Theoretisch ab 18 Jahren

Hessen will Altersgrenzen für Bürgermeister abschaffen

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Hohenroda/Wiesbaden - Hessen will die bisherigen Altersgrenzen für Bürgermeister, Oberbürgermeister und Landräte abschaffen. Zum hauptamtliche Bürgermeister kann bislang nicht gewählt werden, wer am Wahltag 67 Jahre und älter ist. Bewerber müssen mindestens 25 sein. Künftig sollen schon 18-Jährige theoretisch die Chance haben.

Manchmal muss er noch Frotzeleien von Kollegen ertragen. ""Ah, da kommt ja unser Jüngster" - bekomme ich zuhören. Aber ich kann Spaß verstehen", sagt Andre Stenda. Die Anspielung auf sein Alter kommt nicht von ungefähr. Der Verwaltungsfachmann ist Hessens jüngster Bürgermeister, wie der Städte- und Gemeindebund und der Städtetag in Hessen bestätigen. Als Stenda sein Amt antrat, war er erst 27 Jahre alt. Mittlerweile ist er 28 und am Ende des Monats ein halbes Jahr Rathaus-Chef von Hohenroda. Die kleine Gemeinde zählt gerade einmal rund 3000 Einwohner und liegt im osthessischen Landkreis Hersfeld-Rotenburg.

"Anfangs war das noch Thema im Gespräch mit den Bürgern. Aber jetzt muss ich sagen: Das Alter spielt keine Rolle. Wenn man selbstbewusst und kompetent auftritt, ist die Hürde schnell genommen", sagt Stenda. "Es kommt schließlich auf die Fähigkeiten und das Portfolio an, das man mitbringt." Der zahlenbegeisterte und rhetorisch sehr souverän auftretende Mann bringt ein wenig Berufserfahrung mit. In seiner nordhessischen Heimat Trendelburg war Stenda (ehrenamtlicher) Stadtverordnetenvorsteher.

Bewerber für die Bürgermeisterwahl

Zu Hohenroda hatte Stenda vor seinem Amtsantritt keinen Bezug. Er bekam von einem Kollegen ein Tipp, dass die Gemeinde Bewerber für die Bürgermeisterwahl sucht. Er sammelte dann Unterstützer-Unterschriften in der Kommune. Seinen Wahlvorschlag unterstützten die CDU, FDP und die Freien Wählern. Und als der Urnengang anstand, setzte sich Stenda im Mai 2013 mit 70,7 Prozent überzeugend gegen zwei Konkurrenten durch. "Die Wähler hat offenbar das Gesamtpaket überzeugt", so Stenda.

Stenda stammt aus einer wohlhabenden Banker-Familie, ist mit sechs Geschwistern aufgewachsen und hat in seiner Vita schon einiges vorzuweisen. Nach dem Abitur machte er eine Ausbildung zum Industriekaufmann bei der Kasseler Verkehrs- und Versorgungs-GmbH und studierte parallel Betriebswirtschaftslehre. Danach setzte er ein Personal-Management-Studium in Frankfurt am Main drauf. Vergleichsweise viel Lebens- und Berufserfahrung hat Stenda aber noch nicht zu bieten. "Das kann sich natürlich noch als Schwierigkeit erweisen", sagt Ulrich Künz (63). Der CDU-Politiker ist Rathaus-Chef in Kirtorf (Vogelsbergkreis), seit 37 Jahren im Amt und damit Hessens dienstältester Bürgermeister. Er war 26, als er den Job wagte.

Sinn und zur Rechtmäßigkeit von Altersgrenzen

Zum Sinn und zur Rechtmäßigkeit von Altersgrenzen, wie sie derzeit in Hessen auch wegen Gerichtsverfahren zur Altersdiskriminierung zur Debatte stehen, sagt Künz: "Ich halte nichts von Altersgrenzen." Stenda findet: "Egal ob jung oder alt: Man trifft gute Entscheidungen und macht manchmal auch Fehler." Das Mindestalter für einen Jung-Bürgermeister wie Stenda ist aktuell 25. Das Thema Nummer eins in Hohenroda ist für Stenda die Haushaltskonsolidierung. In Summe belaufen sich die Schulden der Kommune mit Zweckverbänden den Angaben zufolge auf rund neun Millionen Euro. Hohenroda ist deswegen auch unter den finanziellen Schutzschirm des Landes Hessen geschlüpft.

Die Ausgaben in den Griff zu bekommen und Schulden zu tilgen - das sind für Stenda die Langzeitaufgaben. Er ist gekommen, um zu bleiben. Bald will er mit seiner Freundin in Hohenroda zusammenziehen. "Ich plane in jeglicher Hinsicht langfristig. Der Job hier soll kein Karrieresprungbrett sein." Ihm ist auch bewusst: "Bürgermeister ist man nicht nur 39 Stunden pro Woche - sondern rund um die Uhr."

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dpa

Quelle: op-online.de

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