Vorsitzender des Landeselternbeirats zweifelt

„Hessen ist auf gutem Weg“

Matthias Bedürftig

Wiesbaden - Wenn Matthias Bedürftig über Schule redet, weiß er, worüber er spricht. Der 50-jährige Vater engagiert sich in Klassen- und Schulelternbeiräten, ist im Stadtelternbeirat Wiesbaden aktiv und nun auch der Vorsitzende des hessischen Landeselternbeirats (LEB). Von Petra Wettlaufer-Pohl 

Damit folgt er auf Kerstin Geis (SPD), die seit der Landtagswahl dem Parlament angehört. Ausgesprochen wohlwollend beobachtet Bedürftig, dass immer mehr Schulen sich von der gymnasialen Schulzeitverkürzung G8 abwenden: „Das geht in die richtige Richtung.“ Er sorgt sich auch nicht, dass Eltern Not haben könnten, noch eine G8-Schule zu finden: „Einen solchen Notruf hatten wir noch nicht.“ Besonders begabte Schüler könnten Klassen überspringen.

Positiv bewertet Bedürftig, dass die Koalition nun auch den fünften und sechsten Klassen die Rückkehr zu G9 ermöglichen will. Er selbst befürwortet wie auch die Landesschülervertretung (LSV) das Modell, die Oberstufe in zwei, drei oder vier Jahren zu durchlaufen. Baden-Württemberg wolle das nun testen: „Ich hoffe, dass Hessen dies bei der Abstimmung in der Kultusministerkonferenz nicht behindert.“

Inklusion weiter ein Thema

Auf der Tagesordnung der Elternvertretung steht auch weiterhin die Inklusion: „Man muss mehr investieren in die Ausbildung von Förderschullehrern, denn Inklusion darf kein Sparmodell werden.“ Auch sei es wichtig, die Eltern mitzunehmen. Zwei der Kinder des Umzugsunternehmers besuchen ein Privatgymnasium in Wiesbaden. Nicht, weil die Familie dem öffentlichen Schulsystem misstraut: „Dort haben wir die beste Nachmittagsbetreuung gefunden, denn auch meine Frau ist voll berufstätig.“ Doch auch auf diesem Gebiet sieht er Hessen auf gutem Wege.

Dass seine Vorgängerin sich manchmal Kritik von politischen Mitbewerbern anhören musste, hält Bedürftig für unberechtigt: „Frau Geis hat keine SPD-Politik im Landeselternbeirat gemacht, sondern die Eltern-Vorstellungen in der SPD eingebracht“, sagt Bedürftig, der selbst keiner Partei angehört. Glücklicherweise hätten die hessischen Eltern schon seit langem mehr Mitspracherechte als die in anderen Bundesländern. Den von der neuen Landesregierung angekündigten Versuch des „Schulfriedens“ sieht der neue LEB-Vorsitzende skeptisch. Diskussionen seien wichtig, etwas weniger Hitze im Gefecht könne allerdings nicht schaden.

Das neue Kabinett in Hessen

Kabinett des Landtags: Bilanz nach einem Jahr

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare