Hier dürfen auch Frauen brüllen

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Petra Spatz gibt alles - hier aufgenommen beim Training in Hanau. Bei der morgigen Veranstaltung ist die achtfache Weltmeisterin allerdings nur als Organisatorin dabei.

Langenselbold - Den Durchbruch schaffte die Kraftsport-Disziplin mit einem Film mit Sylvester Stallone als schwitzendem Helden. Der Schauspieler verkörperte in „Over the Top“ einen muskulösen Truckfahrer, der es zum Weltmeister im Armwrestling brachte. Das war 1987.

Von da an haben sich auch in Deutschland immer mehr starke Männer gefunden, die sich in der speziellen Form des Armdrückens beweisen wollen. Am morgigen Samstag kommen die besten von ihnen nach Langenselbold. Dort messen sie sich bei den 25. Deutschen Meisterschaften im Armwrestling (zu Deutsch: Armringen).

Bei der Deutschen Meisterschaft konkurrieren aber nicht nur Männer sondern auch Jugendliche und Frauen miteinander. Die erfolgreichste deutsche Athletin geht diesmal aber nicht an den Start. Die achtfache Weltmeisterin Petra Spatz (49) ist als Organisatorin und Moderatorin der Titelkämpfe mit ihren etwa 150 Teilnehmern, als Nationaltrainerin und auch als Doping-Beauftragte eingespannt. Der Naturheilpraktikerin fehlte deswegen auch Zeit fürs Training - ohne das wäre auch sie als 14-malige deutsche Meisterin aufgeschmissen.

Wer am Wettkampftisch bestehen möchte, muss sich mehrmals wöchentlich schinden. Ohne Schweiß keinen Preis. Armwrestling habe aber nichts mit platter Kraftmeierei in Bierzelt-Atmosphäre zu tun, versichert Spatz. Sie warnt vor Macho-Übermut: „Es gehören keine Anfänger an den Tisch, erst recht nicht, wenn Alkohol im Spiel ist, dann merkt man die Schmerzgrenze nicht“, erklärt die Fachfrau, die den Sport seit 25 Jahren betreibt. Wichtig sei nicht nur die Maximalkraft. „Vom Halsmuskel bis zum kleinen Zeh ist alles angespannt.“ Ausschlaggebend für Sieg oder Schlappe sind auch Schnelligkeit und vor allem Technik. Etwa 40 verschiedene Varianten gebe es, zum Beispiel Grifftechniken, um den Gegner in die Knie zu zwingen. Die Duelle können einige Sekunden oder auch Minuten dauern.

Doping ein Problem

Für Armwrestling-Queen Spatz gibt’s keinen schöneren Sport: „Ich liebe die Auseinandersetzung Frau gegen Frau. Da kann man auch mal richtig die Sau rauslassen und losbrüllen, um sich hochzupushen.“ Von den 400 Armwrestlern in Deutschland sind etwa 20 Frauen. Eine von ihnen ist Camilla Kättström. Die für Hanau startende Mannheimerin wurde erst kürzlich in Kasachstan Weltmeisterin in der Klasse bis 80 Kilo. Die deutschen Athleten sind im internationalen Vergleich durchaus zu beachten. 2010 belegte das Nationalteam Rang acht bei der WM. Sehr erfolgreich und ambitioniert seien Nordamerikaner und Osteuropäer.

Bei allem Engagement der Aktiven - die Armwrestler haben es in Deutschland mit der öffentlichen Wahrnehmung schwer. „Unser Sport hat keine Lobby, wir haben wenig Sponsoren“, bedauert Spatz. Für die Titelkämpfe, die in je 16 Klassen mit dem rechten und dem linken Arm ausgetragen werden, ist das Geld rar. „Wir legen wahrscheinlich wieder drauf“, befürchtet Spatz, Vorsitzende des ausrichtenden Armwrestling Clubs Over the Top Hanau, dem größten deutschen Verein. Spatz wünscht sich mal „1000 Euro, um mal ordentlich Dopingkontrollen durchführen zu können“. Denn Doping sei durchaus ein Problem in dem Sport, aber vor allem bei den Profis im Ostblock, wo sich die Kraftprotze Ruhm und tolle Reisen erhoffen. „Da dopen sich diese Bullen von Männern mit Kälbermastmittel“, sagt Spatz kopfschüttelnd. In Deutschland werde bei den Amateuren pro Jahr ein Dopingfall bekannt. Dafür gibt es dann eine zweijährige Sperre. Spatz verurteilt Doping auf Schärfste, es sei auch vollkommen überflüssig: „Der Sport ist Adrenalin pur.“

dpa

Quelle: op-online.de

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