Hessisches Projekt ist bundesweit Vorreiter

Ökopunkte für Wald der Bahn

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An der Schnellfahrstrecke zwischen Köln und Frankfurt erledigen Bahn-Mitarbeiter Mäharbeiten.

Frankfurt/Schlüchtern - Idyllisch und ein wenig verwunschen ist es im Elmer Wald bei Schlüchtern in Osthessen. Hundertjährige Eschen, Linden, Ahornbäume und Eichen, alte Buchen, viele abgestorbene Stämme. Von Sabine Ränsch

Im Jahre 1906 wurden die Bäume von Eisenbahnern gepflanzt - als Schutz entlang der Bahnstrecke. Seit 40 Jahren hat das 20 Hektar große Waldstück keine Säge mehr gesehen. „Ein Zauberwald“, sagt Gerhard Hetzel (52), Forstexperte im Dienst der Deutschen Bahn (DB).

Mit rund 20.000 Hektar ist die Deutsche Bahn einer der größten privaten Waldbesitzer in Deutschland. Forstwirtschaftlich genutzt wird der Bahn-Wald in der Regel aber nicht. Er dient vielmehr der Sicherheit, etwa der Befestigung von Böschungen. Auf rund zehn Metern auf jeder Seite der Gleise wächst meist Bahn-Wald. Rund 200 Forstleute beschäftigt die DB Netze zur Pflege der Flächen. „Oberstes Gebot für die Deutsche Bahn ist immer die Sicherheit des Eisenbahnbetriebs“, sagt Bahn-Sprecherin Ursula Eickhoff.

Zur Sicherung von Böschungen seien beispielsweise Robinien mit ihrem starken Wurzelwerk geeignet, sagt Hetzel. Ahorn sei unempfindlich gegen Steinschlag. Beide Baumarten seien „ausschlagfreudig“ - das heißt, sie treiben schnell wieder aus, wenn die Stämme radikal gekürzt werden. Früher wurden sie unter anderem für die sogenannte Niederwald-Kultur entlang der Gleise angepflanzt - als Brennholzlieferanten. Solchen Niederwald hätte Hetzel gern mehr, und das Holz könnte etwa über den Landesbetrieb Hessen-Forst verkauft werden.

Seit die Gleisanlagen zwischen Flieden und Gemünden in Osthessen verkleinert wurden, sei der Wald für die Bahn nicht mehr betriebsnotwendig, sagt Hetzel. Den eigentlich geplanten Verkauf habe er verhindert und sich stattdessen um Ökopunkte für den seit Jahrzehnten unberührten Wald bemüht - „eine Ausgleichsmaßnahme im Vorgriff“. Diese Punkte kann die Bahn als Ausgleich einsetzen, wenn sie in der Region mit Neubauprojekten in die Natur eingreift. Der Main-Kinzig-Kreis hat sie bereits gutgeschrieben. Belohnt werde damit die natürliche Waldentwicklung, sagt ein Kreissprecher.

Laut Hetzel ist der Elmer Wald bundesweit der erste Wald der Bahn, für den es Ökopunkte gibt, zwei andere Projekte seien in Vorbereitung. Die Lösung findet er sinnvoll für alle Beteiligten: „Wenn das Waldstück verkauft worden wäre, müssten wir anderswo aufforsten.“ Die „Vegetationskontrolle“ entlang der Schienen kostet die Bahn nach eigenen Angaben jährlich rund 90 Millionen Euro. Der Baumbestand werde zunächst durchforstet, umsturzgefährdete Bäume würden entfernt. Auf einem sechs Meter breiten Streifen rechts und links der Gleise wird die Vegetation einmal im Jahr komplett beschnitten. Die Bäume, die weiter weg stehen, werden jährlich inspiziert. (dpa)

Quelle: op-online.de

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