Hessen wird Betreuungsquote für Kleinkinder erfüllen

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Wiesbaden - Ministerpräsident Volker Bouffier macht in Familie. Im Vorwahlkampf wirbt er für seine Familienpolitik, die bald eine halbe Milliarde Euro bewegen soll.

Mit Kindern kann Volker Bouffier (CDU). Also sitzt der hessische CDU-Ministerpräsident am Mittwochmorgen im Stuhlkreis einer Wiesbadener Kindergartengruppe. Er spielt das Fingerspiel "Zehn kleine Indianer". Bei dem Besuch im Vorwahlkampf ist auch Bouffiers Ehefrau Ursula mit von der Partie. Sie hockt zwei Stühlchen weiter und macht das Spiel der 14 Kinder der Drachengruppe noch geschickter mit als der Regierungschef. "Und wer von euch kann denn schon schwimmen?", fragt Bouffier hinterher, und eifrig fliegen mehrere Finger hoch.

Die Familienpolitik hatte sich Bouffier am Mittwoch für seine Hessenreise vorgenommen, die ihn auch nach Weilburg, Wetzlar und Karben führte. Vor der Landtagswahl im September bemüht sich die CDU/FDP-Landesregierung, ihre Verdienste auf jedem Politikfeld herauszustreichen - in Wirtschaft, Bildung, Innerer Sicherheit und Integration, nun also in der Familienpolitik. Wie Bouffier schwärmen auch seine Kabinettskollegen in Kindertagesstätten und Familienbildungszentren aus.

Mehr als eine Million Kinder

Etwa 890 000 Familien unterschiedlicher Zusammensetzung gibt es in Hessen, im Land lebt mehr als eine Million Kinder. Etwa 420 Millionen Euro gibt das Land in diesem Jahr für den Kita-Betrieb und für Familienförderprogramme aller Art, rechnet Sozialminister Stefan Grütter (CDU) vor. Im nächsten Jahr wird die Familienpolitik etwa eine halbe Milliarde Euro bewegen.

Er wolle sich auf der Reise informieren, sagt Bouffier: "Wie wirkt denn das, was wir machen?" Die Kita am Wiesbadener Polizeipräsidium ist nicht irgendeine, sie wird von einer Tochterfirma des Flughafenbetreibers Fraport getragen. Hier können im Notfall bis zu 25 Kinder betreut werden, wenn für Mitarbeiter großer Firmen wie der Lufthansa, des Landes oder der Stadt Wiesbaden die andere Betreuung ausfällt. Daneben gibt es eine Kindertagesstätte, die die Hälfte ihrer 118 Plätze an große Arbeitgeber verkauft hat.

Umstrittenes Kinderförderungsgesetz

Fragen zum umstrittenen Kinderförderungsgesetz braucht Bouffier hier nicht zu befürchten. Der Entwurf hat der Regierung in den vergangenen Monaten viel Ärger von Erziehern und Eltern eingetragen. Die Regierung will die Finanzierung der Kitas neu regeln. Udo Sicher, Geschäftsführer des Kita-Trägers Airport Medical Services, kann die Kritik nicht nachvollziehen. "Man muss das Gesetz nur sinnvoll anwenden." In seiner Einrichtung werde sich am Qualitätsstandard nichts ändern.

Kita-Leiterin Christine Veith berichtet, dass sie eine lange Warteliste für einen Krippenplatz hat. Allerdings meldeten werdende Eltern ihren Nachwuchs oft bei vielen Krippen an. Die meisten erhielten irgendwann einen Platz für ihren Sprössling, "wenn auch nicht zum Wunschtermin", sagt Veith.

Lösungen für Eltern

Den gesetzlichen Betreuungsanspruch für Kleinkinder unter drei Jahren werde Hessen erfüllen können, sagt Bouffier. Ab 1. August sollen rechnerisch für 35 Prozent der Kleinkinder Betreuungsplätze eingerichtet sein. Wichtiger als die Quote sei es, mit den Kommunen Lösungen für Eltern zu finden, die dann noch einen Platz suchen. "Die Quote werden wir erfüllen, ob zum 1.8. oder zum 1.12.", sagt Bouffier. Grüttner geht davon aus, den Termin Anfang August halten zu können. Seit dem letzten gemessenen Stand von 31 Prozent seien noch viele Plätze entstanden. Die Grünen ziehen die Zahlen in Zweifel, der Ausbau der Betreuungsplätze hinke hinterher, erklären sie.

Für den Landesvater steht unterdessen Bewegung auf dem Programm. "Beim Sport duzen sich alle", sagt der Sporterzieher der Kindergartenkinder, Martin Juppe-Reinl. Also bekommt der Volker einen Mini-Hockeystock in die Hand. Er spielt bei den Roten und verhindert alle Torschüsse der Grünen. Die zwei Knirpse in seinem Team sorgen für die zwei Tore. "Nichts ist besser als Sport", sagt der langjährige Innen- und Sportminister Bouffier.

Quelle: op-online.de

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