Im hessischen Handwerk fehlen Auszubildende

Wiesbaden/Offenbach/Rüsselsheim - Im hessischen Handwerk ist der Fachkräftemangel angekommen.

Für die Betriebe werde es immer schwieriger, freie Lehrstellen mit geeigneten Bewerbern zu besetzen, erklärte der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der hessischen Handwerkskammern (ARGE), Harald Brandes, gestern in Wiesbaden. Nach einer Umfrage sind bei den drei Kammern in dem Bundesland im Ausbildungsjahr bis Ende September mehr als 10 520 Lehrverträge abgeschlossen worden. Dies entspricht im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einem Rückgang von fast 450 Verträgen oder einem Minus von 4,1 Prozent. Auch in Stadt und Kreis Offenbach ist die Entwicklung spürbar. „Der Fachkräftemangel ist bei uns stark angekommen“, sagte der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Helmut Geyer, unserer Zeitung. Im Rhein-Main-Gebiet gebe es noch mehr als 260 offene Lehrstellen. Für das angelaufene Ausbildungsjahr seien mehr als 590 Verträge abgeschlossen worden, ein Plus von acht Prozent. Es hätten noch mehr Lehrstellen besetzt werden können, berichtete Geyer.

„Der Megatrend des demografischen Wandels ist die große Herausforderung“, erläuterte Brandes. Im Handwerk gebe es keinen Lehrstellenmangel, sondern einen Lehrlingsmangel. Dies würden auch die Arbeitsagenturen bestätigen. „Der Wettbewerb zwischen den Wirtschaftsbereichen um die besten Köpfe wird härter“, erklärte Brandes. „Vor allem die sinkenden Schulabgängerzahlen in den Bildungsgängen der Haupt- und Realschule machen deutlich, dass bei der Schulwahlentscheidung die zentrale Botschaft lauten muss: Haupt- und Realschüler haben die besten Chancen im Handwerk“, so Brandes weiter.

Über einen „flächendeckenden Fachkräftemangel“ in den technisch-mathematischen-Berufen (MINT) klagt die hessische Industrie. Diese Entwicklung werde sich in den nächsten drei Jahren deutlich verschärfen, erklärten Volker Fasbender, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände, und Holger Kimmes, Vorstandsmitglied des Arbeitgeberverbands Hessenmetall, bei einer Ausbildungsmesse in Rüsselsheim. Eine „planmäßige Stellenbesetzung“ sei schon jetzt schwierig: 72 Prozent der Unternehmen gelinge dies bei Fachkräften, bei den Akademikern liege die Quote bei nur 61 Prozent, bei den Auszubildenden immerhin noch bei 90 Prozent. In den nächsten drei Jahren werde es aber noch viel schwieriger, offene Stellen zu besetzen, hieß es. Insbesondere bei den Akademikern rechnen nur noch knapp über die Hälfte der Firmen damit, bei den Fachkräften sind es knapp zwei Drittel und bei den Auszubildenden noch 80 Prozent.

ku

Quelle: op-online.de

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