Viele Schäden und hohe Kosten

Hessens Sorgenkind: Landesstraßen

Wiesbaden - Hessen ist ein Transitland. Ein gut ausgebautes Verkehrsnetz wird nicht nur in den Ballungsgebieten, sondern auch in den ländlichen Regionen mit weniger Autobahnanbindungen gebraucht. Doch die Realität ist eine andere.

Der Zustand von Hessens Landesstraßen ist schlecht. Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) beharrt deswegen auf seinem Grundsatz, dass die Sanierung des Verkehrsnetzes Priorität vor Neubauten hat. Mehr Geld für den Landesstraßenetat soll nun bei diesem Ziel helfen, wie der Minister gestern ankündigte.

Wo kommt das zusätzliche Geld her? 
Neun Millionen Euro kann der Verkehrsminister in diesem Jahr mehr für den Landesstraßenbau ausgeben. Fünf Millionen Euro werden davon aus dem Landeshaushalt zur Verfügung gestellt, um vor allem die Schäden der langen Frostphase im Winter zu beseitigen. Weitere vier Millionen Euro kommen aus den Rücklagen der Verkehrsbehörde Hessen Mobil.
Wie viele Mittel hat der Verkehrsminister 2017 für den Landesstraßenbau zur Verfügung? 
Der Etat steigt damit auf insgesamt 153 Millionen Euro. Davon sind 99 Millionen für den eigentlichen Landesstraßenbau vorgesehen. Die restliche Summe sind Planungs- und Bauabwicklungsmittel für externe Planer.
Für welche Sanierungsmaßnahmen soll frisches Geld eingesetzt werden? 
Insgesamt soll der überwiegende Teil des Geldes in 13 Sanierungsprojekte fließen. Davon befinden sich jeweils drei Maßnahmen in Mittel- und Osthessen (unter anderem Westspange Gelnhausen), jeweils zwei Projekte in Nord-, West- und Südhessen und ein Bauabschnitt im Rhein-Main-Gebiet (Idstein).
Warum sind Hessens Landesstraßen so schlecht? 
Landesstraßen haben laut Hessen Mobil in der Regel eine deutlich schlechtere Substanz als Bundesstraßen. Da der Schwerlastverkehr auch über diese Strecken rollt, kommt es dort schneller zu Rissen und Löchern. Witterungseinflüsse tun ein Übriges. Bei der Sanierung wäre oftmals eine grundhafte Erneuerung sinnvoll, stattdessen wird oftmals nur die Fahrbahndecke bis zu einer Tiefe von vier bis acht Zentimeter abgefräst.
Was steckt hinter der Sanierungsoffensive des Ministers? 
Fast die Hälfte der hessischen Landesstraßen ist in einem schlechten oder sehr schlechten Zustand. Al-Wazir hat deswegen das Motto ausgegeben: Sanierung geht vor Neubau. Die 2016 gestartete Sanierungsoffensive umfasst insgesamt 540 Maßnahmen. 97 Projekte wurden mittlerweile begonnen, 59 davon abgeschlossen. Dazu kommen 24 Sanierungen, die nicht Teil der Offensive sind, sondern wegen ihrer Dringlichkeit angegangen werden mussten. Viele Projekte der Offensive befinden sich im Rhein-Main-Gebiet.
Was bemängeln die Kritiker des Verkehrsministers? 
Die Opposition im Landtag bezeichnet die zusätzlichen neun Millionen Euro als einen Witz. Es müsse viel mehr Geld sowohl in die Sanierung aber auch in den Neubau investiert werden. Die Industrie- und Handelskammern fordern außerdem, dass mehr qualifizierte Ingenieure bei Hessen Mobil für die komplexen Planungsprozesse eingesetzt werden.
Hat Hessen Mobil ein Personalproblem? 
Die Verkehrsbehörde versucht vor allem mehr Ingenieure zu gewinnen. In diesem Jahr wird mit 200 Neueinstellungen gerechnet. Derzeit zählt Hessen Mobil mit seinen zwölf regionalen Standorten, der Verkehrszentrale Hessen sowie 60 Autobahn- und Straßenmeistereien 3 500 Mitarbeiter.

(dpa)

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Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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