Hilfe zur Selbsthilfe

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Diese Villa in der Offenbacher Geleitsstraße wird zu einem Haus für Demenzkranke.

Frankfurt/Offenbach - Kein Medikament kann diese Krankheit heilen. Allenfalls kann ihr Verlauf gemildert oder verzögert werden. Doch am Ende steht der Verlust sämtlicher intellektueller Fähigkeiten. Von Christian Riethmüller

Vermutlich deshalb ist die Furcht vor dieser Krankheit so groß, obwohl Alzheimer meist erst im fortgeschrittenen Lebensalter diagnostiziert wird.

In Deutschland leiden etwa 1,2 Millionen Menschen an der Alzheimer-Erkrankung. Weil die Gesellschaft immer älter wird, dürfte sich die Zahl der Betroffenen in den nächsten Jahrzehnten verdoppeln, schätzen Experten. Ob den Kranken, die allmählich das Gedächtnis, die Orientierung und die Sprache verlieren, in der Zukunft ein Medikament helfen kann, ist ungewiss. Schließlich forschen Mediziner in aller Welt bereits seit einem Jahrhundert über jene Krankheit, die der in Frankfurt wirkende Neuropathologe und Psychiater Alois Alzheimer 1906 erstmals einem Fachpublikum beschrieben hatte.

Auch die Neu-Isenburgerin Ilse Breuer litt an der Alzheimer genannten Demenzerkrankung. Ihre Familie kümmerte sich aufopferungsvoll um sie, stand der Krankheit und ihrem Fortschreiten letztendlich aber machtlos gegenüber. Doch Breuers wollten nicht in der Ohnmacht verharren, sondern den Kampf gegen Alzheimer und andere Demenzerkrankungen aufnehmen und sich engagieren. Nach dem Tod von Ilse Breuer gründete ihr Mann Hans im Jahr 2000 die Hans-und-Ilse-Breuer-Stiftung mit Sitz in Frankfurt. Als Stiftungskapital konnten die Breuers einige Millionen Euro einbringen, die sie mit dem dem Verkauf des familieneigenen Unternehmens erzielt hatten.

Seit ihrer Gründung widmet sich die Stiftung zwei Schwerpunkten: der Forschung und der Betroffenenhilfe. Seit dem Jahr 2006 wird jährlich ein Forschungspreis vergeben, zudem werden bis zu drei Promotionsstipendien ausgelobt. Der jeweils bei einer gleichfalls von der Stiftung finanzierten dreitägigen Fachkonferenz in Garmisch-Partenkirchen verliehene Forschungspreis ist mit einer Ausstattung von 100.000 Euro der höchstdotierte Preis zu dieser Thematik in Deutschland. Aus Erträgen der Stiftungskapitals sowie Spenden konnten bereits über eine Million Euro für die Forschung und eine halbe Million Euro für Doktorarbeiten zur Verfügung gestellt werden.

Über die Preise und die Stipendien entscheidet das Kuratorium der Stiftung, dem mit Peter Breuer der älteste Sohn von Hans und Ilse Breuer vorsteht. Als wissenschaftliche Experten gehören dem Kuratorium der in München wirkende Biochemiker Christian Haass und der in Zürich tätige Mediziner Christoph Hock an, die beide selbst zu Alzheimer forschen.

Neben der Forschung setzt die Stiftung auf die Hilfe für Betroffene und deren Angehörige. Sie förderte bereits Projekte, die sich modellhaft für ein Miteinander von Demenzkranken und ihren Familien engagieren und investiert nun selbst in ein Projekt, das Modellcharakter übers Rhein-Main-Gebiet haben soll. In Offenbach lässt die Stiftung derzeit eine denkmalgeschützte Villa nebst großem Garten zum „StattHaus“ umbauen, in dem neben Wohngruppen für Demenzkranke eine Begegnungs- und Informationsstätte eingerichtet werden. Insgesamt 3,5 Millionen Euro wird die Stiftung nach Angaben ihres Vorstands, des Frankfurter Anwalts Roland Bergfeld, für den Kauf und Umbau der früheren Erziehungsberatungsstelle an der Geleitsstraße investieren und dann auch die Betriebs- und Personalkosten in Höhe von jährlich rund 250.000 Euro übernehmen, um dort - auf hohem Niveau - die Vorteile einer ambulant betreuten Wohngruppe aufzuzeigen. In dieser Wohngemeinschaft werden demenzielle erkrankte Menschen von einem ambulanten Pflegedienst und den Angehörigen gemeinsam betreut. So solle den Kranken das Gefühl von Geborgenheit und Vertrautheit vermittelt und gleichzeitig die Lebensqualität der Angehörigen verbessert werden, die mit Hilfe der Stiftung geschult und beraten werden. Die Erfahrungen könnten dann an andere Selbsthilfegruppen vermittelt werden, die das Modell der Wohngemeinschaft ihrerseits aufgreifen und anwenden könnten. „Wir möchten eine lebenswerte Existenz mit der Krankheit aufzeigen“, sagt Roland Bergfeld, der von lebhaftem Interesse an dem Offenbacher Projekt berichtet und ausdrücklich das Entgegenkommen der Nachbarschaft wie auch der Stadt lobt.

Internetseite der Breuerstiftung

Quelle: op-online.de

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