Rassistische Gewalttat in Wächtersbach 

Main-Kinzig und die Rechten: Neonazis aus der Region sind bundesweit vernetzt

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Weitere Ermittlungen zu Schüssen in Wächtersbach

Es gibt einige Bezüge zwischen der Main-Kinzig-Region und Neonazis.

Wächtersbach - Der Täter von Wächtersbach, der am Montag aus rassistischen Motiven auf einen 26-jährigen Eritreer geschossen haben soll, ist für Polizei und Verfassungsschutz in Hessen offenbar ein Unbekannter. Der 55-jährige Mann aus dem Main-Kinzig-Kreis sei „bislang noch nicht in Erscheinung getreten“, sagte der Sprecher der hessischen Generalstaatsanwaltschaft, Alexander Badle, der Frankfurter Rundschau am Dienstag.

Damit will die Justizbehörde mögliche „Verstrickungen in die rechtsnationale oder rechtsextreme Szene“ aber nicht ausschließen. Solche Verbindungen könnten „unterhalb des behördlichen Radars“ entstanden seien, räumte Badle ein.

Die Linken-Fraktionschefin Janine Wissler wies darauf hin, dass der 22. Juli der Jahrestag der Attentate von Oslo, Utoya und München sei. Das Datum der Tat in Wächtersbach verfüge daher über einen Symbolgehalt in der rechten Szene. Wissler nannte es „besorgniserregend“, dass die Tat ausgerechnet an diesem Datum verübt worden sei. Der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft sagte auf Anfrage der FR*, es gebe „keine Hinweise“ darauf, dass der Täter das Datum im Wissen um diesen Zusammenhang ausgewählt habe. „Aus den bisherigen Ermittlungen haben wir keine Erkenntnisse, dass dieses Datum bewusst gewählt worden ist“, sagte Alexander Badle.

Main-Kinzig-Kreis spielt Rolle in rechtsextremen Netzwerken

Tatsächlich spielt der Main-Kinzig-Kreis eine Rolle in rechtsextremen Netzwerken, teilweise mit bundesweiter Ausstrahlung. So soll Carsten M. aus Linsengericht zu den Mitbegründern der rassistischen Gruppe Aryans zählen, einer Organisation gewaltbereiter Neonazis. Der Generalbundesanwalt ermittelt, ob es sich um eine rechtsterroristische Gruppierung handelt.

Im Februar war Carsten M. vom Landgericht Halle zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt worden, seine Komplizin Martina H. zu einem Jahr und zwei Wochen auf Bewährung.

Am 1. Mai 2017 hatten M. und neun weitere Rechtsextremisten linke Demonstranten durch Halle gejagt, sie mit Steinen beworfen und auf sie und Unbeteiligte eingeprügelt. Dabei trugen die Angreifer Pullover mit dem Aufdruck der Kameradschaft „Aryans“. Carsten M. war den Behörden bereits mehrfach aufgefallen – wegen Verstößen gegen das Waffengesetz.

Aus Main-Kinzig-Kreis ist Gruppe „Freier Widerstand Hessen“ hervorgegangen

Aus dem Main-Kinzig-Kreis ist nach Angaben des hessischen Verfassungsschutzes auch eine Gruppierung namens „Freier Widerstand Hessen“ hervorgegangen. Sie sei die Nachfolgeorganisation der Kameradschaft „Nationale Sozialisten Main-Kinzig“, die Anfang 2015 ihre Aktivitäten eingestellt habe.

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Im Februar 2017 trat die Gruppierung nach Angaben der Behörde wieder mit einem Internetauftritt in Erscheinung, diesmal unter dem Namen „Freier Widerstand Main-Kinzig“. Im Juni war dieser Internetauftritt nicht mehr erreichbar, dafür tauchte „nahezu zeitgleich“ eine bislang unbekannte Gruppe namens „Freier Widerstand Hessen“ im Internet auf.

Da Seitenaufbau und Inhalt identisch mit dem Internetauftritt der Gruppierung „Freier Widerstand Main-Kinzig“ waren, schloss der Verfassungsschutz daraus, dass sich die Gruppierung erneut umbenannt habe.

In der Öffentlichkeit sei der „Freie Widerstand Hessen“ 2017 „durch Banneraktionen“ in Erscheinung getreten, so in Gelnhausen im Main-Kinzig-Kreis sowie im Stadtgebiet von Wiesbaden, beobachtete das Landesamt für Verfassungsschutz.

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