Feucht-kühle Witterung

Hessens Wälder erholen sich

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Die feuchte und kühle Witterung in diesem Frühjahr hat zur Erholung der hessischen Wälder beigetragen.

Königstein - Seit 30 Jahren wird der hessische Wald jährlich untersucht - zuerst wurden „Waldschadensberichte“ veröffentlicht. Heute wird über den „Zustand“ berichtet, und der hat sich verbessert. Das Wetter war günstig. Aber der saure Regen wirkt nach. Von Sabine Ränsch

Das feucht-kühle Wetter im Frühjahr hat zur Erholung der hessischen Wälder beigetragen. „Die Bäume im Wald haben so viele Blätter und Nadeln wie seit 20 Jahren nicht mehr“, sagte Umwelt-Staatssekretär Mark Weinmeister (CDU) am Montag in einem Wald bei Königstein bei der Vorstellung des diesjährigen Waldzustandsberichts. Alle Hauptbaumarten - Buche, Eiche, Fichte und Kiefer - hätten von den guten Bedingungen profitiert. Außerdem hätten sie mit weniger Schädlingen zu kämpfen gehabt und weniger Früchte getragen - beides kostet Kraft und schwächt die Bäume.

2013 sei zwar günstig verlaufen, „aber das ist keine Garantie für die nächsten Jahre“, sagte Prof. Johannes Eichhorn von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (Göttingen), die für den Waldzustandsbericht verantwortlich ist. „Wir müssen alles tun, um den Wald zu stabilisieren.“ Dass sich der Wald von der Giftdusche der vergangenen Jahrzehnte erholt, könne vielleicht noch Jahrzehnte dauern, sagte Christoph von Eisenhart Rothe von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald.

Schadstoffbelastungen aus der Luft

Die Bäume leiden immer noch unter den Schadstoffbelastungen aus der Luft, die nach Erkenntnissen der Wissenschaftler Ende der 1970er Jahre ihren Höhepunkt erreicht hatten - zumindest bei Schwefel und Stickstoff. „Trotz Reduktionen bei Schwefel und Säure wirken die hohen Werte bis heute nach“, heißt es im aktuellen Bericht. Um die Säure im Boden zu neutralisieren, werden große Waldflächen gekalkt - in diesem Jahr waren es rund 14 300 Hektar. Auch Klimaänderungen spielen eine Rolle: Die Durchschnittstemperatur sei ab Mitte der 1980er Jahre in Hessen spürbar gestiegen, sagte Eichhorn.

Sorge bereitet den Fachleuten wie in den Vorjahren der Wald im Rhein-Main-Gebiet. Dort habe sich der Zustand der Bäume zwar auch verbessert, aber nur leicht, und insgesamt gehe es dem Wald im Ballungsgebiet deutlich schlechter als in anderen Regionen. Vor allem im Hessischen Ried - dort wachsen die meisten der hessischen Eichen - gibt es Probleme, weil die Wurzeln nicht mehr an das Wasser herankommen. Der Grundwasserspiegel war durch ständig steigende Wasserförderung deutlich gesunken. Naturschützer mahnen eine schnelle Lösung an. Die Grundwasserabsenkung sei lebensbedrohlich für die Eichen: „Die Zukunft der Eichenwälder steht auf dem Spiel“, sagte Mark Harthun vom hessischen Naturschutzbund (Nabu). Staatssekretär Weinmeister verwies auf den „Runden Tisch“ mit Vertretern verschiedener Interessengruppen. Bis Anfang 2014 werde das Gremium seinen Arbeitsplan abgearbeitet haben und bis zum Sommer Ergebnisse vorlegen. Danach könne der Landtag entscheiden, was geschehen soll.

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Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald forderte, Erträge aus der Wassergewinnung in die Sanierung der Wälder und der Grundwasser zu stecken. „Die Trinkwasserindustrie, die mit dem Wasser aus dem Wald sehr gut verdient, ist der Verursacher des Problems, sagte von Eisenhart Rothe.

Auf 895 000 Hektar in Hessen wächst Wald, das entspricht 42 Prozent der Landesfläche. Damit steht Hessen zusammen mit Rheinland-Pfalz - dort ist der Waldanteil genauso hoch - an der Spitze der Bundesländer. Über die Hälfte der hessischen Waldbäume sind Laubbäume. Besonders typisch ist die Buche mit einem Anteil von rund 40 Prozent. Schon die Römer nannten das Gebiet zwischen Weserbergland und Schwarzwald wegen des hohen Buchenanteils „Buchonia“. Bundesweit sind nur 25 Prozent der Bäume Buchen. Mit 14 Prozent steht die Eiche in Hessen bei den Laubbäumen an zweiter Stelle, bundesweit erreicht sie einen Anteil von 9 Prozent. 28 Prozent der hessischen Bäume sind Fichten und 17 Prozent Kiefern, Lärchen und sonstige Nadelbaumarten. Größter hessischer Waldbesitzer ist das Land, dem 40 Prozent der Wälder gehören. 35 Prozent des Waldes gehören Kommunen, 25 ProzentPrivatleuten.

dpa

Quelle: op-online.de

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