25. Hessischer Film- und Kinopreis in Frankfurt verliehen

Hessen trifft Hollywood

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Iris Berben freut sich über den Ehrenpreis des Ministerpräsidenten.

Frankfurt - Iris Berben sorgt selbst im Dauerregen für Glamour, Anarcho-Entertainer Helge Schneider beschert den etwas anderen Paco de Lucia, Regisseur Anton Corbijn grüßt via Herbert Grönemeyer aus L. A. - und das Moderatoren-Duo „live aus dem Himmel“. Von Peter H. Müller

Soll noch einer behaupten, Hessen und Hollywood hätten bestenfalls einen schnöden Buchstaben gemeinsam. Bei der 25. Verleihung des Film- und Kinopreises in der Alten Oper waren Glanz, Gloria und große Emotionen angesagt. Irgendwie passte es da fast wie die Faust aufs Auge, dass die gläserne Löwen-Trophäe nun auch einer an das Hollywood-Original erinnernden Gold-Statuette weichen musste. Die Symbolik scheint klar: Das güldene Männlein mit dem Fernglas, von Ottmar Hörl gestaltet, will in eine rosige Zukunft blicken. Was verdächtig korrespondiert mit einer Jubiläums-Gala, die bei ihrer 25. Auflage neben dem Hauptpreis (Bester Spielfilm) für Sonia Heiss´ „Hedi Schneider steckt fest“ noch so einiges Bemerkenswertes zu bieten hatte.

Alwara Höfels ist als beste Schauspielerin ausgezeichnet worden.

Fernsehpreisträgerin Alwara Höfels („Beste Schauspielerin“) etwa musste sich ihre Rede vorsorglich schon mal auf ein Drehplan-Skript notieren: Die von der hr-Jury als „Spezialistin der Vielseitigkeit“ Gelobte musste nämlich gleich zwei Teams danken, weil sie - ein Novum - ihre Auszeichnung für „Die Fischerin“ und „Dr. Gressmann zeigt Gefühle“ erhalten hatte. Dass ihr vor lauter Aufregung auch noch die in ihrer alten Version erhalten gebliebene TV-Trophäe aus den Händen glitt - sympathisch.

Matthias Brandt hat den Filmpreis als bester Schauspieler erhalten.

Übersichtlicher die Lage bei ihrem Pendant Matthias Brandt, der sich als „Bester Schauspieler“ (in der hr-Produktion „Männertreu“) aber einen lächelnden Seitenhieb auf das Wiesbadener Staatstheater nicht verkneifen konnte: Dort hatte man ihm nach einem eher durchwachsenen Engagement („ein Tiefpunkt meiner Erfolglosigkeit“) ehedem noch einen Berufswechsel angeraten. Volker Bouffier - zuversichtlich, dass das Land Hessen diesen Fauxpas nun wieder gut gemacht habe - ließ schließlich ein weiteres Mal sein Faible für schöne und starke Filmfrauen durchblicken, um eine auch jenseits der Leinwand engagierte Schauspielerin zu würdigen, „deren Name verbunden mit glanzvollen Stunden großer Film- und Fernsehunterhaltung ist“. Der (undotierte) Ehrenpreis des Ministerpräsidenten für die im roten Escada-Kleid atemberaubend präsente und sichtlich bewegte Iris Berben - zweifellos ein Höhepunkt der knapp dreistündigen Gala, die zudem einen echten Überraschungs-Coup präsentierte.

Sind Sie ein Kino-Kenner? Die besten Filmzitate

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Berlinale-Chef Dieter Kosslick zauberte als Laudator des Buchmesse-Preises für die Beste Internationale Literaturverfilmung mal eben Herbert Grönemeyer aus dem Hut, der für den absenten Regisseur Anton Corbijn und dessen John-le-Carré-Adaption „A Most Wanted Man“ nicht nur vor der Kamera gestanden, sondern auch den Soundtrack besorgt hatte. Herbert dankte in gleich drei Sprachen - und mit Corbijns dezent überarbeitetem Brief aus Los Angeles.

David Sarno aus Offenbach hat den Hessischen Hochschulfilmpreis verliehen bekommen.

Stichwort „Neues aus dem Himmel“: Das Moderatoren-Duo Rainer Ewerrien und der Offenbacher Lokalmatador Carsten Strauch, sonst als „Götter wie Wir“ selbst mit Preisen überhäuft, machte seine Sache ähnlich gut wie die diversen Jurys, die in 2014 Mut zu unkonventionellen Entscheidungen hatten. Der Hochschulfilmpreis für die an der Hochschule für Gestaltung Offenbach )HfG) entstandene Abschlussarbeit „Richard & Gilbert“ (Regie: David Sorno), laut Wissenschaftsminister Boris Rhein „Splatter meets homoerotic“, ist ein solches Votum - genau wie die Experimentalfilm-Auszeichnung für Nino Pezellas Langzeit-Studie („Femminielli“) über die Transgender-Szene Neapels und der „Doku-Oskar“ für Nadav Schirmans „The Green Prince“, der den Weg von Mosab Hassan Yousef, Sohn einer Hamas-Größe, zu einem der wichtigsten Agenten des israelischen Geheimdienstes Shin Beth nacherzählt.

Quelle: op-online.de

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