Gelassenheit in der Frankfurter Netzleitzentrale

Herz der Bahn schlägt ganz ruhig

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Frankfurt - Sascha Amrhein lehnt sich zurück. An seinem Arbeitsplatz in einem unscheinbaren Frankfurter Bürogebäude steht eine Batterie von zehn Computerbildschirmen, die alle verwirrende Grafiken und Tabellen zeigen.

Doch offenbar passiert gerade nichts Wichtiges, denn der 31-Jährige hat alle Zeit der Welt. In der Netzleitzentrale der Deutschen Bahn überwacht er zusammen mit vier Kollegen an diesem Streik-Donnerstag den gesamten Güter- und Personenfernverkehr im Schienennetz. Während viele Bahnkunden sauer sind und die Servicemitarbeiter in Bahnhöfen und Callcentern alle Hände voll zu tun haben, um die Folgen des flächendeckenden Lokführerstreiks abzufedern, schlägt das operative Herz der DB Netz AG ganz regelmäßig. „Es ist heute schon wesentlich ruhiger. Dadurch, dass weniger Züge unterwegs sind, kommt es zu weniger Konflikten, die wir lösen müssten“, so Amrhein.

„Herne läuft wieder“, ruft einer seiner Kollegen. Die Störung im Ruhrgebiet ist nun auch beseitigt: Der auf etwa ein Drittel des Üblichen dezimierte Verkehr kann noch besser laufen. An normalen Tagen werden in der übergeordneten Netzleitzentrale täglich 750 Personenfernzüge und 250 langlaufende Güterzüge überwacht. Für die große Masse des Regionalverkehrs sind sieben nachgeordnete Betriebszentralen zuständig. An vielen Ecken des rund 33.500 Kilometer langen deutschen Schienennetzes wird sonst Tag für Tag auf Kante gefahren, schon kleine Störungen können Verspätungen für eine Vielzahl von Zügen bringen. Heute ist alles viel entspannter, sagt Koordinator Amrhein: „Die Verspätungen werden weniger auf andere Züge übertragen.“

Die Planungen kommen von den Eisenbahnverkehrsunternehmen, die auf deutschen Schienen unterwegs sind. „Von unseren 390 Kunden werden die meisten nicht bestreikt. Die fahren ihr volles Programm“, berichtet Zentralen-Chef Tino Spring. Den streikenden Lokführern stellt er insofern ein gutes Zeugnis aus, als dass sie nicht mutwillig den übrigen Verkehr behindern: „Wir haben im Netz keine einzige Behinderung etwa durch stehengelassene Züge.“ Etwas Sorgen macht sich Spring um die grenznahen Bahnhöfe, die aus dem Ausland langsam mit Güterzügen volllaufen, die eigentlich von deutschen Lokführern weitergefahren werden müssten.

Seine Mannschaft hat Spring nicht verkleinert. „Man weiß ja nie genau, was kommt, und im Notfall müssen wir genug Kapazitäten haben.“ Für den Streik haben die Verkehrsunternehmen der Deutschen Bahn AG die Notfahrpläne gestrickt. „Die sind stabil angelaufen und werden nun sauber abgefahren“, so der Chef der Netzleitzentrale. Etwas schwieriger wird der für Montag erwartete Wiederanlauf nach dem Streik, weil die Züge dann nicht dort stehen, wo sie eigentlich gebraucht werden. Die ganz harten Tage kommen für die Netzleute noch, denn bei flächendeckenden Unwettern haben sie deutlich mehr zu tun.

Bilder vom Streik in der Region und aus ganz Deutschland

Bilder vom Streik in der Region und aus ganz Deutschland

dpa

Quelle: op-online.de

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