Ein heißer Tipp unter Freunden

+
Je länger man in Frankfurt lebt, desto lieber ist einem die Stadt. Das gilt auch für die gesamte Rhein-Main-Region.

Frankfurt ‐ Die Rhein-Main-Region und ihre Metropole Frankfurt sind schön. Hier lässt es sich aushalten, hier lebt man gern. Von Christian Riethmüller

In Abwandlung eines bekannten Gedichts des Frankfurter Mundartpoeten Friedrich Stoltze ließe sich ausrufen: „Es will merr net in mein Kopp enei: wie kann nor e Mensch net aus dem Rhein-Main-Gebiet sei!“ Für diese Begeisterung braucht es noch nicht einmal teurer Werbekampagnen. Rund 90 Prozent der Bewohner leben gern oder sogar sehr gern in der Gegend zwischen Wetterau und Odenwald, Mainz und Aschaffenburg.

Autobahnen, Fernverkehrszüge, Flughafen: Die Verkehrsbelastung in der Region wird von den Bewohnern problematisch gesehen.

Über 80 Prozent würden die Region Freunden und guten Bekannten als Lebensort weiterempfehlen, was wohl auch damit zusammenhängt, dass 80 Prozent der Bewohner in der Region mit den eigenen Lebensumständen zufrieden ist. Zu diesen Ergebnissen kommt die „Hertie-Studie FrankfurtRheinMain“, für die bei einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung 3000 Einwohner Frankfurts und des Rhein-Main-Gebiets nach ihrer Lebenslage, ihrem Lebensgefühl, nach ihrer Zufriedenheit und ihrer Identifikation mit der Region gefragt worden sind.

Wo Licht ist, gibt es naturgemäß auch Schatten, sprich Einschränkungen bei der überaus positiven Bewertung. Als problematisch werden die steigenden Preise genannt, die für 57 Prozent der Befragten ein großes oder sehr großes Problem sind, gefolgt von der hohen Verkehrsbelastung der Region, die 55 Prozent der Befragten als problematisch bezeichnen. Auf den weiteren Plätzen folgen Umweltverschmutzung, Kriminalität und zunehmende Armut, jeweils von gut 50 Prozent der Befragten als großes Problem angesehen.

Lesen Sie dazu außerdem:

L(i)ebenswertes Rhein-Main-Gebiet

Aktuellen Debatten zum Trotz wird hingegen der hohe Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund in der international geprägten Region nur von wenigen (unter 28 Prozent) der Befragten als Problem angesehen. Für Professor Klaus Hurrelmann, einer der drei wissenschaftlichen Leiter der Studie, ein „klarer Hinweis darauf, dass die Integration von Einwanderern von den Bewohnern Frankfurts und der gesamten Rhein-Main-Region als gut gelungen empfunden wird“, wie er gestern im Literaturhaus Frankfurt bei der Vorstellung der Studie sagte.

Ob gebürtiger Rhein-Mainer oder „Eingeplackter“, ob ohne oder mit Migrationshintergrund, die Identifikation mit der Region ist stark und gewinnt sogar mit der Zeit. Auf Frankfurt bezogen, lässt sich etwa sagen, dass die Menschen desto lieber in der Stadt bleiben, je länger sie hier leben, wie Michael Endres ausführte, Vorstandsvorsitzender der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung. Die Stiftung hat bereits im vergangenen Jahr mit der Berlin-Studie die erste Bevölkerungsstudie einer Großstadt initiiert und nun mit der Hertie-Studie FrankfurtRheinMain auch die erste Bevölkerungsstudie einer Region vorgelegt, für die es nach Angaben von Hurrelmann im internationalen Vergleich noch keine Entsprechung gibt.

„Hertie-Studie FrankfurtRheinMain, Societäts-Verlag, ISBN 978-3-7973-1233-4, Euro 14,80

Im Wettbewerb der Regionen könnte das Rhein-Main-Gebiet dank der nun vorliegenden Daten zu Lebenslage und Lebensqualität der Konkurrenz einen Schritt voraus sein, lassen sich doch aus der Studie direkte Anweisungen etwa an die Politik ablesen. Wenn über 50 Prozent der Befragten im Frankfurter Umland fehlende Kinderbetreuung als großes Problem ansehen, dann ist den Kommunen gleich eine Hausaufgabe gestellt. Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) weiß darum. Aufgabe der Politik sei es nicht nur, „die Voraussetzungen für ein harmonisches und chancenreiches Zusammenleben in den Kernstädten und des sie umgebenden Umlands zu schaffen“, sondern auch unter sozialen und kulturellen Gesichtspunkten „hochattraktiv“ zu sein.

Zusammenarbeit ist oberstes Gebot

Schließlich befindet sich Region gemeinsam im Wettstreit um die hell sten Köpfe und investitionsfreudige Firmen. Da schadet es gar nicht, dass viele der Befragten sich eher als Rhein-Main-Bewohner denn etwa als Frankfurter sehen, was wiederum den früheren Fraport-Chef Wilhelm Bender freuen dürfte. Der ist heute Präsident des Vereins FrankfurtRheinMain, der sich die Förderung der Standortentwicklung zum Ziel gesetzt hat und die Wettbewerbsfähigkeit der Region stärken möchte.

Zusammenarbeit ist da oberstes Gebot, so wie es Hertie-Stiftung, FrankfurtRheinMain-Verein und Stadt Frankfurt bei der Hertie-Studie unter Beweis gestellt haben. Sie teilen sich die Kosten von 150 000 Euro für die Untersuchung, die nun auch in Buchform im Handel erhältlich ist.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare