Gescheiterte Annäherung

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Familienministerin Kristina Schröder ist in der konservativen Hessen-CDU eine Außenseiterin geblieben.

Wiesbaden - Jung und konservativ - Ministerin Schröder hätte für die Hessen-CDU eine wichtige Rolle spielen können. Doch die junge Politikerin und ihre Partei kommen nicht zusammen - mit ungewissen Folgen für beide Seiten. Von Friedemann Kohler

Manchmal ist die Entfremdung zwischen Kristina Schröder und der hessischen CDU deutlich sichtbar. Beim letzten Landesparteitag in Darmstadt setzte ein ungeschicktes Protokoll die Familienministerin direkt neben den Ehrenvorsitzenden Roland Koch. Beide gaben sich alle Mühe, aneinander vorbeizustarren - der frühere Ministerpräsident und die junge Frau, die an ihm vorbei unter den Fittichen von Angela Merkel in Berlin Karriere gemacht hat.

Genau wegen dieses Aufstiegs gehört die 35-Jährige auch unter Kochs Nachfolger Volker Bouffier nicht zum Führungskreis der hessischen CDU - sie ist Außenseiterin geblieben. Dass sie als amtierende Bundesministerin nicht Nummer eins der Bundestagswahlliste wird, zeigt wie tief die Kluft ist. Es dürfte aber eine Weichenstellung mit Folgen für beide Seiten sein.

Dem Vernehmen nach hat die Ministerin auf die Spitzenkandidatur verzichtet. Sie wolle sich im Wahlkampf nicht verbiegen. So steht Schröder für die Gleichstellung der Homo-Ehe, was sie in Gegensatz zu Kanzlerin Merkel und der Bundes-CDU, vor allem aber zur konservativen Hessen-Union bringt.

Konservativ und modern

Auf der anderen Seite scheint der Widerstand gegen Schröder in der hessischen Union massiv gewesen zu sein. Von führenden Figuren wie Bouffier oder Landtagsfraktionschef Christean Wagner gab es nie ein offenes Bekenntnis zu ihr. Versuche einer Annäherung scheiterten auf beiden Seiten. Bouffier kündigte einmal eine „führende Rolle“ an, die Schröder für die Hessen-CDU einnehmen könne; er meinte einen Sitz im Vorstand der Bundes-CDU. Schröder lehnte ab, weil sie dort als Ministerin ohnehin präsent sei.

In Berlin ist die Wiesbadenerin weiter die einzige Bundesministerin, die je im Amt Mutter geworden ist. Sie gibt sich als konservative, aber modern denkende junge Frau - „Emanzipiert sind wir selber“, war der Titel ihrer Streitschrift in Frauenfragen. Doch ihre Familienpolitik ist umstritten, manchen gilt die Ministerin als „Angela Merkels Achillesferse“ („Cicero“).

Im Bundeskabinett kann man sich zwar eine Zeitlang allein auf Wunsch der Kanzlerin halten, doch sind Minister auch auf den Rückhalt ihres Landesverbandes angewiesen. Zwar wird Schröder wohl wieder in den Bundestag kommen - den Wahlkreis Wiesbaden hat sie schon 2009 direkt gewonnen. Doch die Entscheidung gegen die Spitzenkandidatur könnte ihren Verbleib im Kabinett nach der Bundestagswahl am 22. September infrage stellen.

Das ist Ministerin Kristina Schröder

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Parallel wird in Hessen gewählt, und der Machterhalt des farblos agierenden Bouffiers und seiner CDU ist keineswegs sicher. In der Not setzen die Hessen nicht auf Öffnung, sondern auf Geschlossenheit der alten Führungsriege. Platz Nummer eins auf der Bundestagsliste wird nun wohl an den alten Haudegen Franz Josef Jung (64) fallen, den früheren Verteidigungsminister. Die CDU vergibt sich die Chance, im Wahlkampf mit einer jungen Frau zu punkten.

Die kommende Doppelwahl stellt zugleich die Weichen für eine mögliche Nach-Bouffier-Zeit bei den hessischen Christdemokraten. Wenn Schröder eine führende Rolle spielen wollte, müsste sie den Anspruch wohl jetzt anmelden. Doch ihr Verzicht rückt auch dies in die Ferne.

(dpa)

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Quelle: op-online.de

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