Hessen Agentur verliert ihre gesamte Spitze

Wiesbaden - (mic/dpa) Die Hessen Agentur verliert offensichtlich zum Jahresende ihre komplette Spitze. Medienberichten zufolge werden die Verträge mit den beiden Geschäftsführern Dieter Kreuziger (64) und Martin Herkströter (55) nicht verlängert.

Kreuziger habe aus Altersgründen auf die Leitung der Wirtschaftsförderung verzichtet, Herkströter ziehe wegen seines gespannten Verhältnisses zum neuen Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) die Konsequenzen und werde in wenigen Tagen offziell seinen Rückzug bekannt geben, hieß es.

Herkströter, ehemaliger Bürgermeister von Eschborn, gilt als ein enger Freund von Ministerpräsident Roland Koch (CDU). Dass er in die Schusslinie gerät, kann mit Spannungen zwischen ihm und Posch begründet werden, andererseits könnte es sein, dass der Wirtschaftsminister einen Schlussstrich unter die bisherige Arbeitsweise der wichtigen Landes-Marketing-Agentur setzen möchte.

Die Hessen Agentur soll die Wirtschaftsentwicklung zum Beispiel durch Marketing und Beratung fördern. Sie ist eine Tochtergesellschaft des Landes und hat 150 Mitarbeiter. SPD und Grüne hatten unlängst die Existenz der Einrichtung, die alle nicht mit Geld verbundenen Wirtschaftsförderungsaufgaben wahrnimmt, infrage gestellt. Bislang habe sich die Agentur nur durch misslungene PR-Kampagnen und nutzlose Delegationsreisen ausgezeichnet. Auch die FDP hatte sich kritisch geäußert.

Anlass der Verstimmung sind die Reise- und Telefonkosten der Geschäftsführer. Laut Wirtschaftsministerium summierten sich die Kosten der Auslandsreisen 2007 und 2008 auf knapp 200 000 Euro, die Telefonkosten von 2006 bis zum 1. Januar 2009 auf 57 600 Euro.

SPD und Grüne im Landtag begrüßten den in Medienberichten angekündigten Abgang an der Spitze der Hessen Agentur und erneuern ihre Forderung nach einer Neuordnung der Wirtschaftsförderung. Geschäftsführer Herkströter sei von Anfang an eine Belastung gewesen, sagte der SPD-Landesvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel. Er verdanke seinen Posten lediglich seiner Nähe zu Ministerpräsident Roland Koch (CDU). Die Grünen erklärten, trotz dieses überfälligen Schritts bedürften Herkströters horrende Flug- und Handykosten der Überprüfung. Die SPD hat deshalb den Landesrechnungshof um Überprüfung gebeten. Schäfer-Gümbel rechnet die Kosten zum überwiegenden Teil Herkströter zu, der etwa 20-mal soviel Bonusmeilen ansammelte wie Kreuziger und auch über mehr Dienst-Telefone verfügt.

Quelle: op-online.de

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