Wohnturm statt Wahrzeichen

Abriss des Henninger Turms in Frankfurt startet

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Frankfurt - Der Henninger Turm wird demontiert und abgerissen. Lange war er Ausflugsziel für die ganze Region. Ein international bedeutendes Radrennen trug seinen Namen. Nun soll dort ein Wohnturm entstehen.

Das Radrennen und das Drehrestaurant haben den Henninger Turm weit über Frankfurt hinaus bekannt gemacht. Jetzt wird das knapp 52 Jahre alte sanierungsbedürftige Wahrzeichen im Stadtteil Sachsenhausen abgerissen. Die Arbeiten im Inneren des fensterlosen Getreidesilos haben am Montag begonnen. Vorerst ist dem 120 Meter hohen Turm von außen noch nichts anzumerken: "Das Entkernen wird einige Wochen dauern", sagt Daniel Hopp, Geschäftsführer der Immobiliengesellschaft Actris. Der Familie Hopp gehört das frühere Henninger-Gelände und der angrenzende Park samt denkmalgeschützter Villa. Im Herbst soll der Abriss abgeschlossen sein.

An der Stelle des Henninger Turms wird ein etwa 130 Meter hoher Wohnturm gebaut. "Ziel ist es, dass die ersten Mieter 2015/16 einziehen", sagt Hopp, Sohn des SAP-Mitbegründers Dietmar Hopp. Etwa 130 Wohnungen sollen in dem in seiner Silhouette dem Wahrzeichen nachempfundenen Turm entstehen. Bis dahin sollen auf dem neun Hektar großen Areal um den Turm auch etwa 800 Wohnungen und Häuser stehen. Von "gehobenem Wohnungsbau" spricht Hopp, für die Festlegung von Quadratmeterpreisen sei es noch zu früh. Ob sich der nahe gelegene Flughafen mit der neuen Landebahn auf die Preise auswirkt, ist noch nicht ausgemacht.

Wieder ein Drehrestaurant?

Offen ist auch, ob der Wohnturm an seiner Spitze in dem bierfassähnlichen Aufbau wieder ein Drehrestaurant beherbergen wird, wie Hopp sagt. Der Sprecher des Frankfurter Planungsdezernats Mark Gellert sagt, dies sei beabsichtigt. Eine öffentliche Nutzung an der Spitze des Gebäudes werde es auf jeden Fall geben, verspricht Hopp. "Gastronomie ist aber nicht immer der Heilsbringer." Für konkrete Pläne sei es noch zu früh.

Das rund zwei Hektar große denkmalgeschützte Parkgelände mit der denkmalgeschützten Villa, das ebenfalls Actris gehört, solle den Bewohnern der geplanten Häuser zugänglich gemacht und die Villa als Wohnhaus erhalten bleiben, sagt Hopp. Der ehemaligen Inhaber der Henninger-Brauerei Bruno H. Schubert (1919-2010) hatte in der Villa Wohnrecht auf Lebenszeit.

Etwa 800 Wohneinheiten

Der Wohnturm nach einem Entwurf des Frankfurter Architektenbüros Meixner Schlüter Wendt werde bis zu 100 Millionen Euro kosten, sagt Hopp. Von Quadratmeterpreisen um 4000 Euro war bei der Vorstellung des Projekts vor knapp einem Jahr die Rede. Insgesamt will Actris in den nächsten Jahren 300 Millionen Euro in das rund 110.000 Quadratmeter große Areal mit etwa 800 Wohneinheiten investieren. Sieger des städtebaulichen Architektenwettbewerbs für das Areal ist das Frankfurter Architekturbüro Jourdan & Müller, mit dem Bau soll in diesem Jahr begonnen werden.

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Der 1961 erbaute Henninger Turm, der lange als das höchste Gebäude Frankfurts galt, wird nicht gesprengt, sondern nach und nach abgetragen, wie Hopp erläutert. Die Mauern würden geschreddert und damit die unterirdischen Keller aufgefüllt. Dies sei die sinnvollste Nutzung. Als Getreidelager für die Brauerei nebenan diente der Turm nur ein paar Jahre. Aber das runde Drehrestaurant an der Spitze zog Jahrzehnte lang Besucher an, bis es 2002 geschlossen wurde. Auch der Radsportklassiker am 1. Mai heißt längst nicht mehr "Rund um den Henninger Turm".

dpa

Quelle: op-online.de

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