Hier werden Männerträume wahr

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In der Hessenhalle in Alsfeld erfreuten sich 100 Männer am Bagger- und Lasterfahren.

Alsfeld - Als gäbe es in Hessen noch nicht genug Autobahn-Baustellen: Rund 100 Hobby-Straßenarbeiter erneuern seit Donnerstag auf eigene Faust ein Teilstück der A5 (Bad Hersfeld - Frankfurt). Von Pierre-C. Fink (dpa)

Im osthessischen Alsfeld reißen die Straßenbau-Enthusiasten eine Brücke ab und errichten eine neue Auffahrt. Zu Staus kam es aber noch nicht - die Baustelle ist nämlich nur 30 Meter lang und 24 Meter breit. Gewerkelt wird auch nicht an der echten A5, sondern wenige Meter daneben auf einem Mini-Parcours in der Alsfelder Hessenhalle. Ausschließlich Modellmaschinen sind im Einsatz. „Der Neubau der A5 in Miniatur“, heißt das Projekt, das gestern abgeschlossen wurde.

Den Veranstaltern zufolge zieht kein anderes Treffen in Deutschland so viele Modellbauer mit ihren winzigen Baumaschinen an. Bagger, Radlader, Planierraupen und Kipper fahren über den Parcours in der Hessenhalle - gesteuert von ihren stolzen Besitzern, die mit der Fernbedienung am Rand stehen. Ein Gitter trennt sie von den Zuschauern. Wie angewurzelt verharren manche Gäste an der Absperrung und verfolgen stundenlang das Gewusel auf der Baustelle. Die Modelle stehen ihren Vorbildern kaum nach: Sie können Lasten fahren, Arbeiten verrichten, hupen und Licht einschalten. Unentwegt liegt das Sirren der winzigen Motoren in der Luft.

Was auf den ersten Blick nach heillosem Durcheinander aussieht, hat System. Auf der Baustelle gibt es Teilabschnitte und sogar einen Bauleiter, der die Arbeiten verteilt. „Hier wird nicht wild hin- und hergefahren oder ein Loch gebuddelt“, sagt Bauleiter Peter Krauß. Der Ingenieur hat den Parcours entworfen und gibt jeden Morgen ein Tagesziel aus. Das Konzept gefällt dem 32-jährigen Modellbauer Reinhold Perner: „Man macht nicht sinnlos irgendetwas, sondern weiß, was man zu tun hat.“

Zusammen mit seinem Bruder und einem Freund ist Perner aus dem österreichischen Salzburg nach Alsfeld gekommen. Perner: „Ich war schon auf vielen Veranstaltungen, aber diese hier ist ein Traum.“ Rund 150 Kubikmeter Erde dürfen die Modellbauer in der Hessenhalle mit ihren Baumaschinen umwühlen. Und nach Arbeitsschluss können sie ihre Schätze beruhigt auf der Baustelle parken: Eine Nachtwache behütet die Modelle im Wert von Tausenden Euro.

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Wie auf einer echten Autobahn-Baustelle ist in der Hessenhalle kaum eine Frau zu sehen. „Männer und Technik“, fasst Organisator Alfred Blank bündig das Erscheinungsbild zusammen. „Wir sind hier direkt wie auf dem Bau, alle duzen sich.“ Stück für Stück entsteht so die perfekte Kopie einer Autobahn- Baustelle - inklusive Dixi-Toilette und Hinweisschild: „Wir bauen für Sie“. Doch ausgerechnet die Krönung ihrer Straßenarbeit ist den Modellbauern nicht vergönnt, wie Organisator Hendric Kipp gesteht: „Es gibt leider noch keine Modellmaschine, die asphaltieren kann.“

Quelle: op-online.de

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