Hessen mischt mit

Raumfahrt und IT

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Die Konferenz „Innospace“ beleuchtete die Rolle der Region bei IT und Raumfahrt

Darmstadt - Hessen bleibt das deutsche Tor zum Weltraum. Zugleich mischt das Bundesland bei der immer wichtigeren Vernetzung von Raumfahrt und Informationstechnologie (IT) ganz vorne mit. Von Axel Wölk

Das klang unisono bei den versammelten Experten und Politikern auf der branchenübergreifenden Fachtagung „Innospace“ zur Kooperation beider Bereiche am Darmstädter Satellitenkontrollzentrum (ESOC) an. „Darmstadt ist das Silicon Valley Deutschlands“, sagte Staatssekretärin Brigitte Zypries, die zugleich Koordinatorin der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt ist, in einem Gespräch mit dieser Zeitung. Außerdem spiele die Region in der Raumfahrt eine kaum zu überschätzende Rolle.

Sie selbst vertrete als Bundestagsabgeordnete Darmstadts energisch die Interessen der deutschen Raumfahrt. Dabei komme deren Kommerzialisierung eine immer größere Bedeutung zu. „IT und Raumfahrt treiben sich gegenseitig an“, erklärte die Politikerin im Hinblick auf Innovationen. In gewisser Weise sei die Raumfahrt der IT voraus. Hier gebe es das Thema „Big Data“ schon lange. Bereits seit geraumer Zeit müssten etwa in der Satellitentechnik die Raumfahrtingenieure gewaltige Datenberge beherrschen.

200 Firmen im Bundesland auf diesem Gebiet aktiv

Von „High-Tech und Handkäs“ sprach der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) aus Offenbach. Mit dem ESOC und der Eumetsat gebe es in der Region gleich zwei Organisationen, die Satelliten ins All brächten. Zwar ließe sich über Hessen nicht als einen bundesweit führenden Standort für die Herstellung von Weltraumkomponenten sprechen. Aber rund 200 Firmen seien im Bundesland auf diesem Gebiet aktiv. „Der Schwerpunkt liegt bei Anwendungen.“ Auch die hessische Informations- und Kommunikationstechnologie sei ein gewaltiger Wirtschaftsfaktor. Sie erwirtschafte jährlich rund 39 Milliarden Euro Umsatz und biete rund 120.000 Menschen Arbeit. „Es geht darum, Arbeitsplätze zu schaffen.“ Und die entstünden beispielsweise durch mehr Zusammenarbeit von Raumfahrt und IT, wie sie die „Innospace“ befeuern will.

„Es sollen Netzwerke entstehen“, forderte Vorstandsmitglied Gerd Gruppe von der Deutschen Luft- und Raumfahrtagentur (DLR). „Ohne Bits und Bytes geht auch in der Raumfahrt nichts.“ Rund 30 Prozent der Mitarbeiter seiner Agentur seien in der IT beschäftigt. Doch auch die IT ist ohne Raumfahrt kaum noch denkbar. Professor Werner Enderle vom ESOC verwies auf die zentrale Bedeutung der Satellitennavigation. Viele IT-Anwendungen seien ohne Hilfe aus dem All völlig aufgeschmissen. Dabei zeigte der Wissenschaftler auch Gefahren auf.

Datenvolumen explodiert jährlich um 40 Prozent

Wichtige Signale ließen sich so manipulieren, dass über gesamte Satelliten die Kontrolle übernommen werde. Geräte, die über solche Möglichkeiten verfügten, seien schon für unter 100 Euro erhältlich. „Wir müssen uns sehr verbessern, um uns zu schützen.“ Dem Iran sei es zum Beispiel vor einiger Zeit gelungen, eine Drohne der USA zu übernehmen. Dass die IT unser Leben elementar umkrempelt, verdeutlichte mit Wolfram Jost als Vorstand der Darmstädter Software AG ein gestandener Praktiker. Bereits heute nutzten zwei Milliarden Menschen das Internet - Tendenz stark steigend. Das weltweite Datenvolumen explodiere Jahr für Jahr um 40 Prozent. Zunehmend würden Gebrauchsgegenstände wie etwa Waschmaschinen mit dem Internet vernetzt.

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Der Zug der Zeit lasse sich nicht mehr aufhalten. „Wir werden höchst wahrscheinlich nicht gefragt, ob wir das gut finden.“ Für die aus dem Ruder laufenden Datenmassen hat die Raumfahrt jedenfalls wichtige Methoden an der Hand, um sie in den Griff zu bekommen. Seit langem schon verarbeiten Raumfahrtingenieure gewaltige Berge von Informationen.

Quelle: op-online.de

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