarten?

Ich arbeite gerade an einem Buchprojekt, das hoffentlich nächstes Jahr erscheint. 

Quelle: op-online.de

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