Hessens Städte auf neuen Wegen

Einige Kommunen in Hessen suchen längst nach Alternativen zum Gelben Sack und testen neue Konzepte. In Kassel wird das Zwei-Tonnen-System erprobt. Es besteht aus einer Tonne für Trocken-Abfälle und einem Behälter für Nass-Abfälle.

Verpackungen, Spielzeug, CDs, alte Pfannen oder Schrauben und selbst kleine Elektrogeräte sollen in der „trockenen Tonne“ landen. In die „nasse Tonne“ kommen organische Küchen- und Gartenabfälle, Taschentücher, Windeln, aber auch Staubsaugerbeutel, Asche sowie Katzenstreu. In Wiesbaden bevorzugt man das „Drei-Tonnen-System“. Ab 2011 heißt es dann „Gelber Sack ade“: Verpackungsabfall kommt mit dem Restmüll in die normale Tonne. Dazu gibt es noch die Bio- und Papiertonne.

Auch in Frankfurt soll es nach dem Willen der Entsorgungs- und Service GmbH (FES) möglichst ab 2013 Erleichterungen für Verbraucher in der Müllentsorgung geben. Mit dem FES-Experten Michael Werner sprach jetzt unser Redaktionsmitglied Peter Schulte-Holtey.

Was soll künftig nur noch in die Gelbe Tonne?

In der Frankfurter „Wertstofftonne“ sollen zukünftig nicht nur alle Verpackungen mit dem Grünen Punkt und unter anderen Lizenzzeichen, sondern auch stoffgleiche Nichtverpackungen - z. B. Kunststoffe und Metalle - sowie generell alle Wertstoffe aus Kunststoff und Metall gesammelt werden.

Warum muss die Tonne dann vom privaten „Dualen System“ (DSD) in die Regie der Stadt überführt werden? Welche Folgen hätte das - darf die Stadt Frankfurt dies denn?

Die Gelbe Tonne in ihren jetzigen Form hat sich überlebt. Während es in den 90er Jahren um die Begrenzung des Verpackungsmülls ging, stehen die Zeichen der Zeit auf Nachhaltigkeitsthemen wie Ressourcenschonung durch Rückgewinnung von Sekundärrohstoffen aus dem Hausmüll. Die Verantwortung hierfür kann abfallrechtlich nur bei den öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträgern liegen. Während es lange Zeit nur DSD gab, konkurrieren heute insgesamt neun Systembetreiber. Auch vor diesem Hintergrund lässt es sich nicht rechtfertigen, dass die Sammlung des lizenzierten Verpackungsmaterials weiterhin von DSD organisiert wird. Die Unterscheidung zwischen kommunalen Mülltonnen und DSD-Tonne wird von vielen Bürgern nicht verstanden bzw. nicht mitgetragen. Anders lässt sich die anhaltend hohe Quote von Fehlwürfen - ca. 50 Prozent - in den Gelben Tonnen nicht deuten. Die Stadt Frankfurt kann nicht allein handeln, sondern braucht die Begleitung durch die Bundes- und Landesgesetzgebung. Die anstehende Novellierung des Kreislaufwirtschafts-/Abfallgesetzes bietet hier eine große Chance.

Was spricht gegen das Wiesbadener Modell?

Das Wiesbadener Modell macht keinen Sinn, da man den Restmüll und den Verpackungsmüll erst zusammenwirft, um ihn dann wieder aufwändig zu trennen. Ein Beispiel für Frankfurt: 161.000 Tonnen Restmüll plus 13.000 Tonnen Leichtverpackungen - das sind 174.000 Tonnen. Unterstellten wir Sortierkosten von etwa 40 bis 50 Euro pro Tonne, würde dies zusätzliche Kosten von etwa 7 bis 8,7 Millionen Euro ausmachen. Wer soll das bezahlen? Der Gebührenzahler? Und all dieser Aufwand, um etwa 7.000 bis 10.000 Tonnen zusätzlichen Verpackungsmüll herauszuholen. Das macht keinen Sinn und versteht auch kein Mensch.

Quelle: op-online.de

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