Beseitigung kostet jährlich Millionen

Hessens Wälder voll mit Munition

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Symbolbild

Wiesbaden - Auch mehr als 70 Jahre nach Kriegsende findet sich immer noch tonnenweise Munition. Die Experten des hessischen Kampfmittelräumdienstes sind fast jede Woche mit einer Sprengung im Einsatz.

In Hessens Wäldern liegen noch unzählige Tonnen Munition aus dem Zweiten Weltkrieg. „Diese deutsche Munition sollte zum Ende des Krieges gesprengt und vernichtet werden“, sagte der Leiter des hessischen Kampfmittelräumdienstes, Gerhard Gossens, in Wiesbaden. „Es hat aber nicht geklappt, alle diese Munitionsbunker völlig zu zerstören. Die Folge war, dass die meiste Munition nicht vernichtet wurde, sondern durch die Gegend geflogen ist und nun irgendwo auf und im Boden in den Wäldern liegt.“ Jedes Jahr werde deshalb ein umfangreiches  Programm für die Beseitigung dieser Kampfmittel gefahren, erklärte der Experte. Das Land steuere dazu eine Summe von mehr als zwei Millionen Euro bei. „Zu 99 Prozent wissen wir, wo diese ehemals reichseigene Munition im Wald liegt.“ Die Stellen werden aber nicht preisgegeben, um nicht Hobby-Sammler anzulocken. „Kampfmittel zu suchen, ist außerdem verboten“, betonte Gossens.

Die Bergung sei eine sehr mühsame, schwierige und auch gefährliche Arbeit, da die Sprengkörper auf dem Boden im Dreck liegen und daher oft erst auf den zweiten Blick entdeckt werden können. Ob noch eine unmittelbare Gefahr von den Kampfmitteln ausgeht, sei daher nicht sofort erkennbar. „Es wird noch etliche Jahre dauern, bis wir die gesamten Flächen abgesucht haben“, berichtete der Leiter des Räumdienstes. „Und diese Arbeit wird auch noch viel Geld kosten.“ 2,6 Millionen Euro hat das Land nach Angaben des Finanzministeriums dem Regierungspräsidium Darmstadt insgesamt im vergangenen Jahr für die Beseitigung von Kampfmitteln in den hessischen Privat- und Staatswäldern zur Verfügung gestellt. Für die Jahre 2016 bis 2018 wird die Summe noch erhöht, es werden Landesmittel pro Jahr in Höhe von 2,8 Millionen Euro fließen. Hessens Kampfmittelräumdienst ist bei der Darmstädter Behörde angesiedelt.

65 Tonnen Kampfmittel hat Gossens mit seinem Team im vergangenen Jahr in Hessen geborgen und vernichtet. 80 bis 90 Prozent der Funde war Munition aus den Wäldern. Die restlichen 10 bis 20 Prozent waren alliierte Blindgänger-Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg, die vor allem bei Bau- und Kanalarbeiten, wenn Flächen neu ausgewiesen werden oder auch mal beim Umgraben eines Garten gefunden werden. Insgesamt gab es 435 Fundmeldungen aus der hessischen Bevölkerung im Jahr 2015. Aber nur etwa die Hälfte der Funde entpuppte sich tatsächlich als gefährliche Gegenstände. „Da ist dann auch mal ein Schirmständer dabei. Zivilschrott nennen wir diese Fundstücke“, sagt Gossens. Tatsache ist aber: „Im vergangenen Jahr haben wir fast jede Woche irgendwo gesprengt.“

dpa

Quelle: op-online.de

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