Frankfurt

Herz der Stadt soll langsamer schlagen

Die Grafik der Stadt Frankfurt zeigt, wie sich die Planer künftig den Verkehrsfluss in der Innenstadt vorstellen. Die Hauptwache bleibt ab dem 19. Februar ein für allemal gesperrt.

Der Countdown läuft: Am 19. Februar - eine Woche vor Öffnung von „MyZeil“ - wird die Frankfurter Hauptwache für den Autoverkehr gesperrt.

Der Countdown läuft. 15 Jahre, nachdem die Idee aufkam, und nach vielen politisch kontroversen Diskussionen wird die vor knapp sieben Jahren von den Stadtverordneten beschlossene Verkehrsschließung der Hauptwache in vier Wochen Realität. Wer aus Richtung Süden vom Rossmarkt kommt, wird ab Donnerstag, 19. Februar, in Höhe der Katharinenkirche nicht mehr weiter gen Norden über die Große Eschenheimer in Richtung Eschersheimer Landstraße und Oeder Weg fahren können. Die Durchfahrt an der Hauptwache wird für den motorisierten Verkehr gesperrt. Das kündigte Verkehrsdezernent Lutz Sikorski (Grüne) gestern an.

Die Wahl fiel auf diesen Termin, weil eine Woche später am 26. Februar das neue Einkaufszentrum „MyZeil“ (ehemals Frankfurt Hoch Vier), das auf dem Gelände des ehemaligen Fernemeldehochhauses, der Telekom und der Frankfurter Rundschau errichtet wurde, seine Pforten öffnet. Damit einhergehend wird auch die neue MyZeil-Tiefgarage ihrer Bestimmung übergeben. Im Vorfeld war vereinbart worden, dass zu diesem Zeitpunkt die Durchfahrt an der Hauptwache dicht gemacht wird. So hatte die Vierer-Römer-Koalition 2002 vereinbart, sobald die beiden neuen Tiefgaragen unter dem Goetheplatz (fertiggestellt Mai 2006) und im neuen Einkaufszentrum eröffnet sind, wird im Gegenzug die Hauptwache-Durchfahrt gesperrt.

Die MyZeil-Tiefgarage kann von Norden aus über den Eschenheimer Turm angefahren werden. Dafür wird die Große Eschenheimer Straße zwischen Eschenheimer Turm/Bleichstraße und Kaufhof in beide Fahrtrichtungen freigegeben. Bislang ist dieses Teilstück in nördliche Fahrtrichtung eine Einbahnstraße. Wer also in der MyZeil-Tiefgarage parkt, kann über die Große Eschenheimer Straße wieder ausfahren. Außerdem wird in Höhe des Kaufhofs ein Kreisel errichtet. Auch gibt es die Möglichkeit, links in die Biebergasse in Richtung Freßgasse und Goetheplatz abzubiegen.

Problematischer wird die Situation für Verkehrsteilnehmer, die aus dem Süden kommen und nach Norden wollen, und dabei bislang immer die Innenstadt in Höhe der Hauptwache querten. Denn die machen den Löwenanteil derer aus, die bislang diese Verkehrsachse nutzten, wie Zählungen ergaben, berichtete Sikorski. Demnach fahren durchschnittlich am Tag 18 000 Fahrzeuge über den Rossmarkt. Aber nur 1 000 davon haben tatsächlich die City zum Ziel. 17 000 fahren durch das Herz der Innenstadt, obwohl sie da gar nicht hin möchten, betonte der Verkehrsdezernent. Die müssen sich ab dem 19. Februar neue Wege suchen, um zu ihrem Ziel zu gelangen.

Hingegen profitieren von der Schließung 50 000 Fußgänger, verdeutlichte Lutz Sikorski. Denn so viele Passanten überqueren durchschnittlich innerhalb von acht Stunden die Straße an der Hauptwache. Sie können künftig ungehindert von der Zeil über die Plätze bis zur Freßgass schlendern. Zudem werde in den Osterferien dieser Bereich und die Große Eschenheimer Straße noch hergerichtet. Der Stadtrat sieht in der Schließung einen großen Schritt zur Revitalisierung der Frankfurter Innenstadt. Sikorski erinnerte daran, dass bis in die 1930er Jahre „das Herz der Stadt an der Hauptwache pulsierte. Das Café in der Hauptwache hatte damals von 8 bis 3 Uhr morgens geöffnet!“. Mehr Flanierflächen und Raum für die Fußgänger sowie eine optische Aufwertung der Zeil, die derzeit im Gange ist, sowie die nahezu abgeschlossenen Bau- und Umgestaltungsarbeiten an Rossmarkt, Goetheplatz und Hauptwache seien die Pluspunkte, „mit denen Frankfurt wuchern muss“. Denn mit der Parkplatzsituation „auf der grünen Wiese können wir sowieso nicht konkurrieren“, unterstrich Sikorski. Dabei sei die Frankfurter City im Vergleich zu anderen Großstädten sehr gut mit Stellplätzen im öffentlichen Straßenraum und in den Parkhäusern ausgestattet.

Trotzdem werden der Innenstadt Tage des Chaos bevorstehen, bis sich die Autofahrer an die neue Situation gewöhnt haben, prognostizieren Sikorski und Ulrich Schöttler, Leiter des Straßenverkehrsamtes. Viele Autofahrer hätten sich aber in den vergangenen Jahren seit Beginn der Bauarbeiten für MyZeil und des damit einhergehenden Verlustes einer Fahrspur bereits umorientiert: „Daher sind es heute gar nicht mehr 17 000 Fahrzeuge“, so Schöttler. Dennoch werden an bestimmten Knotenpunkten ab dem 19. Februar viele unkundige Autofahrer nicht wissen, wie sie fahren sollen. Wer nach der Sperrung über den Rossmarkt fährt, kann künftig nicht mehr geradeaus, sondern muss rechts in die Katharinenpforte abbiegen, weiter über den Kornmarkt bis zur Berliner Straße. Neu ist jedoch: Wer aus der Kaiserstraße von Süden kommt, kann künftig am südlichen Ende des Rossmarkts in Richtung Große Gallusstraße abbiegen. Schöttler empfiehlt den Autofahrern, die bisher die Süd-Nord-Achse Hauptwache nutzten, über die Neue Mainzer Straße und Hochstraße zu fahren. Dann kommen sie am Eschenheimer Turm wieder raus. Diese Straßen wie auch die Berliner werden eine Zunahme des Verkehrs verzeichnen. Daher werden an sieben Signalanlagen neue Einstellungen vorgenommen.

Zwei Wochen vor der Sperrung will das Straßenverkehrsamt beginnen, an Autofahrer Infoblätter zu verteilen, Infotafeln aufzustellen und auf den elektronischen Tafeln auf die bevorstehende Sperrung hinzuweisen. In den ersten Tagen des Durchfahrtverbots werden städtische Mitarbeiter an neuralgischen Stellen den Verkehr dirigieren, kündigte Schöttler an.

Von der Sperrung seien die Fraktionen, der Magistrat sowie Wirtschafts- und Einzelhandelsverbände unterrichtet, sagte Sikorski. Er appellierte an alle Beteiligten, jetzt nicht wieder ideologische Debatten zu führen. Die Sperrung der Durchfahrt sei zeitgemäß und angemessen. Nichtsdestotrotz sagte Sikorski dem Vorsitzenden des Hessischen Einzelhandelsverbandes, Frank Albrecht, zu, nach einiger Zeit zu überprüfen, ob die eine oder andere Verkehrsführung in Seitenstraßen geändert werden müsste.

Quelle: op-online.de

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