Nur wenige Unternehmen bemühen sich um Chancengleichheit

Hessens Frauen im Job benachteiligt

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FRANKFURT - Im Arbeitsleben spielen hessiche Frauen häufig die zweite Geige. Die Wirtschaft nutzt ihr Potenzial als Fach- und Führungskräfte nicht ausreichend. Von Marc Kuhn

In Hessen haben in den vergangenen Jahren immer mehr Menschen Arbeit gefunden - Frauen werden aber teils immer noch benachteiligt. „Es gibt einen Anstieg der Beschäftigungsquote von Frauen“, sagte Frank Martin, Regionaldirektor Hessen der Bundesagentur für Arbeit, gestern in Frankfurt. „Wir haben noch erheblichen Handlungsbedarf, um Chancengleichheit zwischen Männern und Frauen herzustellen“, fügte er bei der Vorstellung des Genderberichts Hessen 2013 hinzu. Mit Blick auf Frauen in Führungspositionen sprach Oliver Nüchter vom Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Frankfurter Goethe-Universität von dicken Brettern, die es noch zu bohren gelte.

Beschäftigungsquote von Frauen lag 2012 in Hessen bei 48,6 Prozent

Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Jobs sei in den vergangenen zehn Jahren in Hessen leicht gestiegen, 2012 um 1,7 Prozent auf etwa 2,3 Millionen, berichtete Martin. Bei den Frauen sei ein Plus von zwei, bei den Männern von 1,5 Prozent zu verzeichnen gewesen. 2002 habe es rund 2,2 Millionen Stellen gegeben. Der Anstieg sei vor allem auf Teilzeitjobs zurückzuführen, erläuterte Martin. 2001 gingen 4,2 Prozent der Männer in Hessen einer Teilzeitbeschäftigung nach, 2011 waren es 6,9 Prozent. Bei den Frauen ist der Anteil im gleichen Zeitraum von knapp 30 auf 37,1 Prozent gestiegen. Die Beschäftigungsquote von Frauen lag im vergangenen Jahr in Hessen bei 48,6 Prozent, die der Männer aber bei 56,4 Prozent, wie Martin weiter sagte. Regional gibt es eine große Spannbreite: So arbeiteten in Kassel 43,6 Prozent der Frauen, im Main-Taunus-Kreis waren es 54,7 Prozent. Bei den Männern reichte die Spannbreite von 50,8 Prozent in Darmstadt bis 62,4 Prozent im Main-Taunus-Kreis.

Martin erklärte weiter: „Geringfügige Beschäftigung ist ein Frauen-Thema.“ 2012 gingen mehr als 514 100 Frauen und Männer in Hessen einem Minijob nach. 41,5 Prozent der geringfügig beschäftigten, die außer dem Minijob kein anderes Einkommen haben, sind Frauen. Bei den Männern liegt dieser Anteil bei 18,8 Prozent. Die Zahl der Minijobs, die neben einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit ausgeübt werden, ist seit 2003 im 122 Prozent angestiegen, wie aus dem Genderberichter hervorgeht. Diese Entwicklung korrespondiere mit den Ergebnissen einer bundesweiten Umfrage, nach der sich die Hälfte der Teilzeit- oder geringfügig beschäftigten Frauen eine Ausweitung ihrer Arbeitszeit wünscht, für jede fünfte Frau sei ein Vollzeitjob aber mit der Betreuung von Kindern und Angehörigen nicht vereinbar.

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Nach Ansicht von Martin reichen die Anstrengungen der Gesellschaft nicht aus, um Frauen beispielsweise nach einer Kinderpause in den Job zurückzuholen. Angesichts des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels sieht er diese Entwicklung kritisch. „Die Volkswirtschaft braucht mehr Arbeitskräfte“, sagte Martin. Es passiere viel. „Aber, uns läuft die Zeit davon. Frauen besitzen das größte inländische Potenzial.“

Nur wenige Unternehmen bemühen sich um Chancengleichheit von Frauen und Männern am Arbeitsplatz. „Eine Minderheit tut überhaupt etwas“, erklärte IWAK-Forscher Nüchter zu einer Umfrage bei Firmen in Hessen. Fast 70 Prozent der Betriebe würden keine Maßnahmen zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf beziehungsweise zur Förderung der Chancengleichheit ergreifen. Die Unternehmen nehmen allerdings Rücksicht auf Betreuungspflichten und bieten Elternzeit an. Nach wie vor selten sind weibliche Führungskräfte in hessischen Betrieben. In Firmen mit weniger als zehn Beschäftigten sei mehr als jede vierte Spitzenposition mit einer Frau besetzt, erläuterte Nüchter. In Mittel- und Großbetrieben sei nur etwa jede fünfte Führungskraft weiblich.

Quelle: op-online.de

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