In Harmonie geübt

Volker Bouffier wieder zum Parteichef gewählt

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Mit Spitzenwert wiedergewählt: Volker Bouffier

Rotenburg - Mit dem herausragenden Ergebnis von 98,4 Prozent hat die hessische CDU ihren Vorsitzenden Ministerpräsident Volker Bouffier zum zweiten Mal im Amt bestätigt. Von den 321 abgegebenen Stimmen am Samstag beim Landesparteitag in Rotenburg waren nur fünf Nein-Stimmen. Von Petra Wettlaufer-Pohl

Eine Aussprache vor der Wahl hatte es nicht gegeben, In der CDU war man mit dem Architekten der schwarz-grünen Koalition offensichtlich rundherum zufrieden. Zum neuen Bündnis hatte Bouffier zuvor gesagt, in Hessen regiere erstmals eine Koalition, die Ökonomie und Ökologie in Einklang bringe. Für die Grünen war er voll des Lobes. Dass die A 44 und die A 49 nun zu Ende gebaut würden, sei keine Selbstverständlichkeit und den Grünen schwer gefallen, „aber es ist der Beweis für die Kompromissfähigkeit unseres Partners.“

Glanzvoll war die Bewerbungsrede für seine dritte Kandidatur nicht, Überraschungen waren angesichts der Koalitionsdisziplin nicht zu erwarten. Doch Bouffier gelang es einmal mehr, den richtigen Ton zu finden, um sich in jener Mischung aus Landesvater und Haudegen zu präsentieren, die die Mitglieder an ihm schätzen. Szenenapplaus bekam er, wenn er die SPD attackierte. Im Bund halte sie sich nicht an die Abmachungen der Großen Koalition. Insbesondere Vize-Parteichef Ralf Stegner, den er als „Koalitionskrawallschachtel“ bezeichnete, steche dabei hervor, wenn er Gespräche mit den Linken oder „Merkel muss weg“ fordere. „Mit den Linken könnt ihr ein Land ruinieren, aber niemals erfolgreich regieren“, rief er der SPD zu.

Die Sozialdemokraten in Hessen, so Bouffier, beanspruchten die Übernahme politischer Führung, beschränkten sich aber „aufs Nörgeln. Wenn man Führung übernehmen will, muss man Flagge zeigen.“ Der alte und neue CDU-Chef beendete seine Ansprache mit einem flammenden Appell an seine Parteifreunde, für die Europa-Wahl zu werben: „Lasst Euch nicht von Kleinkram erschüttern“, Europa sei die politische Antwort auf die Folgen übersteigerten Nationalismus’ und die Schrecken zweier Weltkriege. Dies müsse man einer Generation vor Augen führen, die „in den vergangenen 60 Jahren nie Krieg und Hunger erleben mussten“.

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Ähnlich äußerte sich der Spitzenkandidat der Europäischen Volkspartei, Jean-Claude Juncker. Er würzte seine Rede gleichwohl mit viel Humor und erhielt dafür begeisterten Applaus. Nur die Deutschen fragten ihn, warum er nicht auf Wahlplakaten zu sehen sei, dabei werde er auch in seiner luxemburgischen Heimat nicht plakatiert: „Ich bin nicht Kandidat, um Germany’s next Topmodel zu werden, ich möchte Kommissionspräsident werden.“ In Deutschland plakatiert die CDU stattdessen die gar nicht zur Wahl stehende Bundeskanzlerin Angela Merkel für die Europawahl.

Zu Stellvertretern Bouffiers wurden Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (Kassel/ 79 Prozent), die Ministerin für Europa und Bundesangelegenheiten, Lucia Puttrich (Wetterau/82,1 Prozent) und der Rüsselsheimer Oberbürgermeister Patrick Burghardt (92 Prozent) gewählt. Er nahm den Platz des früheren Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (Rheingau) ein. Neuer Generalsekretär ist der Landtagsabgeordnete Manfred Pentz (Darmstadt-Dieburg/87,1 Prozent).

Quelle: op-online.de

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