Herberge wurde zu einer Jugendburg

+
Die fast 700 Jahre alte Burg Hessenstein nahe dem nordhessischen Vöhl. Im Jahr 1922 zog hier Hessens älteste Jugendherberge ein. Doch Ende 2007 schloss sie ihre Pforten. 2008 öffnete sie wieder als Jugendburg des Naturschutzbundes NABU.

Vöhl - Seit fast 700 Jahren ist die Burg Hessenstein am Westrand des Kellerwaldes durchgängig bewohnt. Zuerst waren es die Vasallen der Landgrafen von Hessen, dann der Erzbischöfe von Mainz und anderer Herren. Im Jahr 1922 zog schließlich Hessens erste Jugendherberge hier ein, eine der ersten in Deutschland.

Doch die seltene Geschichte einer durchgängigen Bewohnung seit 1328 drohte vor zwei Jahren zu enden. Die Jugendherberge machte dicht. Aber noch immer rennen junge Leute durch die alten Gemäuer: Die Jugendherberge ist jetzt eine Jugendburg.

Die traditionsreiche Jugendherberge gehörte unter Insidern zu den beliebtesten Adressen in Deutschland. Eine geschichtsträchtige Burg mit fantastischem Ausblick in einer wunderschönen Landschaft - nicht umsonst zählte Hessenstein jährlich 15 000 Übernachtungen. Doch die alten Gemäuer bereiteten den Betreibern auch Sorgen: Enge Gänge, wenig isoliert und weit entfernt vom Brandschutz. Abhilfe war kaum möglich, der Denkmalschutz verhinderte große Eingriffe. Zudem ließ sich das Konzept der „neuen Jugendherberge“ - höchstens vier Personen in einem Raum, jedes Zimmer mit Bad - in der mittelalterlichen Burg nicht verwirklichen. Am 1. November 2007 schlossen sich die Tore der Burg Hessenstein.

Am 26. Mai 2008 gingen sie wieder auf. Aus der Jugendherberge Burg Hessenstein war die Jugendburg Hessenstein des Naturschutzbundes (NABU) geworden. „Das ist eine Bildungseinrichtung, auf die wir sehr stolz sind“, sagte Hessens NABU-Geschäftsführer Hartmut Mai. „Wir wollen Jugendlichen aus ganz Deutschland eine interessante Umgebung bieten, um etwas über die Natur, die Geschichte und ihre Heimat zu erfahren.“

„Eine Burg brandsicher zu machen ist sehr teuer“

Gut 1,2 Millionen Euro haben NABU und Hessen in das alte Gemäuer investiert - den Löwenanteil das Land. „Man kann so eine Burg schon brandsicher machen. Es ist nur sehr teuer“, sagt Mai. So flogen alte Holzwände raus, eine neue Elektrik kam rein. Weil man in einer sieben Jahrhunderte alten Burg nicht den vorgeschriebenen zweiten Fluchtweg einbauen kann, musste Technik her: Ein Spezialanlage hält die Burg bei einem Brand mindestens vier Stunden rauchfrei.

Mehr Infos gibt es auf der Homepage der Jugendburg

Die Skepsis war am Anfang groß. Warum sollte der Jugendburg gelingen, was der Jugendherberge seinerzeit nicht gelang. Doch Ämter und Betriebe kooperierten. Die Bemühungen waren von Erfolg gekrönt. 13 000 Übernachtungen braucht die Jugendburg für die schwarze Null. „2009 ist unser erstes volles Jahr“, sagt Mai. „Bis jetzt haben wir 13 000 Buchungen. Zum Jahresende werden es wohl 16 000. Das reicht locker.“

dpa

Quelle: op-online.de

Kommentare