Debatte um Versorgung im Ausland

Hessen steckt mitten in der Pflege-Krise

Wiesbaden - In der Pflegebranche wird zunehmend darüber diskutiert, günstigere Versorgungsmöglichkeiten zu schaffen. Eine davon ist, dass die deutsche Pflegeversicherung künftig mit Altenheimen im Ausland kooperiert. Von Peter Schulte-Holtey

Heftiger Protest kam jetzt vom Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste. „Wer vorschlägt, anstatt einer qualifizierten Versorgung in einem deutschen Pflegeheim betroffenen, schwer pflegebedürftigen Menschen in den letzten Monaten ihres Lebens wegen der niedrigeren Arbeitskosten nach Osteuropa, Spanien oder Thailand zu bringen, hat offensichtlich nicht die leiseste Ahnung von diesem sensiblen Thema, kritisierte der Verbandsvorsitzende Bernd Meurer.

„Wer den Generationenvertrag so versteht, dass die eigenen Angehörigen ins Ausland gebracht werden, um das Erbe zu schonen, wirft viele Fragen auf“, fügte er hinzu. Die meisten älteren Menschen wollen nach Angaben von Meurer so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden oder im Kreise der Angehörigen wohnen. Meurer setzte sich für die „qualifizierte Zuwanderung von Pflegefachkräften, ohne überzogene Anforderungen an diese“ ein.

Fehlende Pflegekräfte

Tatsächlich fehlen auch in Hessen immer noch tausende Pflegekräfte. Die Landesregierung will nun Altenpfleger aus Spanien anwerben. Das kündigte Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) nach Angaben seines Büros an. In dem Modellversuch sollen zunächst 100 Arbeitsstellen in Marburg, Offenbach und Wiesbaden durch Fachkräfte aus der Region Madrid besetzt werden.

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„Damit stellen wir eine wichtige Weiche, um dem Fachkräftemangel im Pflegebereich entgegen zu wirken und zu einer Entlastung der Pflegenden beizutragen“, sagte Grüttner. Zugleich kündigte das Sozialministerium an, das Altenpflegegesetz ändern zu wollen. Danach sollen künftig im Ausland erworbene Qualifikationen leichter in Hessen anerkannt werden. Das bestehende Altenpflegegesetz ist nach Ministeriumsangaben bis zum 31. Dezember befristet

Die Grünen kritisierten, dass eine Anwerbung allein nicht ausreiche. „Es muss auch ein Programm geben, damit sich die angeworbenen Altenpfleger mit den alten Menschen unterhalten können. Außerdem müssen die Ausbildungszahlen hier in Hessen gesteigert und der Beruf insgesamt attraktiver gemacht werden.“ Ähnlich äußerte sich der sozialpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Thomas Spies.

Quelle: op-online.de

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