Ministerin Beer konkretisiert Wahlversprechen

Hessen gönnt sich 2 000 Lehrer mehr

Offenbach - Die geplante 105-prozentige Lehrerversorgung ist schon angekündigt worden. Hunderte neue Stellen wurden von der Landesregierung versprochen. Im Interview mit unserer Zeitung wird Hessens Kultusministerin Nicola Beer jetzt konkreter. Von Peter Schulte-Holtey

Die Landesregierung stellt insgesamt 1990 Lehrerstellen mehr zur Verfügung als zur Abdeckung der Stundentafel nötig wären: 200 neue Lehrerstellen sind bereits im Doppelhaushalt für 2013/14 vorgesehen. Weitere 700 Stellen ergeben sich aus „dem demografischen Faktor“, erklärt die Ministerin. Damit meint sie den Rückgang der Schülerzahlen insgesamt, wodurch weniger Klassen gebildet werden müssen, aber auch Effekte, die sich aus der G8/G9-Umstellung insbesondere durch die abgehenden Doppeljahrgänge im Abitur ergeben.

610 Stellen stehen schon jetzt im System zur Verfügung, zusätzlich zur 100-prozentigen Abdeckung. Weitere 400 wirklich neue Lehrerstellen finanziert Beer aus einer Etaterhöhung für ihr Ministerium mit je 15 Millionen Euro für dieses und nächstes Jahr. Dazu kommen noch etwa 80 Stellen, die die Ministerin aus der Verwaltung von Ministerium, Landesschulamt und Schulämtern abzieht und in die Schulen schickt.

Als Neuerung führt die Ministerin einen Sozialindex ein. 300 Stellen aus dem Pool der 1990 Stellen sollen zusätzlich an die Schulen verteilt werden, die mit besonderen Lasten (zum Beispiel hoher Anteil von Migrantenkindern) konfrontiert werden.

Laut Beer werden 28 Schulen in Offenbach und 36 im Kreis Offenbach davon profitieren. „67 neue Lehrerstellen werden allein über den Sozialindex im Bereichs des Schulamts Offenbach zugewiesen - und dann kommen ja noch die Stellen für Deutsch-Fördermaßnahmen hinzu. “, sagte Beer.

Ein „dickes Lob“ und versteckte Kritik

Ein „dickes Lob“ und versteckte Kritik an der Ankündigung kommt vom Interessenverband Hessischer Schulleiterinnen und Schulleiter (IHS). Seit Jahren fordert der Verband die Einführung einer „Sozialindex-basierten Lehrerzuweisung“. Matthias Doebel, Landesvorsitzender des IHS: „Es kann nicht angehen, dass Schülerinnen und Schüler in sozialen Brennpunkten die gleichen Ressourcen erhalten, wie alle anderen hessischen Schulen. Das widerspricht der vielbeschworenen Chancengerechtigkeit.“

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Deshalb begrüßt der IHS die 105-prozentige Lehrerversorgung. Mit der Umsetzung dieses zentralen Wahlversprechens „ganz am Ende der fünfjährigen Regierungszeit“ könnten endlich alle hessischen Schulen die Möglichkeit erhalten, eigenverantwortlich schulische Projekte von der Doppelbesetzung in Unterrichten bis hin zur schulischen Sozialarbeit umzusetzen. „Projekte, an die zuvor auf Grund mangelnder Ressourcen nicht zu denken war“, so Doebel.

Quelle: op-online.de

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