Gesetzesänderung

Rückkehr zu G9 für laufende Klassen möglich

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Wiesbaden - Schwarz-Grün ruft in der Schulpolitik die große Wahlfreiheit aus. Doch im schlimmsten Fall steht in einer Schulklasse Elternwille gegen Elternwille.

Die schwarz-grüne Koalition in Hessen stellt auch laufenden fünften, sechsten und siebten Gymnasialklassen die Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren (G9) frei. Die geplante Änderung am Schulgesetz erläuterten Kultusminister Ralph-Alexander Lorz und Sprecher von CDU und Grünen am Freitag in Wiesbaden. Entscheiden sollen die Eltern in einer anonymen Befragung. Kritiker befürchten, dass damit Streit bis in einzelne Schulklassen hineingetragen wird. Dabei wurden die siebten Klassen erst kurzfristig in die Wahlfreiheit einbezogen. CDU und Grüne hatten das Ministerium gebeten, die Frage zu prüfen. "Auch in den siebten Klassen kann man es den Schulgemeinden überlassen, was für sie die sinnvollste Möglichkeit ist", sagte Lorz zum Ergebnis.

Angesichts massiver Elternproteste hatte die frühere CDU/FDP-Regierung den Gymnasien die Abkehr von der verkürzten Gymnasialzeit (G8) erlaubt. Allerdings lehnte sie die Umstellung bereits laufender Klassen ab. Es gelte Vertrauensschutz: Wer seine Schullaufbahn in einem bestimmten System beginne, müsse sie darin auch beenden dürfen. Die neue Koalition betont die freie Wahl von Eltern und Schulen. "Wir schreiben den Schulen keinen Weg mehr vor, wie sie es machen sollen", sagte Grünen-Fraktionschef Mathias Wagner.

Umstellung auf G9

Das Verfahren sieht so aus, dass zunächst die Schulkonferenzen die Umstellung auf G9 beschließen. Dann werden anonymisiert die Eltern der betroffenen Klassen befragt. Wenn alle zustimmten, sei der Wechsel zu G9 unproblematisch, erläuterte Minister Lorz. Wenn sich genügend Schüler finden, die bei G8 bleiben wollen, können Klassen auch neu gemischt werden. Dann bietet die Schule beide Bildungsgänge an. Wenn aber einige Eltern Nein sagen und die Klasse nicht verändert werden kann, fällt der Wechsel aus. "Der Vertrauensschutz behält seine zentrale Stellung", bekräftigte Lorz.

Der CDU-Schulpolitiker Hans-Jürgen Irmer sah keine Gefahr für den innerschulischen Frieden: "Es geht uns nicht darum, Unfrieden zu stiften." Gerade in den siebten Klassen sind aber Konflikte zu befürchten, weil sie schon die Hälfte der Mittelstufe durchlaufen haben. Die SPD, aber auch die Vereinigung hessischer Unternehmerverbände (VhU) lehnen diese Art der Wahlfreiheit ab. Die Schulen bräuchten bei der Struktur feste Vorgaben, argumentieren sie. "Der Gesetzesentwurf ist die in Papierform gegossene Störung des Schulfriedens an den betroffenen Schulen", sagte der FDP-Abgeordnete Wolfgang Greilich. Die Linken sahen einen Schritt in die richtige Richtung. Sie fordern aber eine vollständige Abschaffung von G8.

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dpa

Quelle: op-online.de

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